IS-Angriff im Nordirak Uno fürchtet Völkermord an den Jesiden

Die Uno bestätigt, was seit Monaten offensichtlich ist: Die Terrororganisation "Islamischer Staat" versucht, die Jesiden auszulöschen. Die Vereinten Nationen werfen den Dschihadisten im Irak Kriegsverbrechen vor.

Jesidische Flüchtlinge im Irak: Zehntausende mussten ihre Heimat verlassen
DPA

Jesidische Flüchtlinge im Irak: Zehntausende mussten ihre Heimat verlassen


New York - Die Vereinten Nationen werfen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) einen versuchten Völkermord an der religiösen Minderheit der Jesiden im Irak vor. Dafür sprächen einige Fakten, sagte der für Menschenrechte zuständige Uno-Diplomat Ivan Simonovic nach einer Irak-Reise.

Es gebe Beweise dafür, dass die IS-Kämpfer versucht hätten, die Jesiden auszulöschen. Die Dschihadisten zwangen die Andersgläubigen zum Übertritt zum Islam. Weigerten diese sich, wurden sie umgebracht. Diese Vorgehen sei ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagte Simonovic.

Der Uno-Diplomat hatte sich in den Städten Arbil, Bagdad und Dohuk mit Regierungsvertretern und Vertriebenen getroffen, darunter mit 30 Jesiden. Diese hätten unter anderem von einer Massenhinrichtung von Jesiden in einer Schule berichtet, die sich geweigert hätten, zum Islam überzutreten.

Die Zukunft der Jesiden im Irak ist ungewiss

Vor den IS-Kämpfern waren in den vergangenen Wochen Zehntausende Jesiden aus mehreren nordirakischen Städten geflohen. Das Schicksal von Hunderten vermissten Frauen und Kindern ist unklar. Die radikalen Sunniten des IS betrachten die Minderheit als Teufelsanbeter, die weder Schutz noch Respekt verdienen und als vogelfrei angesehen werden können. Die Dschihadisten brüsten sich damit, dass sie jesidische Frauen als Sklavinnen verkauft hätten.

Seit dieser Woche sind erneut Tausende Jesiden in Bedrängnis, weil der IS rund um das Sindschar-Gebirge im Nordirak gegen sie vorrückt. Die Minderheit bat deswegen die USA erneut um Hilfe.

Die Jesiden haben vor allem in der Gegend um die irakische Stadt Mossul und im Sindschar-Gebirge gelebt. Schon in den vergangenen Jahren sind Tausende vor der Verfolgung ins Ausland geflüchtet, der Vormarsch der Dschihadisten hat diesen Exodus noch einmal rasant beschleunigt. Dass die Religionsgemeinschaft im Irak noch eine Zukunft hat, erscheint derzeit unwahrscheinlicher denn je.

syd/AFP/Reuters

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
karlsiegfried 22.10.2014
1. Und die ganze Welt ...
... schaut tatenlos zu. Auch Deutschland.
januario 22.10.2014
2. Tut endlich was!
Ich bin traurig und wütend. Merkel, Gabriel, von der Leyen, Gauck: Helft endlich!
flaviussilva 22.10.2014
3. Bitte lesen die....
Zitat von karlsiegfried... schaut tatenlos zu. Auch Deutschland.
....Artikel auf SPON betreffend den Zustand der Bundeswehr. So hässlich es ist, Deutschland hat hier nicht mehr als die Rolle des Zuschauers.
Frederick von Hoheneck, 22.10.2014
4.
Die UNO stellt also fest, dass ein Völkermord an den Jesiden stattfindet. Vielleicht erinnert sie sich sogar an ihre alte Konvention im Falle eines Völkermordes: "Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes" (Resolution 260 A (III). Völkermord wurde in dieser Konvention zum ersten Mal rechtlich als Straftatbestand definiert. Als wegen Völkermord zu Bestrafender gilt, "wer in der Absicht, eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören, vorsätzlich Mitglieder der Gruppe tötet, Mitgliedern der Gruppe schwere körperliche oder seelische Schäden […] zufügt, die Gruppe unter Lebensbedingungen stellt, die geeignet sind, deren körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen, Maßregeln verhängt, die Geburten innerhalb der Gruppe verhindern sollen, Kinder der Gruppe in eine andere Gruppe gewaltsam überführt". Mal sehen, ob die UNO diesmal handelt und gegen die Mörderbande vorgeht und nicht wie in Ruanda zusieht.
stowolle 22.10.2014
5. Genozid verhindern
Der Vorwurf der UNO bezüglich eines vom Terrorkalifat beabsichtigten Genozids an der Eziden bestätigt, was aus dem Shingal bekannt ist: Massenhinrichtungen, Entführung von ezidischen Frauen zur Versklavung und Zwangskonvertierung zum Islam unter Androhung von Enthauptung. Die Peschmerga im Nordirak (von Deutschland mit Waffen beliefert) haben unlängst das Vertrauen weiter Teile der flüchtenden Eziden verloren. Es waren Einheiten der PKK die jüngst einen Fluchtkorridor für Tausende Eziden erkämpft haben. Einen neuerlichen Genozid will PKK-Chef Karay?lan mit Hilfe der syrischen YPG nicht zulassen. Es bleibt für die Menschen zu hoffen, dass Massaker verhindert werden kann.
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