IS-Geisel Kasaesbeh Jordanien bangt

Wie geht es Muaz al-Kasaesbeh? Der jordanische Pilot befindet sich noch immer in der Gewalt der IS-Milizen. Nach der Ermordung der japanischen Geisel Kenji Goto rechnet die Familie des Entführten mit dem Schlimmsten.

Angehörige von Muaz al-Kasaesbeh: "Wir wollen, dass uns die Regierung die ganze Wahrheit sagt"
REUTERS

Angehörige von Muaz al-Kasaesbeh: "Wir wollen, dass uns die Regierung die ganze Wahrheit sagt"


Amman - Mit der Ermordung der japanischen Geisel Kenji Goto haben die Terroristen des "Islamischen Staats" (IS) einmal mehr bewiesen, dass sie weder Gnade noch Mitgefühl kennen. Trotzdem hoffen die Menschen in Jordanien darauf, dass die Dschihadisten einen der ihren am Leben lassen.

Der jordanische Kampfpilot Muaz al-Kasaesbeh wurde am 24. Dezember von der Miliz gefangen genommen. Sein Jet war in der Nähe der syrischen Stadt Rakka abgestürzt. Seither gibt es kein Lebenszeichen von ihm. Der IS hat ein angebliches Interview mit Kasaesbeh veröffentlicht, unklar ist, ob es authentisch ist.

In der vergangenen Woche hatten die Dschihadisten mehrfach des Schicksal des Jordaniers mit dem der japanischen Geisel Goto verknüpft. Der IS veröffentlichte mehrere Audiobotschaften, in denen Goto Forderungen der Entführer übermittelte. Sie verlangten die sofortige Freilassung der Terroristin Sajida al-Rishawi aus jordanischer Haft. Sie sollte der Miliz bis Donnerstagabend übergeben werden, andernfalls würde Kasaesbeh getötet.

Der IS konnte aber keinen Beweis dafür liefern, dass die jordanische Geisel überhaupt noch am Leben ist. Daher ließ die Regierung in Amman das Ultimatum verstreichen. Nun töteten die Terroristen den verschleppten Journalisten Goto - das Schicksal des Piloten ist dagegen weiter völlig unklar.

Jordaniens Regierung ist grundsätzlich weiterhin zu einem Gefangenenaustausch mit dem IS bereit. "Wir tun alles, was möglich ist, um das Leben des Piloten zu retten und seine Freilassung zu erreichen", sagte Kabinettssprecher Mohammed al-Momani in Amman. "Alle staatlichen Institutionen sind mobilisiert worden, um das benötigte Lebenszeichen der Geisel zu sichern, damit er nach Hause zurückkehren kann."

Doch in der Familie des Entführten gibt es Zweifel daran, dass die Regierung ihr ganzes Wissen preisgibt. "Wir wollen, dass uns die Regierung die ganze Wahrheit sagt", forderte Yassin Rawashda, ein Onkel des Piloten.

Die Familie ist besonders beunruhigt, weil im jüngsten Video, das den toten Goto zeigt, keine Rede mehr von der jordanischen Geisel ist. "Ich mache mir Sorgen um meinen Sohn und diese Entwicklung beunruhigt mich noch mehr", sagte sein Vater Safi al-Kasaesbeh, ein einflussreicher Stammesvertreter in Jordanien.

Unter dem Slogan "Wir alle sind Muaz" läuft im Land eine große Kampagne für die Freilassung des Piloten. König Abdullah II. traf sich mit dem Vater des Piloten, Außenminister Nasser Judeh nannte den 26-Jährigen einen Helden.

Innenpolitisch erhöht das Drama den Druck auf Königshaus und Regierung. Die Beteiligung des Landes an der Anti-IS-Koalition ist höchst umstritten. Viele Jordanier sehen den Krieg als einen Feldzug gegen muslimische Glaubensbrüder.

syd/dpa

insgesamt 30 Beiträge
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movfaltin 01.02.2015
1. ...und wer freut sich?
Es ist altbekannt, dass die Zurschaustellung von Brachialität bei Terroristen im Rahmen eines Wettlaufs um die meiste Öffentlichkeitswirksamkeit zustande kommt. Je mehr mediales Echo, desto größer der Zulauf zu den Radikalen. Und nun bringt der Spiegel nicht nur ein Hetzbild gegen einen jüngst demokratisch gewählten Politiker auf den Printtitel und dichtet realitätsfern hinzu "Europas Albtraum", sondern schlachtet in seiner Onlinevariante auch noch - Hauptsache Klicks generieren - ganz groß und oben und gut bebildert die Entführungsgeschichten aus. Es gibt Tabus, in der Presse. In der deutschen muss man nach dem, was außerhalb des Journaillistenwesens Anstand genannt wird, allerdings schon lange suchen.
gandhiforever 01.02.2015
2. Pilot hat Einsaetze gegen IS geflogen
Damit hat er sich zum Feind der Islamisten gemacht. Nur gegen einen hohen Preis (Austausch gegen verhinderte Selbstmordattentaeterin) sind diese bereit, den Piloten zu verschonen. Doch da der Status der Maertyrers den Islamisten viel gilt, ist eben auch gut vorstellbar, dass der Pilot trotzdem zur Abschreckung ebenfalls getoetet wird (oder getoetet worden ist). Man muss die "Logik" der Islamisten verstehen, wenn man mit ihnen fertig werden will.
kuac 01.02.2015
3.
Jordanien bangt. Das verstehe ich menschlich sehr gut. Aber, wieso marschiert Jordanische Truppen nicht Seite an Seite mit Assads Truppen gegen den barbarischen IS?
pillorello 01.02.2015
4.
Ich bin neulich im Internet auf eine Seite gestoßen, wo all die Greultaten des IS unzensiert zu sehen sind. Fotos, Videos von Enthauptungen usw. Das steht dort scheinbar auf der Tagesordnung. Es ist so grausam. Ich hoffe, diese Terroristen werden bald vollständig ausgeschaltet.
rkinfo 01.02.2015
5. Stockholm-Syndrom II
Es gibt natürlich die menschliche Angst um den Piloten. Aber es zeigt sich dass in Jordanien wohl ein positives emotionales Verhältnis zu den IS - Entführen aufbaut. Dazu kommt dass ja IS nicht unkompatibel zu Koran und Islam seine bestialischen Verbrechen betreibt. Solidarisierung mit Palästinensern, dann Hamas und nun IS ist das Klettern auf der Leiter des irrationalen Hasses wobei der Islam mehr zusammen kittet als früher politische Parolen. Wir werden vom Islam noch viele Facetten der hochkomplexen Zusammenhänge die nächsten Jahre erfahren.
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