Türkisch-syrisches Grenzgebiet IS-Kämpfer sollen Hunderte Dörfer eingenommen haben

Die Kämpfer des "Islamischen Staats" stehen vor den Toren der kurdischen Grenzstadt Kobane in Nordsyrien. Jetzt wurde bekannt, dass sie inzwischen mehr als 300 Dörfer in der Region eingenommen haben sollen.
Angriffe auf Grenzstadt Kobane: 325 Ortschaften in der Region von IS erobert

Angriffe auf Grenzstadt Kobane: 325 Ortschaften in der Region von IS erobert

Foto: Sedat Suna/ dpa

Istanbul/Kobane - Das Ausmaß der Invasion des "Islamischen Staats" (IS) in der Grenzregion zwischen der Türkei und Syrien ist offenbar größer als bisher angenommen. Seit dem Vormarsch auf die Grenzstadt Kobane hat die Miliz nach Angaben der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschrechte 325 Dörfer im Umland unter ihre Kontrolle gebracht. Zuletzt war lediglich von mehreren Dutzenden eroberten Ortschaften die Rede gewesen.

Der Krieg der IS war dem Nato-Land Türkei zuletzt von Tag zu Tag immer näher gerückt. Bei Gefechten zwischen der Türkei und Syrien hatte die IS-Miliz einige militärische Erfolge erzielt. Die Islamisten waren in den vergangenen Tagen immer näher an die für sie strategisch bedeutsame Stadt Kobane (arabischer Name: Ain al-Arab) vorgerückt.

Nach Angriffen aus der Ferne mit Raketen hieß es, die Islamisten befänden sich nur noch zwei Kilometer von Kobane entfernt. Inzwischen steht der IS im Osten, Süden und Westen der Stadt. Außerdem hatte die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) eine türkische Exklave in Syrien eingekesselt - nach einem türkischen Medienbericht sollen dort 1100 IS-Kämpfer 36 türkischen Soldaten gegenüberstehen.

Nach Angaben der türkischen Regierung sind wegen der Kämpfe bislang mehr als 160.000 Menschen in die Türkei geflüchtet - von Zehntausenden mehr gehen die Vereinten Nationen nun in einer neuen Schätzung aus, falls die IS weiter Boden gewinnt.

Erstmals haben am Dienstag zwei britische Kampfjets die Kämpfer des "Islamischen Staat" (IS) mit Luftschlägen attackiert. Dabei zerstörte die britische Luftwaffe ein Artilleriegeschütz und ein mit Waffen ausgerüstetes Fahrzeug der Extremisten. Beide Flugzeuge kehrten nach Aussage von Verteidigungsminister Michael Fallon unbeschadet zu ihren Stützpunktenzurück.

Das britische Parlament hatte am Freitag mit großer Mehrheit den Weg freigemacht für eine Beteiligung der Royal Air Force am Kampfeinsatz der internationalen Allianz gegen den IS. Damit schloss sich Großbritannien der von den USA geführten Koalition im Kampf gegen die Islamisten an. Als erstes europäisches Land hatte sich anschließend Frankreich an den Luftangriffen beteiligt. Auch Dänemark, Belgien und die Niederlande kündigten militärische Unterstützung an.

Unterdessen wird offenbar auch eine Beteiligung türkischer Armeeeinheiten am Einsatz gegen den IS wahrscheinlicher. Das Parlament werde am Donnerstag über Resolutionen zum Kampfeinsatz gegen den IS zustimmen, sagte der türkische Vize-Premierminister Bülent Arinc. Der Beschluss erlaube es ausländischen Streitkräften, von der Türkei aus im Irak oder in Syrien zu operieren. Auch das türkische Militär soll dann direkt in den Nachbarländern intervenieren dürfen. Das Mandat des Parlaments würde "sämtliche möglichen Bedrohungen und Risiken" abdecken", sagte Arinc.

Die USA halten daran fest, moderate syrische Oppositionskämpfer bei den Auseinandersetzungen gegen die Miliz zu unterstützen. Sie seien die "beste Alternative zum Assad-Regime und das beste Gegengewicht zur IS", sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, mit Blick auf die komplizierte Gemengelage in Syrien. Die Regierung Assads sei weiterhin ein "Magnet für den Terrorismus".

daf/dpa/Reuters
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