Kampf um Kobane Schwarze IS-Flagge weht offenbar auf Haus nahe der Stadtgrenze

Die Kämpfer des "Islamischen Staats" rücken immer näher an die syrische Grenzstadt Kobane heran - und demonstrieren ihre Macht mit schwarzen Flaggen. Haben die Islamisten die Stadtgrenze bereits überschritten?


Kobane - Hat die Terrormiliz "Islamischer Staat" bereits die Stadtgrenze der syrischen Stadt Kobane übertreten? Zum Vorrücken des IS gibt es derzeit unterschiedliche Informationen. Nach kurdischen Angaben haben die IS-Kämpfer ein erstes Haus am östlichen Rand der umkämpften Stadt erreicht. Dort hätten sie auch ihre charakteristische schwarze Flagge gehisst, sagte Anwar Muslim, Chef der selbsternannten Regionalregierung von Kobane (arabisch: Ain al-Arab) der Nachrichtenagentur dpa. Fotos der Nachrichtenagenturen scheinen das bestätigen - es ist aber bislang unklar, ob es sich wirklich um die IS-Fahne handelt und ob wirklich Kämpfer der Miliz sie dort gehisst haben.

Bei dem Haus soll es sich um ein einzelnes Gehöft östlich der kurdischen Enklave handeln. Es liegt Anwar Muslim zufolge rund einen Kilometer von der Stadt entfernt. Die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) würden einen Gegenangriff starten, um die IS-Kämpfer von einem weiteren Vorrücken abzuhalten. Auch auf dem südlich von Kobane gelegenen Mischanur-Hügel gebe es schwere Gefechte. Gelingt es den IS-Kämpfern, diesen Hügel zu erobern, könnten sie von dort aus in Kobane einfallen.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, im Osten der umkämpften Grenzstadt zur Türkei seien am Montag zwei Fahnen des IS gehisst worden. Eine Fahne wehte auf einem Gebäude an der östlichen Stadtgrenze und eine weitere auf einem benachbarten Hügel, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP von der türkischen Seite der Grenze aus beobachtete. In der Nacht waren IS-Kämpfer laut Aktivisten erstmals in die Stadt eingedrungen.

Hügel östlich von Kobane: Angeblich wurde auch hier die IS-Flagge gehisst
AP

Hügel östlich von Kobane: Angeblich wurde auch hier die IS-Flagge gehisst

Die Lage in der Stadt war zunächst unklar: Ein Kurdenvertreter aus der Region, Idris Nahsen, sagte, er könne nicht bestätigen, dass IS-Kämpfer in die Stadt eingedrungen seien. Kobane ist seit mehr als zwei Wochen Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen IS-Milizionären und kurdischen Peschmerga. Die Stadt liegt unmittelbar an der syrisch-türkischen Grenze. Die IS-Truppen standen zuletzt nur noch wenige Hundert Meter vor Kobane.

Auf schnelle militärische Hilfe aus der Türkei im Kampf gegen die IS können die syrischen Kurden derweil nicht hoffen: Die Regierung in Ankara hat den Kurden in Kobane zwar Unterstützung zugesagt. Einen schnellen Einsatz von Bodentruppen gegen die IS in der umkämpften Stadt stellte die Türkei aber nicht in Aussicht. "Wir werden alles nur Mögliche unternehmen, um den Menschen in Kobane zu helfen", sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu dem US-Sender CNN. "Bodentruppen zu schicken ist aber natürlich eine andere Entscheidung." Wenn man in Kobane eingreife, müsse man in ganz Syrien intervenieren.

SPIEGEL ONLINE

anr/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 14 Beiträge
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sb411 06.10.2014
1. Unverständlicher Westen
Nirgends könnte der Westen seinen moralischen Anspruch besser demonstrieren, als in Kobane. Aber, wie soeben bei Heute im ZDF von einem Reporter an der Grenze erklärt, werden die längst bekannten Artelleriestellungen des IS am Rande der Stadt bombardiert, noch greifen die Türken ein. Wieso?
demokroete 06.10.2014
2. Es wuerde mich interessieren ...
woher der IS die Unmengen Waffen und Munition hat. Selbst wenn er aus arabischen Staaten finanziert wird, kann man die Waffen ja nicht einfach im Laden kaufen. Einen grossen Teil hat er zwar von der 'irakischen Armee' erbeutet, die lieber das Hasenpanier ergriffen hat, anstatt den Irak zu verteidigen, aber um das zu bewerkstelligen, muss der IS ja schon genug Waffen gehabt haben.
hunar07 06.10.2014
3. ein fataler Fehler der Anti-Terror-Koalition
Das verhalten der Anti-Terror-Koalition ist nicht verständlich. Man hat jetzt die Möglichkeit, viele Terroristen effektiv und schnell zu beseitigen. Warum tun Sie nichts? Ich habe das Vertrauen an die Politiker verloren. Ist das für die Politiker nur ein Spiel? Wir brauchen Taten und nicht moralische Reden.
rkinfo 06.10.2014
4. Kobane & PKK ...
IS ist Terror aber auch die PKK. Man muss realistisch sein da sind sehr vorsichtig bei Unterstützung einer PKK - Stadt. Im Gegenzug droht nun der IS Gewaltstaat in direkter Nachbarschaft zur NATO. Schuldig an Allen ist eher die ganze Welt welche bei Afghanistan und Irak am liebste unter die Decke kroch. War abzusehen dass Rückzug die islamistischen Bestien der Region stärkt und die Blut leckten für noch mehr Gewalt. War schon in der Antike so dass schwache Demokratien dann von bestialischen Despoten weggefegt wurden.
wynkendewild 06.10.2014
5. Taktik
Zitat von sb411Nirgends könnte der Westen seinen moralischen Anspruch besser demonstrieren, als in Kobane. Aber, wie soeben bei Heute im ZDF von einem Reporter an der Grenze erklärt, werden die längst bekannten Artelleriestellungen des IS am Rande der Stadt bombardiert, noch greifen die Türken ein. Wieso?
Vom dortigen Abnutzungskrieg profitieren NATO und Türkei am meisten. Die Allierten greifen nur punktuell ein und Ankara hält sich alle Optionen offen, und wird einen Teufel tun und sich in einen Häuserkampf begeben, der sich schnell als Falle erweisen könnte.
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