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30. September 2014, 14:00 Uhr

Kämpfe bei Kobane

IS-Kämpfer umzingeln türkische Soldaten

Der Krieg gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" kommt dem Nato-Land Türkei immer näher. Die Dschihadisten haben offenbar einen türkischen Gebietsstreifen innerhalb Syriens umstellt. Die Regierung in Ankara zieht Truppen zusammen.

Istanbul/Kobane - Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat eine türkische Exklave in Syrien eingekesselt. SPIEGEL ONLINE erfuhr von Bewohnern der Region, dass IS-Kämpfer ein von türkischen Soldaten bewachtes Mausoleum umstellt haben sollen. Laut der regierungsnahen Zeitung "Yeni Safak" sollen rund 1100 IS-Kämpfer 36 türkischen Soldaten gegenüberstehen. Die Terrormiliz kontrolliere außerdem den wichtigsten Zugangsweg zu dem Grab, das rund 30 Kilometer südlich der umkämpften Stadt Kobane (arabisch: Ain al-Arab) liegt.

Das Mausoleum von Süleyman Shah, dem Großvater des ersten osmanischen Sultans, liegt innerhalb Syriens auf einem exterritorialen Stück Land, das zur Türkei gehört. Es wäre nicht der erste direkte Konflikt zwischen der Türkei und den Dschihadisten: Der IS hatte im Juni das türkische Konsulat im nordirakischen Mossul gestürmt und 49 Menschen als Geiseln genommen. Die Geiseln waren nach mehr als hundert Tagen Gefangenschaft freigekommen.

Der IS hatte bereits im März gefordert, dass die Türkei ihre Soldaten von dem jetzt umstellten Mausoleum abzieht. Die Regierung in Ankara lehnte das ab und warnte, ein Angriff auf das Gelände werde als Angriff auf die Türkei gewertet.

35 Panzer richten ihre Geschütze nach Syrien

Inzwischen hat Ankara angesichts der Schlacht um die kurdische Stadt Kobane an der Grenze zu Syrien Truppen zusammengezogen. Die Streitkräfte hätten 35 Panzer in der Region aufgefahren, berichtet die regierungsnahe Zeitung "Sabah". Die Panzer haben demnach 400 Meter von der Grenze entfernt Stellung bezogen und ihre Kanonen auf Syrien gerichtet.

Die Zeitung "Hürriyet" meldet, Armeechef Necdet Özel warte nun mit den nächsten Schritten auf Beschlüsse des Parlaments. Die Abgeordneten in Ankara wollen am Donnerstag über Resolutionen entscheiden, mit denen die Regierung ermächtigt wird, militärisch gegen Terroristen in Syrien und im Irak vorzugehen.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte vergangene Woche eine Unterstützung der Türkei für internationale Militäroperationen gegen den IS nicht mehr ausgeschlossen, selbst Bodentruppen nicht. Er fordert die Einrichtung einer "Sicherheitszone" auf der syrischen Seite der Grenze, die von türkischen und internationalen Truppen geschützt werden könnte.

10.000 türkische Soldaten einsatzbereit

"Sabah" berichtete, 10.000 türkische Soldaten stünden dafür nach Verabschiedung der Resolutionen bereit, weitere 5000 Soldaten würden in Reserve gehalten. Die Zone solle sich 20 bis 30 Kilometer nach Syrien hinein erstrecken und Kobane umfassen.

Zuletzt hatten sich die Bewohner Kobanes mit einer drastischen Warnung gemeldet. Sie befürchten bei einer Eroberung durch die Terrormiliz IS ein Massaker. Die Zahl der Luftangriffe in der Region sei zu gering, und die Luftschläge seien zu weit weg von der Front, beklagen Augenzeugen, wie der US-Fernsehsender CNN berichtete. "Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen Waffen. Wir brauchen effektivere Luftschläge", sagte Idriss Nassan aus Kobane. Wenn es so bleibe, "werden wir ein Massaker sehen".

Die Extremisten stehen inzwischen nur noch vier bis sieben Kilometer von dem Ort entfernt, sagte der Präsident der selbst ernannten Regionalregierung von Kobane, Anwar Muslim, am Montag. CNN berichtet von drei Kilometern. Vor mehr als einer Woche hatte die Eroberung Dutzender Dörfer durch den IS im Umland von Kobane eine Massenflucht in Richtung der Türkei ausgelöst.

kaz/mxw/dpa

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