IS-Vormarsch in Syrien Uno bereitet sich auf 400.000 weitere Flüchtlinge vor

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" belagert die syrische Großstadt Ain al-Arab. Sollte sie fallen, rechnet die Uno mit Hunderttausenden neuer Flüchtlinge in der Türkei.
Syrische Flüchtlinge bei Sanliurfa: "Berichte über die Tötung von Zivilisten"

Syrische Flüchtlinge bei Sanliurfa: "Berichte über die Tötung von Zivilisten"

Foto: Sedat Suna/ dpa

Genf - Das Uno-Flüchtlingshilfswerk befürchtet an der syrisch-türkischen Grenze eine humanitäre Katastrophe. Für den Fall, dass sämtliche Bewohner der nordsyrischen Kurdenstadt Ain al-Arab in die Türkei flüchten, würden derzeit Notfallpläne erstellt. Die 400.000-Einwohner-Stadt mit dem kurdischen Namen Kobani ist von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) umzingelt, die schon Dutzende Dörfer in der Umgebung erobert hat.

"Unsere größte Sorge ist, dass Kobani fällt", sagte UNHCR-Sprecher Robert Colville in Genf. "Wir wissen es nicht, aber wir treffen entsprechende Vorbereitungen, falls die gesamte Bevölkerung flüchtet." Hilfsgüter für bis zu 200.000 Menschen sollen demnach bereits am Mittwoch aus dem jordanischen Amman in der Stadt ankommen. Drei weitere Flüge sollen im Laufe der Woche folgen.

"Wir haben äußerst besorgniserregende Berichte über die absichtliche Tötung von Zivilisten erhalten, einschließlich Frauen und Kinder", sagte Colville. Zudem seien Hunderte Kurden entführt und ein Großteil der Infrastruktur zerstört worden.

Die IS-Extremisten, die bereits große Teile Syriens unter ihre Kontrolle gebracht haben, rücken seit dem 15. September auf Ain al-Arab vor. Die Stadt war bisher vom Bürgerkrieg in Syrien weitgehend verschont geblieben, weshalb rund 200.000 Vertriebene dort Zuflucht gesucht hatten. Der Vorstoß der IS-Dschihadisten zwang dann jedoch Zehntausende zur Flucht.

Ain al-Arab ist für Nordsyrien von zentraler militärischer Bedeutung. Mindestens 105 Ortschaften in der Umgebung haben die IS-Milizen bereits eingenommen. Aus rund hundert weiteren Dörfern sind die Einwohner nach Uno-Angaben geflohen.

Die rasche Ausbreitung der IS-Terrorgruppe hat inzwischen auch zum direkten militärischen Eingreifen anderer Staaten geführt: Seit Montagabend haben die USA und fünf arabische Staaten erstmals IS-Stellungen in Syrien angegriffen.

Die Türkei hatte am Freitag angesichts der Flüchtlingswelle ihre Grenzen geöffnet, nachdem das Land tagelang Schutzsuchende zurückgeschickt hatte. Seitdem hat sie etwa 138.000 Flüchtlinge aufgenommen. Das seien so viele Flüchtlinge, wie alle europäischen Staaten zusammen seit dem Beginn des Bürgerkrieges in Syrien vor drei Jahren aufgenommen haben, sagte Colville nun.

Die IS-Miliz kämpft in Syrien gegen Kurden, Regierungstruppen und rivalisierende Rebellen und hat im Norden und Osten weite Landesteile unter seine Kontrolle gebracht.

mxw/Reuters
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