Dschihadisten in Syrien Uno-Experten wollen IS-Kommandeure vor Gericht stellen

Sie vergewaltigen, verstümmeln, morden: Die IS-Terroristen haben in Syrien und dem Irak ein Schreckensregime errichtet. Ein Uno-Bericht fordert, die Verantwortlichen vor den Internationalen Strafgerichtshof zu stellen.

IS-Kämpfer in Rakka: Uno beklagt Terrorherrschaft
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IS-Kämpfer in Rakka: Uno beklagt Terrorherrschaft


Genf - Die Vereinten Nationen schlagen Alarm: Hunderttausende Menschen im Nordosten Syriens sind laut einem Uno-Untersuchungsbericht schutzlos dem menschenverachtenden und brutalen Terror des "Islamischen Staats" ausgesetzt.

"Die Brutalitäten und das ganze Ausmaß der Misshandlungen sind darauf ausgerichtet, die absolute Macht dieser Gruppe über das politische und soziale Leben durchzusetzen und die Gemeinden unter ihrer Kontrolle zum Gehorsam zu zwingen", heißt es in einem Bericht, den eine unabhängige Syrien-Untersuchungskommission dem Uno-Menschenrechtsrat in Genf vorgelegt hat. Zu den Methoden gehörten "die Amputation von Gliedmaßen für Vergehen wie das Rauchen einer Zigarette".

Die IS-Terroristen vergingen sich an ihren Opfern mit Massenmorden und willkürlichen Hinrichtungen sowie Amputationen von Gliedmaßen, Vergewaltigungen, sexueller Versklavung, Folterungen und Vertreibungen.

Der IS erklärt seine Gegner zu Ungläubigen

Auch Kinder und Frauen seien von den sunnitischen Extremisten bei öffentlichen Hinrichtungen in Städten und Dörfern in Nordostsyrien geköpft, erschossen oder gesteinigt worden. Zur Rechtfertigung der Grausamkeiten erkläre die Miliz ihre Opfer zu Ungläubigen.

Dabei gelte der Grundsatz "Man ist schuldig, solange man nicht seine Unschuld beweisen kann", berichteten die Ermittler. Sie stützen sich auf Aussagen von mehr als 300 Zeugen, die vor den Islamisten in Nachbarländer geflohen sind oder immer noch im Herrschaftsbereich des IS leben.

Die Experten forderten die internationale Gemeinschaft auf, sicherzustellen, dass die IS-Kommandeure sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten müssen.

"Auch die sozialen Leistungen, die der IS den Zivilisten bietet, fügen sich in den Rahmen dieser Terrorherrschaft", sagte der brasilianische Diplomat Paulo Sergio Pinheiro, der die Uno-Kommission anführt. Die Gruppe arbeite ähnlich wie andere kriminelle Organisationen, die solche Mittel einsetzen, um die Bevölkerung zu kontrollieren.

Gleichzeitig habe der IS nämlich 600.000 Menschen in den syrischen Provinzen Deir al-Sor und Rakka von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Außerdem verhindere die Terrorgruppe, dass Medikamente und medizinisches Personal in die Provinz Hassaka gelangten.

Die IS-Milizionäre würden sich oft direkt neben zivilen Einrichtungen verschanzen, so der Uno-Bericht. Deshalb würden bei Angriffen durch Kampfflugzeuge der USA und ihrer Verbündeten auf die Terroristen auch Unschuldige getötet.

syd/dpa/AP

insgesamt 3 Beiträge
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hagemannrh 14.11.2014
1. Kommandeure vor Gericht stellen
Der IS ist eine Terrororganisation, die sich mit der Behauptung sunnitisch zu sein rechtfertigen will und behauptet, den Koran zu befolgen. Nichts davon trifft zu. Der IS ist im koranischen Sinne ungläubig und besteht aus Verbrechern. Eigentlich müssten die Sunniten sich gegen den IS stellen, um den Mißbrauch ihrer Religion zu verhindern, es ist genau ihre Aufgabe. Die Einschaltung des Internationalen Gerichtshofs ist überfällig
Moewi 14.11.2014
2.
Hä? DIe IS-Leute sollen vor den Int. Strafgerichtshof, aber die Al-Kaidas in Guantanamo bleiben? Warum?
Mario V. 14.11.2014
3. @Moewi
Das Problem mit den (allermeisten) Guantanamo-Insassen ist, dass diese nicht wirklich was angestellt haben, bzw. hat man ihnen selbst mit Folter nichts anhängen können. Sonst hätte man sie schon längst verurteilt. Wenn die vor ein ehrliches Gericht gestellt würden, wären sie innerhalb kürzester Zeit auf freiem Fuß.
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