Terrorgefahr IS-Anhänger wollten angeblich als Flüchtlinge nach Norwegen

Die Terrormilizen IS und Nusra-Font sollen versucht haben, Anhänger heimlich nach Norwegen zu bringen. Berichten zufolge waren die Extremisten angeblich unter von der Uno ausgewählten Flüchtlingen.


Es ist ein Albtraum der europäischen Sicherheitsdienste: Islamistische Terroristen, die sich als Flüchtlinge tarnen. In Norwegen hat der polizeiliche Sicherheitsdienst PST offenbar genau dieses Szenario gerade eben noch verhindern können.

Sowohl die Miliz "Islamischer Staat" (IS) als auch die Nusra-Front, die syrische al-Qaida, sollen versucht haben, Anhänger als Flüchtlinge nach Norwegen einzuschleusen. Der PST habe dies bestätigt, meldet die Zeitung "Dagbladet".

Dem Bericht zufolge deckte der Sicherheitsdienst bei Aufenthalten im Nahen Osten auf, dass fünf bis zehn Personen, die als Flüchtlinge nach Norwegen wollten, Verbindungen zum "Islamischen Staat" oder der Nusra-Front hatten. Die Islamisten waren unter ausgesuchten Personen, die als sogenannte Kontingentflüchtlinge nach Norwegen kommen sollten. Solche Schutzsuchenden müssen nicht das normale Asylverfahren durchlaufen, sondern erhalten direkt eine Aufenthaltserlaubnis. Sie werden zum Beispiel in Flüchtlingslagern vom Hilfswerk UNHCR ausgewählt. Einzelheiten, etwa wie er auf die Islamisten aufmerksam wurde, will der PST laut "Dagbladet" nicht nennen.

Meldungen, dass der IS versuchen wolle, Terroristen als Flüchtlinge einzuschleusen, hatte es bereits häufiger gegeben. Deutsche Behörden haben aber bislang keine Erkenntnisse darüber, dass unter den Asylbewerbern aus Syrien IS-Anhänger sind. "Derzeit liegen keine konkreten Hinweise vor, dass sich in dieser Gruppe Terroristen des 'Islamischen Staates' befinden", sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums im März. Personenbezogene Daten, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge von jedem Asylbewerber aufnimmt, würden immer sofort mit den Sicherheitsbehörden abgeglichen.

Das Thema ist sehr heikel: Menschen, die aus Syrien flüchten, fliehen meist selbst vor der Terrormiliz IS oder dem Assad-Regime. Sie drohen nun unter Generalverdacht zu geraten.

Große Sorgen bereiten den Sicherheitsbehörden die rund 200 Deutschen, die bereits aus den Kampfgebieten in Syrien und im Irak zurückgekehrt sind. Manche haben sich vom IS desillusioniert abgewendet, andere könnten jedoch weiterhin eine Gefahr darstellen. Viele von ihnen werden daher mit beträchtlichem Aufwand überwacht.

Anschläge wie in Paris und Kopenhagen zeigen außerdem, dass die Ideologie des IS auch Menschen in Europa mobilisieren kann, die offenbar keinen direkten Kontakt mit der Miliz im Irak oder in Syrien hatten.

anr

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