Video aus Libyen IS-Film zeigt mutmaßliche Tötung von 21 koptischen Christen

IS-Terroristen haben ein neues Video veröffentlicht, gedreht angeblich in Libyen. Darin wird die mutmaßliche Tötung von 21 christlichen Kopten aus Ägypten gezeigt. Der Präsident des Landes, Abdel Fattah al-Sisi, kündigte Rache an.


Tripolis/Kairo/Berlin - In einem neuen Video der Terrormiliz IS ist zu sehen, wie angeblich 21 ägyptische koptische Christen in Libyen getötet werden. Der fünfminütige Film unter dem Titel "Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes" wurde im Internet verbreitet. Erstmals richtet sich der IS damit direkt an Christen. Die auf Islamisten spezialisierte Beobachtergruppe "Site" bestätigte die Authentizität des Videos; weitere Aussagen von Experten dazu fehlen bisher.

Die koptisch-orthodoxe Kirche bestätigte die Bluttat. Demnach waren die koptischen Christen als Gastarbeiter in Libyen und "gerade auf dem Heimweg nach Ägypten, als ihr Bus von den Terroristen aufgehalten wurde", bestätigte der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, der "Bild"-Zeitung

Wie bei früheren Enthauptungsvideos des IS knien die Geiseln in einem orangefarbenen Overall, der an die Häftlingskleidung im US-Gefangenenlager Guantanamo erinnert, auf dem Boden.

Bei den gezeigten Kopten soll es sich um eine Gruppe handeln, die seit dem Jahreswechsel in Libyen als verschollen galten. In der vergangenen Woche hatte der IS erklärt, die Christen in seiner Gewalt zu haben.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi kündigte an, dass Kairo die "erforderlichen Mittel und den Zeitpunkt aussuchen werde, um die verbrecherischen Tötungen zu rächen". Den Familien der "Märtyrer dieses brutalen Terrors" sprach der Präsident Beileid aus. Er habe eine siebentägige Staatstrauer angeordnet.

Seit der Ermordung des US-Journalisten James Foley im Sommer 2014 hat der IS mehrere Schreckensvideos veröffentlicht. Zuletzt verbreitete die Terrormiliz ein Video, in dem der jordanische Pilot Moaz al-Kassasbeh bei lebendigem Leib verbrannt wird.

Bereits in den vergangenen Jahren wurden häufiger Christen zu Opfern von Islamisten. Im Februar 2014 wurden nahe der östlichen Stadt Bengasi etwa die Leichen von sieben getöteten Kopten entdeckt.

Das Enthauptungsvideo ist die erste als Video veröffentlichte Gräueltat des libyschen Ablegers der ursprünglich in Syrien und im Irak kämpfenden IS-Miliz. Ebenfalls am Sonntag veröffentlichten die libyschen Kämpfer Bilder, die die Einnahme eines strategisch wichtigen Küstenabschnittes nahe Sirte zeigen sollen.

eth/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.