Irak Schiiten-Milizen versenken Liebesschlösser

Ein Iraker wollte seiner Freundin eine Freude machen. Der 26-Jährige hängte an einer Brücke in der Stadt Basra ein Liebesschloss auf. Prompt bekam der Verliebte Ärger mit den schiitischen Milizen.
Liebesschlösser (hier in Paris) sind inzwischen überall auf der Welt zu finden

Liebesschlösser (hier in Paris) sind inzwischen überall auf der Welt zu finden

Foto: © Charles Platiau / Reuters/ Reuters

Basra/Berlin - Ayman Karim, ein 26-jähriger Ingenieur aus dem südirakischen Basra, hatte seine Freundin über Facebook kennengelernt. Bei ihrem ersten Date spazierten sie am Ufer des Schatt-al-Arab-Flusses entlang. "Wir haben uns schnell verliebt", berichtete Karim jetzt der US-Zeitung "Washington Post" .

Der junge Mann war glücklich, mitten im Krieg. Es war der Sommer 2014. Im Nordirak war die Miliz des "Islamischen Staates" (IS) auf dem Vormarsch. In Basra und anderen südirakischen Städten bereiteten sich die schiitischen Milizen zum Gegenangriff vor.

"Ich wollte meine Liebe mit allen teilen", sagte Karim. "Es waren dunkle Zeiten, und wir brauchten alle ein wenig Licht." Seine Idee: eine Brücke voller Liebesschlösser, mitten in Basra - so wie in Paris.

Zusammen mit Freunden bat er die örtlichen Behörden um Erlaubnis. Gemeinsam strichen sie die Brücke neu und installierten ein Gitter, an dem die Schlösser befestigt werden könnten.

Schnell war die Brücke in Basra nur noch als "Liebesbrücke" bekannt, berichteten Einheimische der "Washington Post". Manche reisten sogar aus Bagdad an, um ein Liebesschloss aufzuhängen für ihre Freundinnen, Ehefrauen - und manche auch für ihre heimlichen Geliebten.

"Ich bin verheiratet", erzählte der 19-jährige Sijad Hussein. "Aber ich habe ein Schloss für meinen Schatz aufgehängt." Damit meinte Hussein aber nicht seine Ehefrau, die war von seinen Eltern ausgesucht worden.

Doch im Winter bekam Ayman Karim Post. Nachts wurde ein Brief unter seiner Haustür durchgeschoben. Jeder Iraker weiß, was das bedeutet: Während des Bürgerkrieges nach dem Sturz Saddam Husseins schoben Milizen nachts Zivilisten, die sie auf ihre Todesliste genommen hatten, Warnungen unter der Tür durch. Wer ihre Anweisungen nicht befolgte, wurde ermordet.

Doch der 26-Jährige bekam Morddrohungen

In Karims Brief stand: "Wir raten Dir, Dich von der Brücke fernzuhalten. Es könnte gefährlich für dich sein." Im Briefumschlag lag auch eine Kugel. Als Absender stand dort: "die Menschen von Basra". Doch Karim hatte keinen Zweifel daran, von wem die Botschaft kam.

Basra ist die Bastion der konservativen schiitischen Miliz Asaib Ahl al-Haqq (übersetzt in etwa: "Verbund der Gerechten"), die einen guten Draht zum irakischen Ex-Premierminister Nuri al-Maliki hat und von der Islamischen Republik Iran unterstützt wird. Der Vormarsch der sunnitischen Milizen im Nordirak unter der Führung des IS gab den schiitischen Milizen im Südirak neuen Auftrieb.

Die Schiiten-Milizen stehen ihren Gegnern, den IS-Dschihadisten, an Brutalität in nichts nach. Internationale Menschenrechtsorganisationen werfen ihnen regelmäßig Kriegsverbrechen vor. Die internationale Koalition um die USA gegen den IS setzen ihre Hoffnungen deshalb auf die überkonfessionelle irakische Armee.

Am Valentinstag will er wieder ein Schloss aufhängen

Im Winter sah Ayman Karim vermummte Bewaffnete der Miliz auf der Brücke. Sie rissen die Metallgitter ab und warfen sie mitsamt den Liebesschlössern in den Fluss. Die öffentlichen Liebesbekundungen waren der konservativen Miliz zuwider.

Trotzdem will sich der 26-Jährige nicht einschüchtern lassen. Er hat nun zwei Bodyguards, die eigentlich seine Mutter, eine örtliche Politikerin bewachen sollten. "Wir müssen zeigen, dass es trotz allem immer noch Liebe und Freundlichkeit im Irak gibt", sagt Karim. Am Valentinstag will er ein neues Gitter an der Brücke befestigen.

ras
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