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Sadr-Miliz: Schiiten mobilisieren "Brigade des Friedens"

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Bürgerkrieg im Irak Sadr-Milizen beschwören ihre Macht

Die sunnitischen ISIS-Kämpfer stehen vor Bagdad, jetzt mobilisiert Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr seine Anhänger: Tausende Bewaffnete zogen durch die Straßen. Sie sollen der überforderten irakischen Armee helfen.

Bagdad - In ihren Hochburgen im Irak haben Schiiten am Samstag martialische Paraden abgehalten. Sie wollten damit ihre Entschlossenheit im Kampf gegen die vorrückenden sunnitischen Aufständischen demonstrieren. Wie Bewohner von Bagdad berichteten, marschierten allein in der Hauptstadt mehrere Tausend Anhänger des radikalen Schiitenpredigers Muktada al-Sadr auf. Sie waren ausgerüstet mit Sturmgewehren und automatischen Waffen.

Die Machtdemonstration galt nicht nur der vorrückenden sunnitischen Miliz, "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS), sondern auch dem irakischen Premierminister Nuri al-Maliki. Der Schiit ging 2008 brutal gegen die sogenannte Mahdi-Armee von Muktada al-Sadr vor. Nun wird die Miliz reaktiviert.

Der Hauptgegner, die sunnitischen ISIS-Truppen, haben unterdessen offenbar die irakische Armee an der syrischen Grenze in die Flucht geschlagen. ISIS hält mehrere Städte im Westen des Iraks unter ihrer Kontrolle, meldete das Nachrichtenportal "Sumaria News". Demnach fiel auch ein strategisch wichtiger Grenzort in der Region Al-Kaiman die Aufständischen.

ISIS kontrolliert wichtige Autobahn

Die irakischen Sicherheitskräfte hätten sich nach mehrtägigen Kämpfen aus der Region zurückgezogen. Von unabhängiger Seite konnte das zunächst nicht überprüft werden. Die ISIS-Kämpfer können nun offenbar die Euphrates-Autobahn nutzen, um Kämpfer und Waffen zwischen Städten im Nordosten Syriens und im Nordwesten Iraks zu verlegen.

Die Feindschaft zwischen den muslimischen Glaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten hat im Irak eine lange Tradition. Exdiktator Saddam Hussein, ein Sunnit, hatte die schiitische Mehrheit im Lande unterdrückt. Nach seinem Sturz 2003 verloren die sunnitischen Stämme Macht und Einfluss. Nach dem Abzug der US-Truppen 2011 entbrannte der Machtkampf aufs Neue. Die von Schiiten dominierte Regierung unter Nuri al-Maliki hält Sunniten seit Jahren von allen wichtigen politischen Posten im Irak fern. Sunnitische Terrorgruppen wie ISIS kämpfen gegen Schiiten, die sie als "Abweichler" von der wahren Lehre des Islams ansehen.

Die USA verlegen derzeit rund 300 Soldaten zur Unterstützung der irakische Regierung. Der Nachrichtensender CNN meldete, dass erste Truppen bereits am Samstag in Bagdad eintreffen sollen. Soldaten, die an der US-Botschaft in Bagdad stationiert sind, sollen Beobachteraufgaben übernehmen. Die Soldaten sollen nach Angaben der "New York Times" etwa Ziele für Luftangriffe gegen ISIS prüfen.

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ore/dpa/AFP
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