Angriff von Assad-Truppen Verwirrung um syrische Luftschläge auf ISIS-Milizen

Kämpfer der Terrormiliz ISIS kontrollieren einen wichtigen Grenzübergang zwischen Syrien und Irak. Nun hat die syrische Luftwaffe Angriffe auf die Stellungen der Islamisten geflogen. Doch fielen die Bomben auf irakisches Gebiet?

ISIS-Kämpfer in Mossul: Iraks Nachbarn beobachten Vormarsch besorgt
AP

ISIS-Kämpfer in Mossul: Iraks Nachbarn beobachten Vormarsch besorgt


Bagdad - Am Donnerstag haben sich Gerüchte verdichtet, dass sich das syrische Militär in den Konflikt im Irak eingeschaltet hat. Sie gehen auf Meldungen zurück, laut denen die Luftwaffe von Präsident Baschar al-Assad Stellungen der ISIS-Terrormiliz rund um die Grenzstadt al-Kaim bombardiert hat - auf irakischem Territorium.

Doch so klar scheint die Lage nun doch nicht zu sein. Der irakische Präsident Nuri al-Maliki sagte jetzt - entgegen vorheriger Meldungen - er begrüße syrische Luftangriffe gegen ISIS, auch auf irakischem Gebiet. Doch die Kampfjets hätten Stellungen auf syrischer Seite beschossen.

Von der BBC und der Nachrichtenagentur Reuters befragte Vertreter des irakischen Militärs widersprachen dieser Darstellung. Sie sagten, Assads Luftwaffe habe die Dschihadisten auf irakischem Gebiet angegriffen. Anwohner bestätigten das gegenüber Reuters.

Der Grenzübergang zwischen Syrien und Irak nahe der Stadt al-Kaim ist für die Terrormiliz "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (ISIS) von großer Bedeutung: Sie hat den Posten am Wochenende erobert, um sicherzustellen, dass Dschihadisten ungehindert passieren können - aus dem Bürgerkriegsland Syrien in den umkämpften Irak.

Hunderttausende fliehen vor Dschihadisten

Die ISIS-Extremisten und ihre lokalen Verbündeten sind seit rund zwei Wochen auf dem Vormarsch. Sie kontrollieren weite Teile im Norden und Westen des Landes, darunter auch strategisch wichtige Einrichtungen. Am Mittwoch haben sie eines der größten Öl- und Gasfelder des Landes erobert.

ISIS plant einen grenzüberschreitenden Terrorstaat von Sunniten. Hunderttausende Iraker sind auf der Flucht. Etwa 900 Zivilisten sind bereits in dem Konflikt getötet worden.

Große Sorge im Nahen Osten

Die Staaten in der Region sind extrem besorgt über die Erfolge der Dschihadisten. Betroffen ist nicht nur Syrien.

Auch Iran beobachtet die Situation aufmerksam. Das Land ist zwar eine islamische Republik, aber mehrheitlich schiitisch. Die ISIS-Kämpfer sind radikale Sunniten und halten Schiiten für Irrgläubige, die den Tod verdienen. ISIS droht zudem, die irakischen Städte Nadschaf und Kerbala zu zerstören - sie gehören für alle Schiiten, auch die iranischen, zu den wichtigsten Heiligtümern.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge hat die iranische Regierung um Präsident Hassan Rohani tonnenweise Armeeausstattung ins Land geschafft. Zudem steuern Militärs aus Teheran den Angaben zufolge Überwachungsdrohnen von einem Flugfeld nahe Bagdad

Israel kündigte an, gemäßigte arabische Länder beim Kampf gegen die radikalislamistischen Dschihadisten künftig zu unterstützen. ISIS versuche, die gesamte Golfregion zu destabilisieren, so Israels Außenminister Avigdor Lieberman. Es sei wichtig, dass die Länder der Region gemeinsam Front gegen die Bedrohung machten.

Die USA haben bereits Militärberater ins Land geschickt, etwa 130 der zugesagten 300 Einheiten haben schon ihre Arbeit aufgenommen. Und auch die US-Militärs machen eigenen Angaben zufolge täglich 30 bis 35 bemannte und unbemannte Aufklärungsflüge.

Irak und Syrien: Der Konflikt im Überblick
Städte unter ISIS-Kontrolle
Umkämpfte Städte
Gebiete, in denen ISIS aktiv ist
Kurden
Schiitische Araber
Sunnitische Araber
Hochburgen schiitischer Milizen

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
michelspd 26.06.2014
1.
bis jetzt hat Israel nur Assads Truppen bombardiert. Anscheinend ist Netanjahu der Ansicht, die Kopfabschneider würden gegen den Iran ziehen. Eine mehr als gefährliche Kalkulation, zumal ISIS schon an der jordanischen Grenze steht.
HalfPastNein 26.06.2014
2.
Ich verstehe nicht, wieso westliche Medien bis heute immer noch Terrortreiber Assad als Präsidenten bezeichnen. Der verübt doch mit seinem Gefolge Verbrechen am syrischen Volk wie auch ISIS es tut.
mitundnachdenker 26.06.2014
3. Isis
Hoffentlich zeigen die Knaben der ISIS einmal Israel, das sie die falschen in Syrien zerbomben wollen. Waum greifen die Israelis auch in Syrien ein, sie haben dort nichts verloren, bringen sie den Palestinensern schon genug Verderben. Wer wie die israelis sich anmasst, Land zu annektieren, das ihnen Rechtmäßig nicht zusteht, schreckt aus Paranoya auch nicht davor zurück, sich in Länder einzumischen die ihnen überhaupt nichts wollen.
Bhur Yham 26.06.2014
4.
Zitat von HalfPastNeinIch verstehe nicht, wieso westliche Medien bis heute immer noch Terrortreiber Assad als Präsidenten bezeichnen. Der verübt doch mit seinem Gefolge Verbrechen am syrischen Volk wie auch ISIS es tut.
Ich verstehe nicht, warum Israel erst jetzt auf diese Idee kommt, wo die Isis-Schlächter quasi schon vor der Haustür stehen. Der westlich geprägte Assad war immer schon der geborene Verbündete des Westens und Israels, sein einziger Fehler war nur, daß er von Russland unterstützt wurde. Und so werden deutsche Raketen in der Türkei aufgestellt (die die Isis unterstützt), die wiederum den einzigen Verbündeten bedrohen. So steht die Isis bald vor Wien.
delta058 26.06.2014
5.
Zitat von HalfPastNeinIch verstehe nicht, wieso westliche Medien bis heute immer noch Terrortreiber Assad als Präsidenten bezeichnen. Der verübt doch mit seinem Gefolge Verbrechen am syrischen Volk wie auch ISIS es tut.
Waren SIe mal in Saudiarabien? Der wichtigste Verbündete dort unserer glorreichen USA.
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