Gülen-Netzwerk Wowereit gerät wegen Schirmherrschaft unter Druck

Neuer Ärger für Berlins Regierenden: Klaus Wowereit tritt als Schirmherr eines Talentwettbewerbs auf - dessen Veranstalter Anhänger des islamistischen Predigers Fethullah Gülen sein sollen. Dafür wird er nun von SPD-Parteifreunden heftig kritisiert.
Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit: Unterstützung für Gülen-Anhänger?

Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit: Unterstützung für Gülen-Anhänger?

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Berlin - Die Botschaft klingt schön: Vertraute des islamistischen Predigers Fethullah Gülen behaupteten stets, für Bildung und Dialog einzutreten. Deutsche Politiker und Journalisten unterstützten ihre Vereine und Initiativen, so heißt es immer wieder.

Nun aber ist die Gemeinde in einen erbitterten Machtkampf mit der türkischen Regierung verstrickt. Premier Recep Tayyip Erdogan wirft den Anhängern des Predigers vor, den Staat unterwandert zu haben. Und auch in Deutschland gibt es Kritik an dem Netzwerk.

Jetzt gerät Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) für seine Haltung gegenüber der Gemeinde unter Druck. Wowereit hat die Schirmherrschaft für das Nordfinale der Deutsch-Türkischen Kulturolympiade übernommen, ein Talentwettbewerb, der offenkundig von Gülen-Anhängern veranstaltet wird. Organisiert wird die Olympiade vom Dachverband Academy in Frankfurt am Main. Kritiker sehen diesen als Teil des Gülen-Netzwerks, auch wenn Academy dies offiziell bestreitet.

Ein Angriff kommt aus der eigenen Partei: In einem internen Brief fordert die Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt der Berliner SPD den Bürgermeister auf, die Schirmherrschaft zu überdenken. Die Gülen-Bewegung habe sich in der Türkei als "Bollwerk auch gegen die sozialdemokratischen Bewegungen" gegründet, sie trage durch ihr "antidemokratisches Vorgehen" einen Anteil an der "Gleichschaltung der Exekutive und der Judikative sowie der Medien" in der Türkei, schreibt Aziz Bozkurt, der Landesvorsitzende der AG Migration.

Bozkurt attestiert der Bewegung auch in Deutschland einen "intransparenten, integrationsgefährdenden und ultrakonservativen Charakter". Der Sprecher des Berliner Senats hingegen teilte mit, der Träger der Veranstaltung habe bereits in der Vergangenheit korrekt mit staatlichen Stellen zusammengearbeitet.

Minister fordert bundesweite Prüfung

Anhänger Gülens betreiben alleine in Deutschland mehr als dreihundert Schulen und Nachhilfezentren.Insider klagten im SPIEGEL über Gehirnwäsche und Gewalt in deutschen Bildungseinrichtungen, die der Gemeinde nahe stehen sollen. Der Verfassungsschutz Baden-Württemberg warnt in einem internen Papier, Gülens Gedankengut stehe in mancherlei Hinsichtim Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung.

In einem Brief an Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach sich der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) daraufhin für eine intensive, bundesweite Prüfung der Gülen-Bewegung durch den Verfassungsschutz aus - gerade im Hinblick auf "mögliche extremistische Bestrebungen".

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