Islamische Welt in Aufruhr Bahrains Polizei schießt auf Trauerprozession

Die Sicherheitskräfte feuerten Tränengas und scharfe Munition: Bei einem Trauermarsch für einen Oppositionellen in Bahrain hat es ein neues Todesopfer gegeben, auch in Iran starb ein Demonstrant bei Zusammenstößen. Als Vorbild dient den Oppositionellen der Umsturz in Ägypten.

Bahrain

Dubai/Teheran - Es sollte ein Trauerzug für den erst am Vortag bei Protesten getöteten 21-Jährigen werden. Doch dann kam es am Dienstag im Golfstaat zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Und wieder gab es ein Todesopfer.

Sicherheitskräfte gingen laut Agenturberichten mit Tränengas und scharfer Munition gegen die Prozession vor. Nach Angaben des Krankenhauses, vor dem sich am Dienstag Tausende Menschen versammelt hatten, starb ein 31-Jähriger an Verletzungen durch Schrotschüsse bei Tumulten auf einem Parkplatz des Hauses.

Im Anschluss an den Zwischenfall zogen sich die Sondereinsatzkräfte zunächst zurück und ließen zu, dass sich der Trauerzug weiter durch die Hauptstadt Manama in Bewegung setzte.

Regierung verspricht umfassende Ermittlungen

ähnlich wie zuvor in Ägypten

Für Montag hatten bahrainische Oppositionelle - Jugendgruppen und Menschenrechtsaktivisten - über soziale Medien im Internet zum "Tag des Zorns" aufgerufen. Die Demonstranten verlangten nach politischen und sozialen Reformen. Innenminister Raschid bin Abdulla Al Chalifa erklärte in einer Stellungnahme sein "aufrichtiges Beileid und tiefe Sympathie" für die Familie des getöteten 21-Jährigen. Der Minister versprach umfassende Ermittlungen zu dem Fall. Sollte sich zeigen, dass übermäßige Gewalt gegen die Demonstranten angewandt worden sei, werde Anklage erhoben, versicherte Al Chalifa.

Die größte Oppositionsbewegung in Bahrain, al-Wefak, verurteilte das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten und erklärte zugleich, dass das Ziel der Proteste nicht die Absetzung des herrschenden Regimes sei. Gefordert werde lediglich eine demokratische Öffnung des politischen Systems. Am Dienstag gaben die Vertreter von al-Wefak vorübergehend ihre Sitze im Parlament auf. "Das ist der erste Schritt", sagte der Abgeordnete Ibrahim Mattar, "Wir wollen einen Dialog sehen. In den nächsten Tagen werden wir uns entweder zurückziehen oder die Arbeit in der Ratsversammlung fortsetzen."

Die schiitische Bevölkerungsmehrheit in Bahrain wirft der sunnitischen Führungsschicht Diskriminierung vor. In einem offenen Brief an den König, Hamad bin Isa Al Chalifa, verlangte das bahrainische Zentrum für Menschenrechte unter anderem die Auflösung der Sicherheitskräfte, die strafrechtliche Verfolgung von korrupten Beamten sowie die Freilassung von 450 inhaftierten Aktivisten und religiösen Anführern. Eine gewaltsame Niederschlagung der geplanten Massenproteste werde in "Chaos und Blutvergießen" enden.

Sie skandieren "Tod dem Diktator"

Die Regierung hatte bereits vergangene Woche versucht, die Aktivisten mit einer Reihe von Zugeständnissen zu besänftigen. So versprach der Monarch jeder Familie umgerechnet rund 2000 Euro und kündigte mehr Pressefreiheit an. Politische Beobachter befürchten ein Übergreifen der Proteste auf den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien, sollten sich die Demonstrationen in Bahrain ausweiten.

Teheran

Doch längst scheint der Aufruhr in der islamischen Welt um sich zu greifen. Zum Beispiel . Die iranische Polizei bestätigte nun, dass bei den Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten am Vortag eine Person getötet worden ist. Mehrere Dutzend Menschen, darunter neun Sicherheitskräfte, seien verletzt worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA unter Berufung auf die Polizei. Einer der Verletzten befinde sich in kritischem Zustand.

Augenzeugen berichteten, mindestens drei Demonstranten seien mit Schussverletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, Dutzende weitere seien verprügelt worden. Es war die erste größere Protestaktion der Opposition seit mehr als einem Jahr in dem Land. Augenzeugenberichten zufolge versammelten sich in Teheran viele Demonstranten in kleinen Gruppen nahe des Azadi-Platzes im Westen des Zentrums. In Anspielung auf Präsident Mahmud Ahmadinedschad riefen sie "Tod dem Diktator". Einige setzten demnach Mülltonnen in Brand.

Laut Polizei wurden bei den Protesten am Montag in Teheran auch mehrere Personen festgenommen. Über die genaue Zahl wurden aber keine Angaben gemacht. Die Polizei machte für die Gewalt die aus dem irakischen Exil agierende iranische Oppositionsgruppe "Volksmudschahidin" (MEK) verantwortlich.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte den Iran auf, das Recht der iranischen Bevölkerung auf friedliche Demonstrationen zu respektieren. Sie verfolge die Ereignisse im Iran sehr genau, erklärte Ashton in Brüssel. Das betreffe besonders die Proteste auf den Straßen des Landes sowie die offenbar eingeschränkte Bewegungsfreiheit einiger Oppositionspolitiker. Die EU-Außenbeauftragte rief die iranischen Behörden zudem auf, keine Gewalt gegen friedliche Demonstranten anzuwenden.

sef/dapd/Reuters/AFP/dpa