Appell von Amal Clooney "Wir dürfen den IS nicht mit Völkermord davonkommen lassen"

Die Terroristen des IS haben Tausende Jesidinnen entführt, versklavt, vergewaltigt und ermordet. Bislang wurde dafür kein einziger Dschihadist zur Rechenschaft gezogen. Die Anwältin Amal Clooney wirft der Welt Untätigkeit vor.


Die Menschenrechtsanwältin Amal Clooney fordert die Vereinten Nationen zu Ermittlungen gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) auf. Großbritannien bereitet eine entsprechende Uno-Resolution vor, allerdings braucht es die formelle Bitte der irakischen Regierung für Ermittlungen.

Clooney vertritt Jesidinnen, die im Irak vom IS entführt, versklavt und vergewaltigt wurden. "Die Opfer wollen Gerechtigkeit", sagte die Anwältin. "Aber Gerechtigkeit bleibt unerreichbar, wenn wir zulassen, dass Beweise verschwinden, dass Massengräber unentdeckt bleiben und Zeugen nicht aufgespürt werden", sagte Clooney bei einer Uno-Sitzung in New York.

Die britisch-libanesische Juristin äußerte sich frustriert darüber, dass die Vereinten Nationen in den vergangenen sechs Monaten keine Anstalten unternommen hätten, um Ermittlungen gegen die Dschihadisten aufzunehmen. "Wir dürfen den IS nicht mit Völkermord davonkommen lassen", sagte Clooney. Die Anwältin verwies darauf, dass sich bislang weltweit kein einziger IS-Terrorist für die Verbrechen an Jesiden vor Gericht verantworten musste.

Sie vertritt unter anderem die Jesidin Nadia Murad. Die Terrormiliz hatte die junge Frau 2014 im Irak gefangen genommen und als sogenannte Sexsklavin missbraucht. Inzwischen kämpft sie als Menschenrechtsaktivistin für Wiedergutmachung. "Warum dauert das so lange?", fragte Murad bei ihrer Anhörung vor der Uno. "Was muss noch passieren, damit sie endlich handeln?"

Nadia Murad und Amal Clooney
REUTERS

Nadia Murad und Amal Clooney

Die Jesidin warf der irakischen Regierung vor, sie verschleppe die Einleitung von Ermittlungen, weil sie das besondere Leid der Jesiden nicht anerkenne. "Sie denken, dass alle Iraker in gleicher Weise vom IS verfolgt werden", sagte Murad. Es sei jedoch nur die jesidische Minderheit gewesen, die systematisch versklavt und getötet wurde.

Der irakische Uno-Botschafter Mohamed Ali Alhakim ließ offen, ob und wann seine Regierung formell um Ermittlungen der Vereinten Nationen ersuchen wird. Er sagte lediglich: "Wir werden um Hilfe und Unterstützung bitten."

Sollte sich Bagdad weiterhin verweigern, müsse die Uno nach anderen Wegen suchen, um den IS zur Rechenschaft zu ziehen, forderte Clooney. Der Uno-Sicherheitsrat könnte den Fall etwa dem Internationalen Strafgerichtshof übergeben. Aus Sicht von Clooney seien Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung erfolgsversprechender.

Die 39-jährige Juristin ist Spezialistin für internationales Recht und Menschenrechte. Sie arbeitete am Internationalen Gerichtshof in Den Haag, vertrat unter anderem Julian Assange und Julija Timoschenko. Seit September 2014 ist sie mit US-Schauspieler George Clooney verheiratet.

syd/Reuters/AP

insgesamt 80 Beiträge
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Seite 1
Vorzeichen 10.03.2017
1. Zur Rechenschaft ziehen? Wie denn?
Pest und Cholera kann man nicht vor Gericht stellen.
moev 10.03.2017
2.
Was soll die Lösung sein? Gegner des IS bewaffnen ist ja pfui!bäh! (siehe Empörung was die Kurden inzwischen mit den G3 und G36 machen) und selber einmarschieren ist noch viel schlimmer. Bleibt also nichts als zuzuschauen. Eventuell erbarmen sich die Amis mal wieder die Drecksarbeit zu machen, dann kann sich der deutsche Moralapostel gemütlich zurück lehnen und über jeden Fehler der den Amis dabei unterläuft herziehen. Da man selbst nichts macht, macht man selbst ja wenigstens keine aktiven Fehler.
dreamrohr2 10.03.2017
3.
ein weiterer Beweis dafür, wie dummsinnig Religionswahn für die Menschheit ist. Der Fall zeigt, dass die Jesidinnen deshalb von der IS verschleppt und vergewaltigt werden, weil sie keine Moslems sind, sie sind eben andersgläubig und dass ist dann, so wie im Falle dass man Christ ist, ebenfalls eben ein "Ungläubiger". Religiöser Wahn führt immer zu Auseinandersetzungen. Die Macht einer Religion liegt leider nicht in der Ausführung von einem Miteinander, sondern scheinbar darin, sich diejenigen Gläubigen einer Religion Untertan zu machen, um seine eigene Macht auszubauen. Doof nur, dass soviele Menschen überall auf der Welt die Religionen so ernst nehmen und anstelle Liebe, den Hass schüren.
kalim.karemi 10.03.2017
4. Medienschelte?
Anstatt sich auf Assad und die Russen einzuschießen, wäre es angebrachter gewesen, mehr über die wirkliche Pest in dieser Gegend zu berichten. Hat man in der Vergangenheit die Presse verfolgt, schwang im Hintergrund immer etwas Bewunderung mit. Sonst hätte mach sich die Mühe gemancht, Worte wie Rebellen, Aufständische, etc. zu vermeiden. Bei Assad war die Meinungsfindung eindeutiger als bei diesen muslimischen Halsabschneidern.
kumi-ori 10.03.2017
5.
Natürlich ist es wünschenswert, dass alle Mitglieder des ISIS ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, wobei es meine persönliche Ansicht ist, dass es besser wäre, wenn dies im Irak oder in Syrien direkt geschieht. Ich glaube aber nicht, dass die UN dafür der richtige Ansprechpartner ist. Denn dies würde den ISIS in den offiziellen Rang einer staatlichen Organisation erheben mit all den diplomatischen Implikationen, die dies mit sich brächte. In Wahrheit ist der ISIS jedoch eher mit Mafiaclans, Endzeitsekten oder Räuberbanden zu vergleichen und in sofern Gegenstand der örtlichen Polizeiermittlungen. Der ISIS hat ohnehin seine Zeit gesehen. Ein paar Warlords und Kalifen werden sich vielleicht bei korrupten Behörden freikaufen oder im schlimmsten Fall nach Europa entweichen, die meisten werden in irakischen oder kurdischen Gefängnissen verschimmeln, und ich wäre nicht besonders traurig darüber.
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