US-Medienberichte IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi soll getötet worden sein

Schon mehrfach wurde gemeldet, IS-Chef al-Baghdadi sei tot. Nun soll er nach übereinstimmenden Berichten tatsächlich bei einem Gefecht mit dem US-Militär ums Leben gekommen sein. US-Präsident Trump kündigte ein Statement an.

Screenshot eines undatierten Videos, das über einen Medienkanal des IS verbreitet wurde, zeigt Abu Bakr al-Baghdadi
DPA

Screenshot eines undatierten Videos, das über einen Medienkanal des IS verbreitet wurde, zeigt Abu Bakr al-Baghdadi


Abu Bakr al-Baghdadi , Chef der Terrororganisation "Islamischer Staat", ist bei Gefechten mit dem US-Militär in Syrien offenbar getötet worden. Das berichten die US-Medien Newsweek und CNN übereinstimmend. Irakische Sicherheitskreise bestätigten laut der Nachrichtenagentur Reuters, dass al-Baghdadi in der nordsyrischen Provinz Idlib ums Leben gekommen sei. Er soll demnach eine Sprengstoffweste gezündet haben, als die US-Spezialkräfte angriffen.

"Unsere Quellen in Syrien haben dem Team des irakischen Geheimdienstes, das nach Baghdadi suchte, bestätigt, dass er zusammen mit seinen Leibwächtern in Idlib getötet wurde", sagte einer der hochrangigen Sicherheitskräfte. Baghdadis Versteck sei entdeckt worden, als er versucht habe, seine Familie aus Idlib heraus zur Grenze zur Türkei zu bringen.

Der Einsatz sei im Geheimen vorbereitet und von US-Präsident Donald Trump angeordnet worden sein. Das US-Präsidialamt kündigte eine wichtige Erklärung von US-Präsident Donald Trump für Sonntag (14.00 Uhr MEZ) an. Auf Twitter schrieb er: "Gerade ist etwas sehr Wichtiges passiert!"

Kopfgeld in Höhe von 25 Millionen Dollar

Wie der Fernsehsender CNN berichtete, will das US-Militär den Tod des IS-Anführers aber erst bestätigen, wenn alle Tests abgeschlossen sind. Idlib ist die letzte Rebellenhochburg in Syrien. Der größte Teil von Idlib steht unter der Kontrolle des syrischen Al-Qaida-Ablegers Haiat Tahrir al-Scham (HTS).

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London wurden am frühen Sonntagmorgen neun Menschen in Idlib bei einem Hubschrauberangriff erschossen. Der Angriff erfolgte demnach auf ein Haus und ein Auto am Rand des Dorfs Barischa. In dem Dorf hätten sich Kämpfer aufgehalten, die mit dem IS in Verbindung standen.

Bereits mehrfach war Al-Baghdadi für tot erklärt worden. Mit dem von den USA ausgesetzten Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (rund 22 Millionen Euro) ist er einer der meistgesuchten Terroristen der Welt.

Finanzrat Medienrat Geheimrat Militärrat Hilfsrat für Kämpfer Sicherheitsrat Rechtsrat Schurarat

Für weitere Information zu den neun Räten: Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Boxen in der Grafik.

Führungsrat:

Das Gremium trifft alle wichtigen Entscheidungen im "Islamischen Staat". Alle Beschlüsse des Führungsrats müssen von IS-Chef Baghdadi abgesegnet werden. Zumindest theoretisch können die Mitglieder des Führungsrats den "Kalifen" absetzen.

Schura-Rat:

Besteht aus neun Männern, die in islamischem Recht bewandert sind. Sie beraten den Führungsrat in allen wichtigen militärischen und religiösen Fragen.

Geheimdienstrat:

Sammelt Informationen über innere und äußere Gegner des IS.

Finanzrat:

Ist das Finanzministerium des IS und verfügt über Hunderte Millionen US-Dollar. Der Rat koordiniert den Verkauf von Erdöl und fädelt Waffengeschäfte ein.

Militärrat:

Ist so etwas wie das Verteidigungsministerium des "Islamischen Staats". Der Rat koordiniert den militärischen Vormarsch und die Sicherung des eroberten Territoriums.

Hilfsrat für Kämpfer:

Organisiert die Schleusung ausländischer Kämpfer in den "Islamischen Staat". Der Rat unterstützt die ausländischen Dschihadisten, hilft ihnen unter anderem dabei, Unterkünfte zu finden.

Rechtsrat:

Regelt Familienstreitigkeiten und Verletzungen des islamischen Rechts. Das Gremium entscheidet auch über die Tötung von Geiseln.

Medienrat:

Gibt die offiziellen Mitteilungen des IS heraus. Koordiniert die Propagandakampagnen in den sozialen Netzwerken.

Sicherheitsrat:

Koordiniert die Kontrolle über die eroberten Gebiete, entscheidet über die Errichtung von Checkpoints. Mitglieder des Rats sind auch an der Tötung von Geiseln beteiligt.

jat/AFP/Reuters

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