AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 27/2015

Alltag im "Islamischen Staat" Die Regeln des Horrors

Von der Propaganda-Abteilung des "Islamischen Staats" kommen Gräuelbilder von Enthauptungen und Verbrennungen. Doch wie lebt es sich unter den Dschihadisten? Die Unterdrückung hat erstaunlich bürokratische Regeln, erklärt SPIEGEL-Autor Uwe Buse.

IS-Kämpfer in Rakka: Der Alltag im "Islamischen Staat" unterliegt strengen Regeln
DPA

IS-Kämpfer in Rakka: Der Alltag im "Islamischen Staat" unterliegt strengen Regeln


Bislang ist der "Islamische Staat" vor allem wegen seiner fürchterlichen Exekutionsvideos bekannt. Doch der SPIEGEL beschreibt nun eine andere, überraschende Seite des Terrorregimes: Erlasse und Verordnungen aus den Amtsstuben und Ministerien belegen, dass die Regulierungswut der Islamisten ihrer Mordlust in keiner Weise nachsteht.

Immer neue Verordnungen werden an den Schreibtischen von strenggläubigen Bürokraten ersonnen, mit immer gleicher Pedanterie regeln sie den massenhaften Missbrauch von Gefangenen, das staatliche Copyright für Hinrichtungen, die Benutzung von iPhones in Kampfgebieten und Alltägliches wie die Müllabfuhr.

An den Wänden von Behörden hängen schlichte DIN-A4-Blätter, mit Heftzwecken an die Wand gepinnt, und verkünden den ab sofort gültigen Strafkatalog. Gotteslästerung: Tod. Lästern gegen den Propheten Mohammed, auch wenn der Schuldige bereut: Tod. Lästern gegen den Islam: Tod. Homosexualität, Tod, für beide Männer. Alkohol trinken: 80 Peitschenhiebe.

Ergänzt werden die Erlasse durch jährliche Berichte, der jüngste über 400 Seiten stark, in denen die neuen Kalifen ihre militärischen Erfolge im Kampf gegen die Ungläubigen feiern und stolz ausbreiten, Seite für Seite, Anschlag für Anschlag.

Gefunden und gesammelt wurden diese Dokumente im Internet, auch bei Organisationen wie dem Middle East Forum, dessen Mitglieder sich der Erforschung des Dschihadismus widmen und seine Entwicklungen analysieren. Die Erlasse und Verordnungen zeichnen ein groteskes, unmenschliches Bild des Alltags im "Islamischen Staat". Es scheint wenig Berührungspunkte zu geben mit dem Alltag in Europa oder den USA, und doch setzen diese Regeln den Rahmen für das Leben von mittlerweile rund zehn Millionen Männern, Frauen und Kindern, die im "Islamischen Staat" leben.

DER SPIEGEL
Einige kommen ebenfalls im aktuellen SPIEGEL zu Wort. Die Gespräche mit ihnen, mit Bürgern des "Islamischen Staates", ehemaligen Sklavinnen, mit politischen Aktivisten, fanden im Grenzgebiet statt, auch auf Facebook, über Skype, per SMS. Jedes Interview, jeder Dialog war mit einem beträchtlichen Risiko für die Männer und Frauen verbunden, die noch auf dem Gebiet des "Islamischen Staates" leben. Sie haben dem Kontakt zugestimmt, weil sie die Interviews als Akt des politischen Widerstands sehen.

Als Akt der Opportunität dagegen sahen drei weitere Interviewte die Gespräche an: Kämpfer des "Islamischen Staates", die im Gefängnis im kurdischen Arbil sitzen. Lesen Sie den ganzen Text im neuen Spiegel.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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