Schwieriger Vormarsch auf Hochburg Rakka Schlacht um das Herz des IS

Rakka ist die Hochburg des "Islamischen Staats" - nun rufen die "Syrischen Demokratische Kräfte" zum Sturm. Doch der Konflikt zwischen der Türkei und den Kurden gefährdet den Vormarsch.

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Cihan Ehmed spricht nicht besonders gut Arabisch. Beim Lesen eines niedergeschriebenen Textes gerät sie mehrfach ins Stocken. Als sie spontan auf Nachfragen antworten soll, sucht sie oft mühsam nach Worten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, dann Arabisch ist nicht die Muttersprache der syrischen Kurdin.

Offenbar ist es dem Milizenbündnis "Syrische Demokratische Kräfte" (SDF) nicht gelungen, einen arabischen Muttersprachler zu finden, um den Start der Offensive auf Rakka, die inoffizielle Hauptstadt der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), zu verkünden. Ehmeds Sprachschwierigkeiten sind Ausdruck eines Problems für die Anti-IS-Koalition in Syrien: ihre Zusammensetzung.

Auf dem Papier sind die SDF ein Bündnis, in dem sich kurdische, sunnitisch-arabische, christlich-arabische und turkmenische Milizionäre zusammengeschlossen haben, um gegen den IS in Syrien zu kämpfen. Die USA, Großbritannien und Frankreich unterstützen die SDF mit Waffenlieferungen und mehreren hundert Spezialkräften.

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Vormarsch auf IS-Hochburg: Run auf Rakka

Die Türkei will keine Kurden in Rakka sehen

Doch mehr als ein Jahr nach der Gründung des Bündnisses sind in seinen Reihen noch immer kurdische Kämpfer in der Überzahl. Die Volksverteidigungseinheiten (YPG) bilden das Rückgrat der SDF. Zwar bemühen sich die USA seit Monaten, arabische Stammeskämpfer und andere IS-Gegner für das Militärbündnis zu gewinnen - allerdings spielen diese innerhalb der SDF allenfalls eine Nebenrolle. Die Pressekonferenz, auf der die kurdische YPG-Funktionärin Ehmed am Sonntag zum Sturm auf Rakka rief, ist dafür nur ein weiterer Beweis.

Für die USA und ihren Kampf gegen den IS ist das aus zwei Gründen ein Problem: Zum einen ist Rakka eine durch und durch arabische Stadt. Selbst wenn es gelingen sollte, den Ort am Euphrat einzunehmen und den IS zu vertreiben: Die meisten der 200.000 Einwohner von Rakka würden die kurdischen Eroberer wohl als Fremdherrscher betrachten, die keine gewachsene Verbindung zu den Menschen in der Stadt haben.

Zum anderen ist die Türkei über die führende Rolle der Kurden bei der Eroberung der IS-Hauptstadt erzürnt. Ankara betrachtet die YPG als Terrororganisation. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat mehrfach deutlich gemacht, dass seine Regierung nicht hinnehmen werde, dass die kurdischen Milizen Rakka erobern.

Die Zerschlagung des IS ist für Erdogan zweitrangig

Im Gegenteil: Ende Oktober kündigte Erdogan sogar an, seine Truppen wollten mit Hilfe verbündeter syrisch-arabischer Milizen Rakka im Alleingang einnehmen. Doch der Weg dahin ist weit: Derzeit stehen die türkischen Einheiten und ihre lokalen Alliierten noch immer vor der vom IS-kontrollierten Stadt al-Bab rund 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Bis Rakka sind es von dort noch rund 200 Kilometer. Die SDF stehen hingegen mittlerweile in Ain Issa, nur knapp 50 Kilometer von der IS-Hauptstadt entfernt.

Die USA fürchten, dass die türkische Militäroffensive in Syrien die YPG dazu bewegen könnte, ihren Vormarsch auf Rakka sogar noch zu stoppen. Denn Erdogans vorrangiges Ziel ist es, ein zusammenhängendes kurdisches Autonomiegebiet im Norden Syriens entlang der Grenze zur Türkei zu verhindern. Die Zerschlagung des IS ist für Ankara nur sekundär. Die Kurden aber haben ihrerseits deutlich gemacht, dass sie für ihre Führungsrolle im Kampf gegen die Dschihadisten politisch belohnt werden wollen - mit einem quasi-unabhängigen Staat "Rojava" im Norden Syriens.

Es dürfte eine der schwierigsten außenpolitischen Aufgaben der neuen US-Regierung werden, die gegensätzlichen Interessen der Kurden und Türken in Syrien irgendwie in Einklang zu bringen. Denn daran, dass die Eroberung Rakkas noch vor Ende von Barack Obamas Amtszeit am 20. Januar 2017 gelingt, glauben nicht einmal die kühnsten Optimisten.

Die USA handeln nach dem Prinzip Hoffnung

Die seit drei Wochen laufende Schlacht um Mossul zeigt, wie erbittert der IS Widerstand leistet. Und dort rücken gut ausgebildete Peschmerga, von Iran trainierte und finanzierte schiitische Milizen und die irakische Armee auf die Stadt vor. Gegen dieses Heer von mehr als 50.000 Mann nehmen sich die SDF aus wie eine bunt zusammengewürfelte Truppe, die in einer Art Crashkurs für die Schlacht um Rakka trainiert wurde.

Die USA sind deshalb bemüht, die von den SDF geschürte Euphorie zu bremsen. Zunächst gehe es darum, einen Belagerungsring um die Stadt zu ziehen. "Allein diese Phase wird Monate dauern", sagte Joseph Dunford, Chef des US-Generalstabs.

Wenn dann der Sieg über den IS in greifbare Nähe rückt, werden sich auch genügend arabische Kämpfer den SDF anschließen, die dann in Rakka einrücken und die Stadt nach der Befreiung kontrollieren, so das Kalkül des US-Militärs. Das klingt wie eine vage Hoffnung - mehr nicht.


Zusammengefasst: Das syrische Milizenbündnis SDF will mit US-Unterstützung die IS-Hochburg Rakka befreien. Wichtigste Kraft innerhalb der SDF sind die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Das ist aus zwei Gründen problematisch: Zum einen, weil sie mit Rakka eine arabische Stadt erobern wollen. Zum anderen, weil die türkische Regierung eine kurdische Rolle bei der Offensive gegen die IS-Bastion vehement ablehnt. Der nächste US-Präsident muss versuchen, die gegensätzlichen Interessen von Kurden und Türken in Syrien in Einklang zu bringen.

insgesamt 18 Beiträge
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otelago 07.11.2016
1. verschwurbelt
die Sprache der Nachrichten dient mehr denn je zur Verschleierung der Informationen. Es ist nicht so, daß der Konflikt zwischen Kurden und Türken den Erfolg erschwert in Rakka gegen den "IS" vorzugehen, sondern einfacher könnte man sagen daß die Türkei militärisch eingreifen will um die Niederlage des "IS" und damit eine Beruhigung der Lage zu verhindern. Tatsächlich ist die Destabilisierung der Grenzregionen im strategischen Interesse der kranken Erdogan-Regierung. Und das Zuarbeiten gegenüber IS ist doch längst bekannt - wurde ja in DIESER Zeitung hier auch schon thematisiert. Man nimmt das einfach so hin und vergisst es dann wieder.
ellenbetti 07.11.2016
2. Spaltung von Syrien ?
Die SDF sind also die Guten...werden die von der Syrischen Regierung unterstützt oder soll Syrien gespalten werden ? Warum kämpfen die nicht in Aleppo ? Die Kurden werden sich ebenfalls breit machen und Erdowan will sicher auch an einem Sieg ( formal dafür wie toll er ist ) teilhaben und nebenbei die YPG bekämpfen. Der IS ist ja von der Türkei beliefert worden damit Assad fällt. Ist das so ? Und was bitte kommt nach der Befreiung ? Die Kurden haben den höchsten Anteil an den Kämpfen aber die SDF wird ( die Guten weil Christen sind ja angeblich auch dabei ) zuerst genannt. Wahnsinn. Irgendwie lügen alle denn es passt nichts zusammen und eine klare Linie ist nicht zu erkennen weil 8 Kräfte an den Stricken zerren. Kurz....was hier heute geschrieben steht stellt sich morgen vielleicht als falsch heraus.
beob_achter 07.11.2016
3. Nichts für ungut,
aber warum zeigt Ihr solche "tollen" Fotos, die möglicherweise bei gewissen Kids auch noch Sehnsuchtsgefühle auslösen? Warum bietet man dem IS immer wieder neue Platformen, indem man ausführlich über seine Aktivitäten berichtet? "Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin..." hieß es früher. Je mehr über den IS berichtet wird, desto mehr fühlen die sich gebauchpinselt - und bestätigt! Vorschlag: Einen einzigen Tag keine Berichte darüber bringen, auch wenn der Finger noch so juckt und die Agenturen die Nachrichten ausspucken. Ich bin sicher, daß viele Leser diesen "Ruhetag" begrüßen werden.
lillime2 07.11.2016
4.
Kurden haben kein Interesse Rakka "einzunehmen" oder zu "beherrschen", ebenso wenig wie Mossul. Sie möchten nur ihre eigenen Gebiete sichern und schützen. Das ist schwer genug und wird mit viel Blutzoll seitens der tapferen Kurden bezahlt. Ich verstehe nicht, warum immer wieder suggeriert wird, Kurden wollten irgendwelche fremdem Gebiete erobern.
albrecht_rößler 07.11.2016
5.
"Und dort rücken gut ausgebildete Peschmerga, von Iran trainierte und finanzierte schiitische Milizen und die irakische Armee auf die Stadt vor. Gegen dieses Heer von mehr als 50.000 Mann nehmen sich die SDF aus wie eine bunt zusammengewürfelte Truppe, die in einer Art Crashkurs für die Schlacht um Rakka trainiert wurde." .... ähmn.... Woher nimmt der Autor denn diese militärische Lageeinschätzung? So weit ich weiß, haben sich die oben genannten "Elitetruppen" im Gegensatz zur YPG bisher beim Kampf gegen den IS nicht übermäßig mit Ruhm bekleckert.
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