Terrormiliz IS Dschihadisten verminen Ruinen von Palmyra

Die Dschihadisten des "Islamischen Staats" haben die archäologischen Stätten in der syrischen Oasenstadt Palmyra vermint. Planen die Extremisten eine Sprengung des Unesco-Welterbes?
Ruinen von Palmyra: Unesco-Welterbe in Gefahr

Ruinen von Palmyra: Unesco-Welterbe in Gefahr

Foto: Chris Melzer/ picture alliance / dpa

Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hat nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte die Ruinen von Palmyra vermint. Der Direktor der syrischen Altertümerverwaltung, Maamoun Abdulkarim, bestätigte die Angaben der Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien stützt.

Einwohner hätten berichtet, dass die Dschihadisten "Minen an den Ruinen angebracht haben", sagte Abdulkarim. "Ich hoffe, dass diese Berichte nicht korrekt sind, aber wir sind beunruhigt." Eine Zerstörung der römischen Ausgrabungsstätte müsse verhindert werden.

Die Angaben lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen. Meldungen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben sich in der Vergangenheit jedoch meist als zuverlässig herausgestellt.

Das Ruinengelände in Palmyra ist seit 1980 Unesco-Weltkulturerbe. Die Terrormiliz hat in der Vergangenheit bereits wichtige Kulturstätten im Irak und anderen Teilen Syriens zerstört.

Noch ist unklar, zu welchem Zweck das Areal vermint wurde. Die Beobachtungsstelle geht davon aus, dass entweder die antiken Ruinen zerstört oder Regierungskräfte an einem Vormarsch gehindert werden sollen.

Im Mai hatte der IS die Stadt mit 50.000 Einwohnern nach tagelangen Kämpfen von den Regierungstruppen erobert. Wenige Tage später erschossen die Extremisten in den Ruinen der Stadt mindestens 20 Männer. Erst vor Kurzem hatte die Dschihadisten-Miliz ein Folter-Gefängnis des Assad-Regimes nahe der Neustadt von Palmyra in die Luft gesprengt.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle hatten die Regierungstruppen in den vergangenen drei Tagen mehrere Luftangriffe auf Wohngebiete in Palmyra geflogen und dabei mindestens elf Menschen getötet. Die Armee habe Soldaten vor den Toren der Stadt zusammengezogen und bereite möglicherweise eine Offensive vor, hieß es.

Sprit-Blockade der Dschihadisten

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) warf der IS-Miliz unterdessen vor, in den Rebellengebieten im Norden Syriens die Versorgung von Krankenhäusern mit Treibstoff zu blockieren. "Viele Gesundheitseinrichtungen und Hilfsorganisationen mussten ihre Arbeit einstellen oder deutlich zurückfahren, weil ihnen der Treibstoff für Generatoren und Transport fehlt", sagte die MSF-Direktorin in Syrien, Dounia Dekhili.

Der IS kontrolliert in Syrien mehrere Ölfelder. Durch die Blockade der Dschihadisten seien mehrere Krankenhäuser von der Schließung bedroht, sagte Dekhili.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen betreibt in Syrien fünf eigene Kliniken und unterstützt landesweit mehr als hundert Krankenhäuser, Lazarette und andere Einrichtungen.

ala/AFP/Reuters
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