Frauen in Syrien Weg mit dem IS, weg mit dem Nikab

Der IS ist auf dem Rückzug, für die Menschen in Syrien bedeutet das zurückgewonnene Freiheit. Ein Fotograf hat den Moment festgehalten, als Frauen nach Jahren endlich den Gesichtsschleier ablegen durften.

REUTERS

Seit fast zweieinhalb Jahren herrscht die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Manbidsch, einer Stadt in der nordsyrischen Provinz Aleppo. Wie überall, wo die Salafisten regieren, haben sie strenge Kleidungsvorschriften erlassen.

Frauen dürfen ihre Häuser nur verlassen, wenn es unbedingt notwendig ist. Sie sollen nur Kleider tragen, "an denen Gott Gefallen findet" - weite Gewänder, die weibliche Formen verhüllen. Dazu gehören auch Handschuhe und der Nikab, ein Gesichtsschleier, der nur die Augen ausspart.

Bevor der IS die Macht übernahm, trug nur eine winzige Minderheit der Syrerinnen den Nikab. Deshalb können es die Frauen auch kaum abwarten, den Schleier wieder abzulegen, sobald die radikalen Islamisten vertrieben sind.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters hat diesen Moment in einem Vorort von Manbidsch festgehalten. Die von den USA unterstützten "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDF) haben die Stadt, in der vor dem Bürgerkrieg rund 100.000 Menschen lebten, inzwischen völlig eingeschlossen. Die SDF haben bereits mehrere Dörfer in der Umgebung aus den Händen des IS befreit.

Nun sind die Frauen dort nicht nur die Sitten- und Moralpolizei des IS losgeworden, sie können auch den schwarzen Nikab abstreifen, den ihnen die Islamisten aufgezwungen hatten. Die Bilder des Fotografen zeigen, wie gleich mehrere Syrerinnen den Schleier ablegen, nachdem die Dschihadisten aus ihrem Dorf vertrieben wurden.

Unter dem schwarzen Gewand kommt ihre traditionelle Kleidung zum Vorschein, die sie mehr als zwei Jahre lang verbergen musste. Lange Gewänder, die zwar auch wenig Haut zeigen, aber farbenfroh gemustert sind. Die Freude darüber, dass sie den Nikab endlich ablegen können, ist den Frauen deutlich anzusehen. Eine von ihnen hält zur Feier des Tages sogar eine Zigarette in der Hand. Auch das Rauchen hatte der IS verboten.

syd

insgesamt 149 Beiträge
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Seite 1
Atheist_Crusader 11.06.2016
1.
Vielleicht kommt aus all dem Irrsinn und der Gewalt doch noch was Gutes: Wenn repressive Regimes fallen, dann drängen die Leute in der Mehrheit nicht zu den Zuständen direkt vor eben diesem Regime, sondern streben eher nach mehr Freiheiten. Hoffen wir mal ,dass das hier ähnlich wird.
licorne 11.06.2016
2.
Es geht meiner Meinung nach nur mit und durch die Frauen. Was macht eigentlich die Frau von Assad? Sitzt die noch mit Gucchi und Chanel im Palast?
ratxi 11.06.2016
3. Hoffnung
Es macht immerhin ein bisschen Hoffnung, solche Bilder zu sehen.
weltpolitik 11.06.2016
4. die Freiheit die man hatte
Man bekommt die Freiheit die man zu Asad's Zeiten hatte zurück, nicht mehr aber mit viel Zerstörung und tot. Also warum das ganze?
pansatyr 11.06.2016
5. ich bin etwas irritierr;
diese SDF soll es russischen Medien zufolge doch gar nicht geben. Wer lügt denn jetzt?
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