Hochburg des "Islamischen Staates" Irak schickt Zehntausende in die Schlacht um Tikrit

30.000 Kämpfer, Angriff aus fünf Richtungen: Die irakische Armee hat ihren Einsatz zur Rückeroberung Tikrits begonnen, noch gehalten vom "Islamischen Staat". Die Großoffensive ist ein Test für weitere Manöver im Kampf gegen die Terrormiliz.

Schiitische Kämpfer bei Tikrit: Gemeinsam mit der Armee gegen die Terroristen
AFP

Schiitische Kämpfer bei Tikrit: Gemeinsam mit der Armee gegen die Terroristen


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Bagdad - Im Irak haben Regierungstruppen am Montagmorgen eine Großoffensive auf die von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kontrollierte Großstadt Tikrit begonnen. Die Armee rückt gemeinsam mit schiitischen Milizen aus fünf Richtungen vor, um Tikrit aus den Händen der sunnitischen Extremisten zu befreien, wie das irakische Staatsfernsehen meldet.

Die Streitkräfte rückten zunächst von Samarra in Richtung der IS-Hochburg Dur vor, hieß es aus Militärkreisen. Der Vormarsch der Bodentruppen wurde von Angriffen der Luftwaffe begleitet. Luftangriffe seien auch auf IS-Stellungen in Tikrit, 40 Kilometer nördlich von Samarra, geflogen worden.

An dem Angriff sind etwa 30.000 Soldaten sowie Kampfjets und Hubschraubern beteiligt, wie ein irakischer General der Nachrichtenagentur AFP sagte. Demnach handelt es sich um die bislang größte Offensive zur Rückeroberung einer vom IS eingenommen Stadt. Die irakische Nachrichtenseite "Al Mada" hatte unter Berufung auf einen Sprecher schiitischer Einheiten zunächst von 20.000 beteiligten Kämpfern gesprochen.

An der Seite der regierungstreuen Einheiten sollen zudem Kämpfer sunnitischer Stämme kämpfen, wie das irakische Militär und die arabische Tageszeitung "al-Hayat" melden. Die Offensive war am Sonntag angekündigt und eingeleitet worden. Tikrit liegt rund 170 Kilometer nördlich von Bagdad an einer wichtigen Verbindungsstraße zwischen der Hauptstadt und der nordirakischen IS-Hochburg Mossul.

Schwere Niederlage für den IS in Tel Chamis

Der Feldzug gegen die Terroristen gilt auch als Test, ob die irakischen Streitkräfte in der Lage sind, die Dschihadisten aus einer großen Stadt zu vertreiben. Die Regierung plant mithilfe der US-Armee eine weitere Offensive zur Befreiung von Mossul. Wenn der Feldzug in Tikrit erfolgreich ist, gilt auch der Angriff auf die nordirakische Stadt als wahrscheinlich.

Zudem hat Tikrit als früherer Heimatort des irakischen Langzeitherrschers Saddam Hussein und Hochburg sunnitischer Regierungsgegner große symbolische Bedeutung. In den vergangenen Monaten waren mehrere Versuche der Armee gescheitert, die Stadt wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die von den USA angeführte Koalition gegen den IS setzte zuletzt Luftangriffe auf Stellungen der Extremisten im Irak und in Syrien fort. Von Samstagmorgen bis Sonntagmorgen habe es mehrere Luftschläge gegeben, hieß es in einer Mitteilung. Heftige Kämpfe meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag aus Tel Chamis nahe der Grenze zum Irak. Kurden und christlich-assyrische Kämpfer vertrieben demnach die IS-Extremisten aus dem wichtigen Ort.

Die radikalsunnitische IS-Miliz kontrolliert seit dem Sommer weite Teile des Irak und des benachbarten Syrien. Im Irak kämpfen die Armee und kurdische Peschmerga-Kämpfer gegen die Islamisten. In Syrien werden sie sowohl von Regierungstruppen als auch von Rebellen bekämpft.

Rund hundert Kilometer westlich von Tel Chamis hatten die Dschihadisten Anfang der Woche mehrere Dörfer erobert und mindestens 220 assyrische Christen in ihre Gewalt gebracht. 19 von ihnen hat der IS inzwischen wieder freigelassen.


Zusammengefasst: Irakische Regierungseinheiten und schiitische Milizen greifen seit Montagmorgen mit Zehntausenden Soldaten Tikrit an. Die Großstadt in Händen des "Islamischen Staats" hat hohe strategische und symbolische Bedeutung. Die Offensive gilt als Test für einen geplanten Angriff auf Mossul.

mxw/dpa/AFP/Reuters/AP

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