Anti-IS-Mission Sprengfallen und Scharfschützen stoppen Vormarsch in Tikrit

Die Schlacht um Saddams Heimat stockt - nach ersten Erfolgen muss Iraks Armee in Tikrit jetzt auf Verstärkung warten. Mit Hinterhalten und Sprengsätzen verteidigen die Terroristen des IS noch mehrere Stadtviertel.


Bagdad - Zunächst ging alles ganz schnell. Anfang März rückte die irakische Armee zusammen mit überwiegend schiitischen Freiwilligen in einer Großoffensive auf Tikrit vor - zehn Tage später bejubelten die Kämpfer das Vorrücken ins Zentrum der 100.000-Einwohner-Stadt.

Der Widerstand der Miliz "Islamischer Staat" (IS) schien weniger heftig als zunächst befürchtet. Nun zeigt sich jedoch: Ganz so schnell lässt sich die Heimatstadt des Ex-Diktators Saddam Hussein nicht zurückerobern. Seit diesem Freitag stockt die Offensive.

Man komme vorerst nicht weiter und warte auf Verstärkung, hieß es am Samstag aus dem Kommandozentrum der irakischen Armee: "Wir brauchen professionelle Kräfte und Soldaten". Benötigt würden zwischen 1000 und 2000 Mann. Das Problem der staatlichen Truppen: IS-Kämpfer haben in vielen verlassenen Gebäuden Sprengfallen versteckt, Scharfschützen feuern auf die Soldaten. Die Armee richtet sich deswegen auf Straßenkämpfe in dem Ort rund 160 Kilometer nordwestlich von Bagdad ein.

Die Streitkräfte und die Milizen waren seit Mittwoch mit mehr als 20.000 Mann auf den Stadtkern von Tikrit vorgerückt. Doch trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit macht die Taktik der IS-Miliz ein schnelles Vorrücken schwierig. Der IS hat in solch städtischen Guerilla-Kriegen beträchtliche Erfahrung. Schon die Vorläuferorganisation, die irakische al-Qaida, machte so den US-Soldaten im Irak das Leben schwer.

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Kampf gegen den IS: Häuserkampf um Tikrit

Die sunnitischen IS-Kämpfer haben in Tikrit noch immer einen Palast des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein sowie mindestens drei Stadtviertel unter ihrer Kontrolle. Einen Angriff irakischer Spezialeinheiten auf eine medizinische Hochschule im Süden der Stadt konnten die Aufständischen am Freitag abwehren. Dabei töteten sie drei Soldaten. Weitere sechs Menschen kamen ums Leben, als ein mit Sprengstoff beladener Geländewagen in einem Lager der Armee westlich von Tikrit explodierte.

Bis Dienstag soll Tikrit wieder unter Kontrolle sein

Trotz der offenkundigen Probleme gibt man sich in der Anti-IS-Koalition demonstrativ optimistisch - und spricht von einer vollständigen Rückeroberung Tikrits bis spätestens Dienstag. Es werde "nicht mehr als 72 Stunden" dauern, die Kämpfer zu vertreiben, sagte ein Kommandeur der Badr-Miliz und Sprecher der sogenannten Volksmobilisierungseinheiten am Samstagmorgen.

Die Schlacht um Tikrit ist der bislang größte Militäreinsatz gegen den IS, der im vergangenen Sommer weite Gebiete im Irak und im benachbarten Syrien unter seine Kontrolle bringen konnte und dort ein radikalislamisches "Kalifat" ausgerufen hat. Die Tikrit-Offensive ist auch ein Test für die Rückeroberung Mossuls weiter im Norden. Dabei handelt es sich um die größte Stadt, die der IS bisher erobert hat.

Noch in der ersten Jahreshälfte, so der bisherige Plan der Anti-IS-Koalition, soll der Kampf um Mossul beginnen. Doch ernsthafte Erfolgsaussichten hat eine solche Militäraktion nur, wenn vorher die Eroberung des deutlich kleineren Tikrit gelingt.

jok/AFP/Reuters

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sarkosy 14.03.2015
1. Wo blieben
die Milliarden,die die USA und der gesamte Westen ûber 10 Jahre lang in dieses Land und seine Armee gesteckt haben? Beim ersten Angriff von IS lief die Armee der Hasenfüsse davon wie die Jamaiker Sprinter,hohe Offizielle liessen - wahrscheinlich gegen Bezahlung - teures,vom Westen geschenktes Material aller Art zurück und jetzt verlangen die pol.und militärischen Veranwortlichen neue Gelder,so muss man wohl das Wort "Unterstützung" übersetzen.Bald wird man auch von den "alten Europäern"neues Geld verlangen,das uns die amerikanischen Banken dann zu "besonders günstigen"Bedingungen gewähren.Zu gleicher Zeit will Griechenland einen Schuldenschnitt und Juncker 300Milliarden,die er gar nicht hat,in ein Konjunkturprogramm pumpen.Die Griechen haben recht - es muss ein Schuldenschnitt her - für alle,auch die Eurozone!
tugendbold 14.03.2015
2. Häuserkampf
Dass die Rückeroberung einer großen Stadt nicht ohne zähe Häuserkämpfe geschehen würde, war wohl von vornherein klar. Eine schnelle Beendigung der Aktion wäre nur möglich gewesen, wenn der IS die Stadt fluchtartig verlassen hätte - wie es im letzten Sommer die irakische Armee tat. Das aber werden die fanatischen "Gotteskrieger" sicher nicht tun. Insofern steht jetzt schon fest, dass die Rückeroberung Tikrits und erst recht Mossuls nicht ohne größere Zerstörungen und zivile Opfer vor sich gehen wird.
fincaelkorazon 14.03.2015
3. man
kann Sniper nur mit Contersniper bekämpfen. Meisstens haben die Scharfschützen ein grösseres Kaliber, als eine Kalaschnikov. In dem Fall hilft das Kaliber .50 Gewehr.Aber nicht als Semiautomatik, sondern als Repetirer.Auf eine Distanz von 800 - 1000 Meter für einen geübten Schützen,eine absulut tötliche Entfernung. Ein nicht allzu gross eingestelltes Zielfernrohr 6 bis höchstens 8 fach wäre ausreichend.Ein Beobachter mit einem Fernglas ( starke Vergrösserung ) sollte in jedem Fall dabei sein.Dieser sollte möglichst mit einer MP ausgerüstet sein.
Prinz Eugen 14.03.2015
4. Gewinnt Persien nun ganz Mesopotamien?
Der Ölraubkrieg der VSA Anno 2003 gegen das Zweistromland führte ja zu dem merkwürdigen Ergebnis, daß in Bagdad keine VS-amerikanischen Parteigänger das Sagen haben, sondern die Anhänger Persiens die Macht erringen können. Weshalb sich die mesopotamische Regierung auch standhaft weigert die persischen Nachschublieferungen an Syrien zu unterbinden, obwohl die VSA dies von Mesopotamien verlangten. Die freien Wahlen nützen den VSA nichts, weil im Morgenland der Glauben ausschlaggebend ist und folglich die Glaubensbrüder der Perser auch zu diesen halten. Dafür aber waren die andersgläubigen Landesteile der neuen Regierung abhold und schlossen sich den Glaubenseiferern von Isis an. Die liberalen Hilfstruppen der VSA zeigten sich bei der Bekämpfung des Aufstandes völlig unfähig und so ließ Persien Landwehren aufstellen, mit denen es nun in die Offensive geht. Siegen diese über Isis, so wird das Zweistromland faktisch wieder zu einer persischen Provinz werden und die VSA schauen in die Röhre. Im Übrigen bin ich dafür, daß der Euro zerstört werden muß!
roland.vanhelven 14.03.2015
5. pruuuuuuuuuust
Zitat von fincaelkorazonkann Sniper nur mit Contersniper bekämpfen. Meisstens haben die Scharfschützen ein grösseres Kaliber, als eine Kalaschnikov. In dem Fall hilft das Kaliber .50 Gewehr.Aber nicht als Semiautomatik, sondern als Repetirer.Auf eine Distanz von 800 - 1000 Meter für einen geübten Schützen,eine absulut tötliche Entfernung. Ein nicht allzu gross eingestelltes Zielfernrohr 6 bis höchstens 8 fach wäre ausreichend.Ein Beobachter mit einem Fernglas ( starke Vergrösserung ) sollte in jedem Fall dabei sein.Dieser sollte möglichst mit einer MP ausgerüstet sein.
also das war doch mal ein wirklich aufheiternder beitrag. Remington 400 ist standardwaffe fuer solche entfernungen. und schiessen sie einmal mit einer Barrett M82. ist semi. das wird eine echte erfahrung fuer Sie. doch vielleicht ueben Sie erstmal mit einer Kalashnikov FPS-475. viel spass ! P.S.: MP fuer den spotter, aha.
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