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22. Februar 2015, 08:13 Uhr

Einsatz in Syrien

Türkische Eliteeinheiten befreien Kameraden aus Exklave

Die türkische Armee hat Hunderte Elitesoldaten nach Syrien geschickt, in die Nähe der Stadt Kobane. Ihre Mission: 38 Kameraden in Sicherheit bringen - und die Überreste eines Nationalheiligen.

Hamburg/Ankara - Die Türkei hat in der Nacht zum Sonntag etwa 700 Elitesoldaten in das Nachbarland Syrien geschickt - zur Befreiung von Kameraden aus einer von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) belagerten Exklave, nicht weit entfernt von der lange hart umkämpften Stadt Kobane.

Die 38 Soldaten, die das Grabmal von Suleiman Schah auf einer Halbinsel am Euphrat bewacht hatten, seien zurück in die Türkei gebracht worden, teilte der türkische Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu mit. Die Operation wurde wegen einer weiteren Verschlechterung der Sicherheitslage in der Region gestartet.

Zwei hochrangige Regierungsvertreter sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Aktion sei erfolgreich gewesen, allerdings sei ein Soldat dabei ums Leben gekommen. Er starb nach offiziellen Angaben bei einem Unfall.

Nach Angaben von Davutoglu wurden bei der Operation hundert militärische Fahrzeuge eingesetzt, darunter 39 Panzer. Man habe andere Staaten im Vorfeld nicht um Erlaubnis oder Hilfe gebeten. Erst als die Mission begann, habe man das Bündnis gegen den "Islamischen Staat" (IS) informiert, zu dem auch die USA gehören.

Bei dem von Kämpfern des IS bedrohten Mausoleum geht es um das Grab von Suleiman Shah, der als Großvater des Gründers des Osmanischen Reiches, Osman I., gilt. Suleiman Shah starb im 13. Jahrhundert. Die Grabstätte wurde von mehreren Dutzend türkischen Soldaten bewacht. Nach Angaben von Davutoglu werden die Überreste in eine andere Region Syriens gebracht, die von der Türkei kontrolliert wird.

Die Türkei betrachtet das in Syrien gelegene Mausoleum und das zugehörige rund zwei Hektar große Areal als eigenes Hoheitsgebiet. Sie beruft sich auf einen entsprechenden Vertrag mit Frankreich aus dem Jahr 1921. Damals wurde Syrien von Frankreich beherrscht.

Früheren Angaben der türkischen Regierung zufolge rückten IS-Kämpfer gegen das Mausoleum vor. IS und andere Extremistengruppen lehnen die Verehrung von Gräbern als Götzendienst ab. Sie haben daher bereits eine Reihe von Gräbern und Moscheen in Syrien zerstört.

In dem von den USA geführten Militäreinsatz gegen den IS hat die Türkei bislang keine aktive Rolle gespielt.

bim/Reuters/AFP

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