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30. September 2014, 19:35 Uhr

Kämpfe nahe der Türkei

Britische Kampfjets bombardieren erstmals IS-Milizen

Die britische Armee hat erstmals Luftangriffe gegen den "Islamischen Staat" geflogen. Zudem naht offenbar eine Beteiligung der Türkei am Kampf gegen die Terrormiliz: Vize-Premier Arinc warb für einen entsprechenden Parlamentsbeschluss.

London/Istanbul/Kobane - Am Freitag gab das britische Unterhaus den Weg frei für Luftschläge gegen den "Islamischen Staat" (Is), nun haben Kampfjets zum ersten Mal die Terrormiliz aus der Luft angegriffen. Das teilte Verteidigungsminister Michael Fallon auf Twitter mit. Bei dem Einsatz im Irak seien ein Artilleriegeschütz und ein mit Waffen ausgerüstetes Fahrzeug der Extremisten zerstört worden.

Beide Tornado-Kampfflugzeuge, die bei den Angriffen zum Einsatz kamen, seien wieder sicher in ihre Stützpunkte zurückgekehrt, sagte Fallon der britischen BBC. Das Ergebnis dieses ersten Kampfeinsatzes sei daher, "dass beide Angriffe erfolgreich waren", sagte Fallon weiter.

Das britische Parlament hatte am Freitag mit großer Mehrheit für eine Beteiligung der Royal Air Force am Kampfeinsatz der internationalen Allianz gegen den IS gestimmt. Großbritannien schloss sich damit den USA an, die bereits seit Anfang August IS-Stellungen im Irak bombardieren. Als erstes europäisches Land hatte sich anschließend Frankreich an den Luftangriffen beteiligt. Auch Dänemark, Belgien und die Niederlande kündigten militärische Unterstützung an.

Indes wird offenbar auch eine Beteiligung türkischer Armeeeinheiten am Einsatz gegen den IS wahrscheinlicher. Das Parlament werde am Donnerstag über Resolutionen zum Kampfeinsatz gegen den IS zustimmen, sagte der türkische Vize-Premierminister Bülent Arinc. Der Beschluss erlaube es ausländischen Streitkräften, von der Türkei aus im Irak oder in Syrien zu operieren. Auch das türkische Militär soll dann direkt in den Nachbarländern intervenieren dürfen. Das Mandat des Parlaments würde "sämtliche möglichen Bedrohungen und Risiken" abdecken", sagte Arinc.

"Die Kämpfer können sich sehen"

Der IS hatte im Norden Syriens zuletzt militärische Erfolge direkt an der Grenze zur Türkei. Die Extremisten seien nur noch zwei Kilometer von der Stadt Kobane entfernt, meldet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zwischen den Stellungen der beiden Seiten liege nur noch ein freies Feld. "Die Kämpfer können sich sehen", sagte der Leiter der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abd al-Rahman, laut der Nachrichtenagentur dpa.

Die IS-Extremisten versuchen seit Tagen, Kobane einzunehmen; auf Arabisch heißt die Stadt Ain al-Arab. Die Islamisten kontrollieren bereits Dutzende Dörfer im Umland. Zuletzt hatten sie offenbar eine türkische Exklave in Syrien eingekesselt. Dabei sollen laut der regierungsnahen Zeitung "Yeni Safak" rund 1100 IS-Kämpfer 36 türkischen Soldaten gegenüberstehen, die ein Mausoleum bewachen.

Inzwischen hat die türkische Regierung Ankara angesichts der Schlacht um Kobane an der Grenze zu Syrien Truppen zusammengezogen. Die Streitkräfte hätten 35 Panzer in der Region aufgefahren, berichtet die regierungsnahe Zeitung "Sabah". Die Panzer haben demnach 400 Meter von der Grenze entfernt Stellung bezogen und ihre Kanonen auf Syrien gerichtet.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte vergangene Woche eine Unterstützung der Türkei für internationale Militäroperationen gegen den IS nicht mehr ausgeschlossen, selbst Bodentruppen nicht. Er fordert die Einrichtung einer "Sicherheitszone" auf der syrischen Seite der Grenze, die von türkischen und internationalen Truppen geschützt werden könnte.

mxw/Reuters/AP/AFP

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