Kämpfe nahe der Türkei Britische Kampfjets bombardieren erstmals IS-Milizen

Die britische Armee hat erstmals Luftangriffe gegen den "Islamischen Staat" geflogen. Zudem naht offenbar eine Beteiligung der Türkei am Kampf gegen die Terrormiliz: Vize-Premier Arinc warb für einen entsprechenden Parlamentsbeschluss.

Die Royal Airforce fliegt jetzt auch Angriffe gegen den "Islamischen Staat": Hier ein Tornado GR4
DPA

Die Royal Airforce fliegt jetzt auch Angriffe gegen den "Islamischen Staat": Hier ein Tornado GR4


London/Istanbul/Kobane - Am Freitag gab das britische Unterhaus den Weg frei für Luftschläge gegen den "Islamischen Staat" (Is), nun haben Kampfjets zum ersten Mal die Terrormiliz aus der Luft angegriffen. Das teilte Verteidigungsminister Michael Fallon auf Twitter mit. Bei dem Einsatz im Irak seien ein Artilleriegeschütz und ein mit Waffen ausgerüstetes Fahrzeug der Extremisten zerstört worden.

Beide Tornado-Kampfflugzeuge, die bei den Angriffen zum Einsatz kamen, seien wieder sicher in ihre Stützpunkte zurückgekehrt, sagte Fallon der britischen BBC. Das Ergebnis dieses ersten Kampfeinsatzes sei daher, "dass beide Angriffe erfolgreich waren", sagte Fallon weiter.

Das britische Parlament hatte am Freitag mit großer Mehrheit für eine Beteiligung der Royal Air Force am Kampfeinsatz der internationalen Allianz gegen den IS gestimmt. Großbritannien schloss sich damit den USA an, die bereits seit Anfang August IS-Stellungen im Irak bombardieren. Als erstes europäisches Land hatte sich anschließend Frankreich an den Luftangriffen beteiligt. Auch Dänemark, Belgien und die Niederlande kündigten militärische Unterstützung an.

Indes wird offenbar auch eine Beteiligung türkischer Armeeeinheiten am Einsatz gegen den IS wahrscheinlicher. Das Parlament werde am Donnerstag über Resolutionen zum Kampfeinsatz gegen den IS zustimmen, sagte der türkische Vize-Premierminister Bülent Arinc. Der Beschluss erlaube es ausländischen Streitkräften, von der Türkei aus im Irak oder in Syrien zu operieren. Auch das türkische Militär soll dann direkt in den Nachbarländern intervenieren dürfen. Das Mandat des Parlaments würde "sämtliche möglichen Bedrohungen und Risiken" abdecken", sagte Arinc.

"Die Kämpfer können sich sehen"

Der IS hatte im Norden Syriens zuletzt militärische Erfolge direkt an der Grenze zur Türkei. Die Extremisten seien nur noch zwei Kilometer von der Stadt Kobane entfernt, meldet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zwischen den Stellungen der beiden Seiten liege nur noch ein freies Feld. "Die Kämpfer können sich sehen", sagte der Leiter der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abd al-Rahman, laut der Nachrichtenagentur dpa.

Die IS-Extremisten versuchen seit Tagen, Kobane einzunehmen; auf Arabisch heißt die Stadt Ain al-Arab. Die Islamisten kontrollieren bereits Dutzende Dörfer im Umland. Zuletzt hatten sie offenbar eine türkische Exklave in Syrien eingekesselt. Dabei sollen laut der regierungsnahen Zeitung "Yeni Safak" rund 1100 IS-Kämpfer 36 türkischen Soldaten gegenüberstehen, die ein Mausoleum bewachen.

Inzwischen hat die türkische Regierung Ankara angesichts der Schlacht um Kobane an der Grenze zu Syrien Truppen zusammengezogen. Die Streitkräfte hätten 35 Panzer in der Region aufgefahren, berichtet die regierungsnahe Zeitung "Sabah". Die Panzer haben demnach 400 Meter von der Grenze entfernt Stellung bezogen und ihre Kanonen auf Syrien gerichtet.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte vergangene Woche eine Unterstützung der Türkei für internationale Militäroperationen gegen den IS nicht mehr ausgeschlossen, selbst Bodentruppen nicht. Er fordert die Einrichtung einer "Sicherheitszone" auf der syrischen Seite der Grenze, die von türkischen und internationalen Truppen geschützt werden könnte.

Finanzrat Medienrat Geheimrat Militärrat Hilfsrat für Kämpfer Sicherheitsrat Rechtsrat Schurarat

Für weitere Information zu den neun Räten: Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Boxen in der Grafik.

Führungsrat:

Das Gremium trifft alle wichtigen Entscheidungen im "Islamischen Staat". Alle Beschlüsse des Führungsrats müssen von IS-Chef Baghdadi abgesegnet werden. Zumindest theoretisch können die Mitglieder des Führungsrats den "Kalifen" absetzen.

Schura-Rat:

Besteht aus neun Männern, die in islamischem Recht bewandert sind. Sie beraten den Führungsrat in allen wichtigen militärischen und religiösen Fragen.

Geheimdienstrat:

Sammelt Informationen über innere und äußere Gegner des IS.

Finanzrat:

Ist das Finanzministerium des IS und verfügt über Hunderte Millionen US-Dollar. Der Rat koordiniert den Verkauf von Erdöl und fädelt Waffengeschäfte ein.

Militärrat:

Ist so etwas wie das Verteidigungsministerium des "Islamischen Staats". Der Rat koordiniert den militärischen Vormarsch und die Sicherung des eroberten Territoriums.

Hilfsrat für Kämpfer:

Organisiert die Schleusung ausländischer Kämpfer in den "Islamischen Staat". Der Rat unterstützt die ausländischen Dschihadisten, hilft ihnen unter anderem dabei, Unterkünfte zu finden.

Rechtsrat:

Regelt Familienstreitigkeiten und Verletzungen des islamischen Rechts. Das Gremium entscheidet auch über die Tötung von Geiseln.

Medienrat:

Gibt die offiziellen Mitteilungen des IS heraus. Koordiniert die Propagandakampagnen in den sozialen Netzwerken.

Sicherheitsrat:

Koordiniert die Kontrolle über die eroberten Gebiete, entscheidet über die Errichtung von Checkpoints. Mitglieder des Rats sind auch an der Tötung von Geiseln beteiligt.

mxw/Reuters/AP/AFP

insgesamt 25 Beiträge
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an-i 30.09.2014
1. zu der Problematik
...Zwischen Iran und Katar befindet sich ein erst vor ein paar Jahren entdecktes enormes Gasfeld, das das Potenzial hat, das europäische Versorgungsdefizit selbst bei einem weitgehenden Ausfall der russischen Lieferungen über Jahrzehnte abzudecken. (Bei Reserveschätzungen empfiehlt sich Vorsicht, dieser Elefant scheint aber wirklich riesig zu sein.) Das Problem ist "nur", dass der Weg nach Europa durch drei oder vier politische Schlangengruben führt. Und dass es noch keine Pipeline gibt, die das Zeug von South Pars/North Dome nach Europa transportieren könnte. Es gibt meines Wissens noch nicht einmal technisch einigermaßen augereifte Projekte. Derzeit wird militärisch um die Wegerechte gekämpft. Dieser Kampf um das westliche Pipelineistan ist die vielleicht wichigste Triebfeder für das, was derzeit im Irak und in Syrien abgeht. Dort findet ein veritabler Mannschaftskampf statt. Beide Teams hätten gerne das Geld der europäischen Verbraucher und die Macht, den Europäern ggf. den Gashahn abzudrehen. ...usw.
specialsymbol 30.09.2014
2. Hurra!
Endlich wird mal was getan! Ich verstehe nicht warum sich die Bundesregierung diese Gelegenheit entgehen lässt endlich in der Liga der Großen mitzuspielen. Dabei hat doch selbst unser Präsident zu mehr Mut zum Krieg aufgerufen.
Jürgen Bruno 30.09.2014
3. Effektivität ist was Anderes
Ein Artilleriegeschütz und ein mit Waffen ausgerüstetes Fahrzeug versus 2 Tornados mit Anflug aus Zypern, das wird ein Krieg für Reiche - da wäre es besser einige von den britischen V Bombern zu reaktivieren (wenn das denn möglich ist) und zumindest eine komplette Arilleriebatterie auszuschalten - Punktangriffe funktionnieren nur mittels einer sehr genauen & effektiven Aufklärung, das geht nicht mit einfachen Satelliten oder Drohnenbildern, da muss JEMAND den Kopf hinhalten und Humint betreiben, aber das merken die ISIS Leute und werden nach ihm suchen - also ist Flächenbombardement die einzig realistische Option - nur wollen unsere Politiker sowas auf ihr Gewissen laden
super-kraut 30.09.2014
4. Na wir Deutschen koennen ja nicht mitmachen
Alle unser Jets sind nur schrott und von den 5 Hunschrauber die wir noch haben brauchen die Politiker 3 um ihre Pizza geliefert zu bekommen. Aber hauptsache die Autobahn Maut ist geregelt.
andy_lettau 30.09.2014
5. Ist das vorstellbar?
Folgende Idee, wenn auch sehr utopisch: Derzeit gibt es 194 von den UN-Mitgliedern vollständig anerkannte Staaten. Ich plädiere für die Gründung zweier zusätzlicher Staaten, Nr. 195 und Nr. 196. Staat Nr. 195 wäre ein Kalifat, in dem alle IS-Fans nach den Regeln der Scharia leben dürften. Staat Nr. 196 wäre ein reiner Asylstaat, in den sich alle politisch Verfolgten flüchten dürften. Staat Nr. 195 (das Kalifat) wäre idealerweise eine Insel und von Flugzeugträgern, Atom-U-Booten und Zerstörern umzingelt; Staat Nr. 196 (der Asylstaat) wäre möglicherweise eine Enklave in China (z.B. die Geisterstadt New Ordos und/oder die Geisterstadt Kangbashi), jedoch unter dem permanenten Schutz der Blauhelme. Die Weltgemeinschaft trüge prozentual umgerechnet nach Wirtschafskraft/BIP des jeweiligen Landes die Kosten für das Einrichten/Ausweiten dieser neuen Staaten. Aus Staat Nr. 195 (dem Kalifat) dürfte (präventiv bedingt) auf Lebenszeit niemand mehr raus, eine Infrastruktur wäre dort nicht vorbereitet (die Kalifat-Jünger predigen aber ohnehin ein einfaches gottgerechtes Leben. Und ein solches könnte auch - nach Evakuierung der dortigen und bisherigen Bewohner - z.B. auf den Kerguelen stattfinden)). In Staat Nr. 196 (dem Asylstaat) würde eine bauliche Infrastruktur gewährleistet sein (den Job könnten gegen Bezahlung die Chinesen übernehmen, damit die o.g. Orte auch mal Einwohner bekämen (bitte googlen, was es mit den vorab genannten Städten bisher so auf sich hat. Wer mal dort war fragt sich ohnehin, wie dort jemals Leben in die Bude kommen soll)). ... Laut UNO-Flüchtlingshilfwerk sind derzeit weltweit circa 52 Millionen Menschen auf der Flucht, die meisten davon (etwa 33 Millionen) sind jedoch "nur" Binnenflüchtlinge. Man sollte dennoch von den 52 Millionen ausgehen, die sich eine neue Bleibe wünschen, einfach um auf Nummer sicher zu gehen. In Staat 196 (dem Asylstaat) bekäme jeder ein Begrüßungsgeld, würde also kontrolliert unter (UN)-behördlicher Aufsicht unter gleichen Bedingungen starten und sofort arbeiten dürfen. Nebeneffekt für die von "Asylschwemme" bedrohten Industrienationen: Sie würden als Erstziel für Flüchtlinge uninteressant. ... Diese Utopie ist natürlich bei Weitem noch nicht ausgereift; wohlmöglich echter Schwachsinn, ich weiß das. Sie beantwortet noch keine Fragen hinsichtlich logistischer Probleme bei der Lenkung von Asylströmen, dem "Einfangen" und Abtransport von bewaffneten IS-Kämpfern, der weiteren Zukunft von "in UN-Geisterstädten angekommen Flüchtlingen" usw. ... Ich finde die Utopie dennoch interessant, weil sie im Rahmen einer weitestgehend bestehend bleibender Weltordnung dennoch eine zusätzliche schafft, in der jeder (der es schafft die neue Heimat zu erreichen) seine persönlich erhoffte Zukunft realisieren kann. ... Sachliche Kritik, Verunglimpfung und Verbesserungsvorschläge are wellcome ...
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