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21. September 2014, 10:04 Uhr

Syrische Kurden in Angst vor dem IS

70.000 Flüchtlinge in nur 24 Stunden

Die Türken haben einige Grenzübergänge nach Syrien geöffnet - nun kommen die Flüchtlinge zu Zehntausenden. Laut Uno brachten sich binnen 24 Stunden rund 70.000 syrische Kurden in Sicherheit. Sie fürchten den Terror des "Islamischen Staats".

Ankara/Damaskus - Die Offensive der Miliz "Islamischer Staat" (IS) im Norden Syriens geht weiter, gleichzeitig verschärft sich die Flüchtlingssituation im Nachbarstaat Türkei. Nachdem die Regierung in Ankara am Samstag der Öffnung von acht Grenzübergängen zugestimmt hatte, retten sich immer mehr verängstigte Menschen aus den umkämpften Gebieten.

Die Türken waren zuletzt von rund 45.000 Flüchtlingen ausgegangen. Nun haben die Vereinten Nationen diese Zahl noch einmal nach oben korrigiert. Binnen 24 Stunden seien rund 70.000 Menschen gezählt worden. Diese Zahl teilte das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Sonntag im schweizerischen Genf mit.

Bei den Vertriebenen handelt es sich zum größten Teil um syrische Kurden, die die Verfolgung durch den IS fürchten. Die Extremisten des "Islamischen Staats" haben in Teilen Syriens und Iraks ein Kalifat ausgerufen und gehen dort gegen alle vor, die sie als Ungläubige ansehen: Dazu gehören schiitische Muslime ebenso wie Kurden und Christen.

Die Flüchtlingsbewegung aus dem Norden Syriens ist die Folge einer IS-Offensive gegen die Stadt Ain al-Arab unweit der Grenze zur Türkei. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte eroberten IS-Kämpfer seit Donnerstag etwa 60 Dörfer rund um Ain al-Arab und drängten die kurdischen Kämpfer zurück.

Uno will Hilfe für Türken ausbauen

Ankara hatte sich zunächst geweigert, die syrischen Kurden ins Land zu lassen. An der syrisch-türkischen Grenze war es vor der Öffnung zu Tumulten gekommen, weil Flüchtlinge nicht passieren durften. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie türkische Sicherheitskräfte Tränengas und Wasserwerfer einsetzten.

Die Türkei sieht sich angesichts der Flüchtlingsmassen im Land überfordert, nach der Grenzöffnung am Freitag sprach die Regierung daher von einer "Ausnahme". Seit dem Beginn des syrischen Bürgerkriegs vor dreieinhalb Jahren flohen insgesamt fast 1,5 Millionen Menschen in die Türkei. Die Uno will ihre Hilfen für die türkische Regierung wegen des zunehmenden Flüchtlingsandrangs weiter aufstocken.

jok/AFP

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