Jesidische Frauen in IS-Gewalt Verkauft, gefoltert und vergewaltigt

"Der Hölle entkommen": Jesidinnen im Irak haben Amnesty International über Verbrechen der Terrormiliz "Islamischer Staat" berichtet. Frauen und Mädchen werden verkauft, verschenkt, zwangsverheiratet, gefoltert und vergewaltigt.

Jesidische Frauen: "Der Hölle entronnen"
REUTERS

Jesidische Frauen: "Der Hölle entronnen"


London/Bagdad - Im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) melden die kurdischen Peschmerga-Kämpfer Erfolge. Unterstützt durch die Luftangriffe der von den USA geführten Koalition haben sie offenbar große Teile der Stadt Sindschar im Norden Iraks zurückerobert.

Wie brutal und menschenverachtend der IS in seinem Herrschaftsgebiet vorgeht, belegt jetzt ein neuer Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Hunderte oder sogar Tausende Frauen und Mädchen der jesidischen Minderheit seien Opfer schlimmster sexueller Gewalt, heißt es darin. Sie würden gefoltert, vergewaltigt, gedemütigt. Das Ausmaß belege "die Verrohung der Gruppe, die sich selbst 'Islamischer Staat' nennt".

Für den Bericht, den die Menschenrechtler mit "Der Hölle entronnen" überschrieben haben, wurden mehr als 40 Frauen und Mädchen befragt, die aus IS-Gefangenschaft fliehen konnten. Sie waren in der Sindschar-Region von IS-Anhängern verschleppt und als Sexsklavinnen "verschenkt" oder "verkauft" worden. Viele sind jünger als 14 Jahre.

Eine von ihnen ist Randa. Die 16-Jährige wurde zusammen mit ihrer hochschwangeren Mutter verschleppt und dann an einen Mann "verschenkt", der mehr als doppelt so alt war wie sie. Er hat sie vergewaltigt.

"Es ist so schmerzhaft, was sie mir und meiner Familie angetan haben", erzählte Randa einer Mitarbeiterin von Amnesty International. "Der IS hat unser Leben zerstört. Was wird aus meiner Familie? Ich weiß nicht, ob ich sie jemals wiedersehe."

Ein anderes Mädchen, das zusammen mit mehr als 20 anderen von den Dschihadisten in einem Raum eingesperrt worden war, berichtete, wie sie eines Tages Tanzkleider gebracht bekamen. "Wir sollten uns waschen und sie anziehen", erzählt sie. Eines der Mädchen, die 19 Jahre alte Jilan, habe sich daraufhin im Badezimmer die Pulsadern aufgeschnitten. "Sie war sehr hübsch. Sie wusste, dass sie jetzt von einem Mann weggebracht werden würde, deshalb hat sie sich umgebracht."

Auch Wafa wollte sich das Leben nehmen. Die 27-Jährige und ihre Schwester haben versucht, sich gegenseitig mit zwei Schals zu strangulieren. Zwei andere Mädchen konnten sie in letzter Sekunde stoppen. "Ich war ohnmächtig", erzählt Wafa. "Ich konnte danach tagelang nicht sprechen."

"Die Leben Hunderter jesidischer Frauen liegen in Scherben", heißt es in dem Report der Menschenrechtsorganisation. Seit August gebe es eine "Welle der ethnischen Säuberung" durch den IS in der Region Sindschar. Vergewaltigungen würden als Mittel des Krieges benutzt.

"Der körperliche und psychische Preis der furchtbaren sexuellen Gewalt, die die Opfer aushalten mussten, ist katastrophal", sagte Donatella Rovera von Amnesty International. Sie forderte die kurdische Regionalregierung dazu auf, sich besser um die Opfer zu kümmern. Die Mädchen seien traumatisiert - und viele würden keinerlei Hilfe bekommen.

als/vet/dpa/Reuters



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