Kulturerbe in Syrien IS rückt auf antike Oasenstadt Palmyra vor

Der weltberühmten Kulturstätte Palmyra in Syrien droht womöglich die Zerstörung durch den "Islamischen Staat". Die Terrormiliz steht unmittelbar vor dem Unesco-Kulturerbe.
Weltkulturerbe in Palmyra: Verwüsten IS-Terroristen auch diese Stätten?

Weltkulturerbe in Palmyra: Verwüsten IS-Terroristen auch diese Stätten?

Foto: JOSEPH EID/ AFP

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) nähert sich in Syrien der historischen Oasenstadt Palmyra. Die Extremisten lieferten sich einen Kilometer westlich der Stadt heftige Kämpfe mit Anhängern des Regimes von Staatschef Baschar al-Assad um einen strategisch wichtigen Hügel, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Der Hügel liegt in unmittelbarer Nähe des berühmten Unesco-Weltkulturerbes.

In Palmyra stehen bis heute einzigartige Ruinen der ehemaligen Handelsmetropole der legendären Königin Zenobia aus ihrer Blütezeit in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Die Ruinenstadt gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten. Berichten zufolge war die Stätte bereits 2012 und 2013 bei Kämpfen beschädigt worden. In der Oasenstadt steht zudem ein bekanntes Gefängnis für politische Inhaftierte.

Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr etliche Kulturstätten zerstört, darunter die Jahrtausende alte Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Im Museum von Mossul zertrümmerten sie wertvolle Statuen aus assyrischer Zeit.

Der IS hatte zuletzt am Mittwoch östlich von Palmyra den Ort Al-Suchna eingenommen. Bei den Kämpfen starben laut der Beobachtungsstelle mindestens 70 Anhänger des Regimes und 40 IS-Kämpfer. Zudem seien in der Region 26 Menschen von der Terrormiliz und lokalen Kämpfern getötet worden, weil sie mit dem Regime kooperiert hätten. In der Region liegen Gasfelder, um die es seit Monaten heftige Kämpfe gibt.

17 Kinder sterben bei Luftangriffen

Im Nordwesten des Landes setzte das Regime von Präsident Baschar al-Assad seine Luftangriffe gegen die Rebellen fort. Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren durch Bombardements in den Provinzen Idlib und Aleppo am Mittwoch 41 Zivilisten gestorben - unter ihnen 17 Kinder.

Im Irak hat die IS-Miliz nach Angaben der Regierung in Bagdad hingegen einen empfindlichen Rückschlag erlitten: Der Vize-Chef des IS soll bei einem Luftangriff ums Lebens gekommen sein. Abu Alaa al-Afri und weitere IS-Anhänger seien bei einem Treffen in einer Moschee in dem Ort Tel Afar getötet worden, erklärte das irakische Verteidigungsministerium am Mittwoch.

Zuwachs hat der IS offenbar in Nordwestafrika: Die islamistische Gruppe al-Mourabitoun gehöre nun zu der Terrormiliz, hieß es in einer von der mauretanischen Nachrichtenagentur al-Akhbar verbreiteten Audiobotschaft der Gruppe. Eine Bestätigung durch andere Quellen gab es zunächst nicht. Al-Mourabitoun war 2013 aus der algerischen Islamistengruppe Muwaqiun bi-I-dam ("Die mit Blut unterzeichnen") und der "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" (Mujao) hervorgegangen.

mxw/AFP/dpa/Reuters/AP
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