Syrische Grenzstadt Kurden kreisen IS-Kämpfer in Kobane ein

Mehr als 150 Zivilisten sollen beim jüngsten Angriff der IS-Terrormiliz auf Kobane getötet worden sein. Doch die Kurden schlagen zurück: Sie durchkämmen die syrische Grenzstadt nach Kämpfern der Extremisten.
Türkischer Soldat beobachtet Rauchsäule in Kobane: Neue Kämpfe in der Grenzstadt

Türkischer Soldat beobachtet Rauchsäule in Kobane: Neue Kämpfe in der Grenzstadt

Foto: ILYAS AKENGIN/ AFP

Kurdische Einheiten suchen in Kobane nach versteckten Mitgliedern der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Sie umstellten dabei in der syrischen Grenzstadt nach Angaben ihres Sprechers Idriss Nassan auch ein Krankenhaus, in dem sich einige der sunnitischen Extremisten verschanzt haben sollen.

IS-Kämpfer hatten am Donnerstag überraschend einen neuen Angriff auf Kobane gestartet. Den Mitgliedern der Terrormiliz war es gelungen, sich mit Uniformen von Kurden und einer mit diesen verbündeten Miliz zu tarnen und so in die Stadt einzudringen. Das berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Im Morgengrauen begannen die IS-Kämpfer dann ihren Angriff. Später zündeten drei Selbstmordattentäter der Terrormiliz nacheinander Autobomben nahe der türkischen Grenze und in der Stadt. Die kurdischen Milizen in Kobane schafften es, den IS-Angriff abzuwehren, Allerdings gelang es den Extremisten zuvor, viele Zivilisten in einem Stadtteil nahe der türkischen Grenze zu töten oder schwer zu verletzten.

Streit herrscht darüber, ob IS-Kämpfer auch über die türkische Grenze kamen. Dies hatte das syrische Staatsfernsehen behauptet. Die türkische Regierung bestreitet dies: Die IS-Kämpfer seien von syrischem Gebiet aus gekommen aus der nahegelegenen IS-Hochburg Dscharablus. Bisher konnte keine der beiden Seiten Beweise für ihre Behauptungen vorlegen.

Die Kämpfe dauern noch immer an. Inzwischen sollen bereits mehr als 150 Zivilisten bei den neuen Angriffen hingerichtet oder durch Raketen und Heckenschützen getötet worden sein. Auch das berichtete die Syrische Beobachtungsstelle.

Die Organisation berichtete derweil zudem, dass die Dschihadisten in der östlichen Provinz Deir al-Sor 42 gefangene Jesidinnen zu Preisen zwischen umgerechnet 440 und 1800 Euro verkauft hätten. Was mit den Kindern der Frauen geschehen sei, sei unklar. Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit, die von den Dschihadisten als Satanisten angesehen werden. Schätzungen zufolge sind mehr als 3500 jesidische Frauen in der Gewalt der Dschihadisten.

Erst Ende Januar hatten die Kurden mit Hilfe von internationalen Luftschlägen Kobane nach monatelangen Kämpfen aus der Gewalt der Dschihadisten befreit und dem IS eine schmerzhafte Niederlage beschert.

Situation in Syrien, Stand 23. Juni 2015

Situation in Syrien, Stand 23. Juni 2015

Foto: SPIEGEL ONLINE
als/ras/dpa/Reuters
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