"Islamischer Staat" in Syrien Dschihadisten prahlen mit Eroberung von Gasfeld

Die Fahne des "Islamischen Staats" ist gehisst: Die Dschihadisten behaupten, ein Gasfeld in Syrien erobert zu haben - dazu zwei Panzer, Allradfahrzeuge und mehrere Maschinengewehre.

Propagandabild des "Islamischen Staats": Die Dschihadisten wollen mit Fotos wie diesem zeigen, dass sie das Gasfeld Dschahar in Syrien eingenommen haben. Belegen lässt sich die Behauptung nicht.

Propagandabild des "Islamischen Staats": Die Dschihadisten wollen mit Fotos wie diesem zeigen, dass sie das Gasfeld Dschahar in Syrien eingenommen haben. Belegen lässt sich die Behauptung nicht.


Beirut - 18 Fotos im Internet sollen es dokumentieren, eins zeigt die wehende Fahne des "Islamischen Staats" (IS): Die Terrormiliz will ein zweites Gasfeld in Syrien erobert haben. Laut ihren eigenen Angaben haben die Dschihadisten das Gasfeld Dschahar binnen einer Woche eingenommen. Das berichtet auch der Nachrichtendienst Site am Montag, der islamistische Internetseiten beobachtet.

Erst am vergangenen Donnerstag hatte der IS das größere Gasfeld Schaer unter seine Kontrolle gebracht. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei dem Angriff im Westen Syriens mindestens 30 regierungstreue Wachleute und Milizionäre getötet. Die Islamisten melden außerdem, sie hätten in Dschahar zwei Panzer, Allradfahrzeuge und mehrere Maschinengewehre erobert.

Die Islamisten haben in weiten Teilen Syriens und des benachbarten Irak ein Kalifat ausgerufen. Im Irak hatten die IS-Milizen bereits mehrfach Gas- und Ölfelder unter ihre Kontrolle gebracht. Eine von den USA angeführte internationale Militärallianz versucht, den IS mit Luftangriffen zurückzudrängen.

Stämme fordern mehr Waffen

Im Irak wurde in der vergangenen Woche über ein Massengrab mit 150 Leichen berichtet. Laut einem Stammesscheich wurde es in einem Flusstal nordwestlich der Stadt Ramadi in der Provinz Anbar entdeckt. Das berichtete die irakische Nachrichtenseite al-Sumaria. Nach Angaben des Scheichs soll der IS im Westen des Irak mehr als 200 Mitglieder eines sunnitischen Stammes umgebracht haben.

Jetzt fordern die Stämme in der westirakischen Provinz Anbar Unterstützung im Kampf gegen die Dschihadisten. Ein Vertreter im Provinzrat, Suhaib al-Rawi, erklärte am Montag, die Sunniten bräuchten deutlich mehr Waffen, um sich gegen den IS verteidigen zu können. Seinen Angaben zufolge gibt es bereits Beratungen mit der Regierung in Bagdad - auch über die Forderung nach raschen Waffenlieferungen.

Im Kampf um die syrisch-türkische Grenzstadt Kobane fordern kurdische Separatisten einen Vermittler - und schlagen die USA vor. Die Vereinigten Staaten hatten bereits erfolgreich vermittelt, dass irakische Kurden durch die Türkei nach Kobane reisen durften. Weil die PKK in der Türkei sowie in der EU und in den USA nach wie vor als Terrororganisation eingestuft wird, zögerte Ankara damit, deren Kämpfern in Kobane Hilfe zukommen zu lassen.

Nun sollen die USA bei Friedensgesprächen zwischen der PKK und der Türkei vermitteln, sagte PKK-Gründungsmitglied Cemil Bayik der österreichischen Zeitung "Der Standard". "Es gibt keine Lösung durch Krieg, also muss eine politische Lösung her", sagte Bayik. "Wir haben noch nicht den Punkt erreicht, an dem es Bewegung gibt. Deswegen schlagen wir eine dritte Kraft vor, die den Prozess überwacht. Das könnten die USA sein."

vek/Reuters/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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Wolfski 03.11.2014
1. Wer kauft das Gas?
Mich interessiert brennend die Frage über welche Vertriebswege das Gas und Öl aus den eroberten Förderstellen verkauft wird und vor allem WER es kauft? Wenn ich von Förderanlagen lese, dann handelt es sich ja nicht um ein "paar Liter", sondern um große Mengen im industriellen Maßstäben! Da wird ja kaum Gretchen Meier vorbeikommen nach dem Motto " einmal volltanken bitte"! Hier würde eine tiefergehende Recherche sicherlich Sinn machen, denn das würde die (Firmen)Namen der Kriegsgewinnler nennen und somit auch der Allgemeinheit zumindest einen Ansatz liefern, diesem furchtbarem Treiben via rigorosem Boykott ein Ende zu bereiten. Boykott entweder durch staatlichem Eingriff-oder aber der Verbraucher! Das mag dem Einen oder Anderem als naiv vorkommen...aber: was sind die Alternativen? Der Geldhahn muss zu!!!!Da ich bisher noch nicht wirklich Antworten zu dieser Frage gefunden habe: kann es sein, dass Firmen á la Wintershall, Halliburton und Shell hier die eigentlichen (Teil)Finanziers des IS-Terrors sind??
maxell_freedom_87 03.11.2014
2. @Wolski
Zum Großteil wird das Öl und Gas schwarz in die Türkei, Syrien und den Irak verkauft. Der Spiegel hatte ja schon mal darüber Berichtet. Es ist um einiges günstiger als der Marktpreis und darum halt attraktiv. Würde mich aber auch nicht wundern, wenn in den USA irgendwann mal auffällt, oh wir kaufen ja ÖL vom IS
tinosaurus 03.11.2014
3. Die Isis
verkaufen ja alles. Öl, Gas, antike Kunstschätze und Lösegeld für entführte Geiseln. Unser Nato-Partner Türkei ist da der Umschlagplatz und da dürfen die Is-Killer neue Menschen rekrutieren. Die Unterstützung für Kobane wird Erdogan nur zähneknirschend genehmigt haben, obwohl einige sicherlich noch Zweifel haben.
observer2014 03.11.2014
4. Assads Einnahmen
Die Frage stellt sich, was denn nun der syrische Tyrann Assad ohne die Einnahmen aus dem Erdgasverkauf? Ist er nun etwa auf das Erdgas des lupenreinsten Demokraten der Erdgeschichte - Vladimir Putin - angewiesen? Dafür wird der russische Gashahn für die Bundenkanzlerin zugedreht? Und müssen die Deutschen jetzt etwa auf das billig auf den Markt geworfene Erdgas des Islamischen Staates und seines Kalifen zurückgreifen. Fragen über Fragen, das ist ja spannender wie alle Holliywood-Schinken.
Yearning 03.11.2014
5. Ölkäufe
Ich würde mir hierzu wirklich einen detailierten Bericht wünschen der aufzeigt wo genau die Absatzmärkte für das Gas/Öl sind und wer wegschaut um die Profite zu machen. Irgendwie wird dieses Thema in den Medien weitläufig ignoriert in der ganzen Sache. Wohl weil "tote kinder etc." bessere Schlagzeilen abgeben als die Ökonomie die dahinter steht. Echter Investigativjournalismus wäre hier sicher gefragt, bisher habe ich das Gefühl, dass hier eher im Trüben gefischt wird, was in Anbetracht der Datenlage sicher kein Wunder ist, aber auch kein unlösbares Problem würde ich annehmen.
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