Nach neuer Gräueltat der Dschihadisten Jordanien richtet IS-Terroristin hin

Es soll ein klares Signal an den "Islamischen Staat" sein: Jordanien hat am Morgen die Attentäterin Sadschida al-Rischawi gehängt - als Reaktion auf die brutale Ermordung eines Piloten durch die Terrormiliz. Die Getötete galt als Symbolfigur des IS.

DPA

Amman/Hamburg - Fast ein Jahrzehnt saß Sadschida al-Rischawi in einer jordanischen Todeszelle - am frühen Mittwochmorgen wurde ihr Urteil dann hastig vollstreckt. Die irakische Dschihadistin starb um 4 Uhr Ortszeit (3 Uhr MEZ) durch den Strick, wie Regierungssprecher Mohammed al-Moman mitteilte. Die Hinrichtung ist eine direkte Reaktion auf das Video der Terrormiliz "Islamischer Staat", das die grausame Tötung des jordanischen Piloten Muaz al-Kasaesbeh zeigt.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden die Urteile gegen Rischawi und den Qaida-Terroristen Siad al-Karbuli im Swaka-Gefängnis südlich der Hauptstadt Amman vollstreckt.

Mit der Tötung Rischawis versucht Jordanien offenbar, ein deutliches Signal in Richtung der IS-Verantwortlichen zu senden. Die 44-Jährige gilt als wichtige Symbolfigur der Miliz - mehrfach hatte die Terrorgruppe in der Vergangenheit versucht, die Inhaftierte freizupressen. Im vergangenen Juli hatte sogar der IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi in einem seiner raren öffentlichen Auftritte die "Freiheit für gefangene Dschihadistinnen" versprochen. Eine Ankündigung, die damals viele direkt auf die nun Hingerichtete bezogen haben.

Zuletzt hatte die Terrormiliz noch einen Austausch des Piloten Kasaesbehs gegen Rischawi angeboten, Ende Januar schien eine Freilassung der Frau bereits nahe. Allerdings war der Jordanier laut Staatsfernsehen zu diesem Zeitpunkt bereits tot.

Rischawi war 2005 mit einem Selbstmordattentat gescheitert: Sie hatte es nach eigenen Aussagen nicht geschafft, den Zünder ihres Sprengstoffgürtels zu betätigen. Ihr Ehemann hatte sich im Radisson-Hotel in Amman mitten in einer Hochzeitfeier in die Luft gesprengt, zwei weitere Attentäter starteten parallele Anschläge in anderen Hotels. Sie rissen 60 Menschen in den Tod.

Warum war sie für den IS von Bedeutung?

Schon durch ihre Herkunft nahm Rischawi eine symbolisch wichtige Rolle im Terrornetz des "Islamischen Staates" ein. Sie stammte aus einem einflussreichen Clan im westlichen Irak, mehrere ihrer Familienmitglieder nahmen wichtige Positionen in militanten Kreisen ein. So war ihr Bruder einer der Top-Militärs unter Abu Musab al-Zarqawi, dem Gründer des irakischen Ablegers von al-Qaida. Aus dieser Organisation entstand später der IS, dessen Kämpfer in großen Teilen Syriens und des Irak für Angst und Schrecken sorgen. Schon Zarqawi hatte kurz nach ihrer Gefangennahme geschworen, die verhinderte Attentäterin Rischawi zu befreien.

Rischawi in der Todeszelle (Archivbild): Austausch schien zuletzt möglich
REUTERS

Rischawi in der Todeszelle (Archivbild): Austausch schien zuletzt möglich

Mehrere ihrer Brüder waren im Jahr 2004 durch US-Soldaten im irakischen Falludscha getötet worden. Rache für die Angehörigen wurde als eines der Hauptmotive für ihre Anschlagspläne in Amman vermutet. Seit ihrer Inhaftierung war Rischawi in einem Hochsicherheitsgefängnis untergebracht, meist in Einzelhaft. Laut jordanischen Sicherheitskreisen habe sie nie Besuch von Angehörigen bekommen.

Wie reagiert das Ausland?

Schon kurz nach der Veröffentlichung des Propagandavideos des Todes von Muaz al-Kasaesbeh hatte Jordaniens Militär Vergeltung angekündigt. In dem Clip ist zu sehen, wie der junge Pilot mit einer Flüssigkeit übergossen und in Brand gesteckt wird. Wann der Film aufgenommen wurde, ist noch unklar. "Das Blut des Märtyrers wird nicht umsonst geflossen sein", sagte ein Armeesprecher in einer Ansprache im jordanischen Fernsehen.

Die Armee habe alle Mühen auf sich genommen, Kasaesbeh frei zu bekommen von den "Kräften der Dunkelheit und des Bösen", so der Sprecher weiter.

Die Tat des IS hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, der Mord zeige, dass die terroristische Organisation keinerlei Respekt vor dem menschlichen Leben habe. Er forderte alle Regierungen auf, "ihre Bemühungen zu verstärken, um innerhalb der Grenzen der Menschenrechte die Geißel des Terrorismus und des Extremismus zu bekämpfen".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb in einem Kondolenztelegramm an den jordanischen König Abdullah II., es sei "unfassbar, dass Menschen zu einer solch grausamen Tat fähig sind".

jok/dpa/Reuters/AFP

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