Kampf gegen Dschihadisten Pentagon sieht "Islamischen Staat" in der Defensive

Die militärische Stoßkraft der Terrormiliz IS im Irak ist laut dem US-Verteidigungsministerium gestoppt. Die Milizionäre befänden sich nur noch in Verteidigungshaltung. Auch in Syrien verlieren die Dschihadisten an Boden.

Parade irakischer Soldaten zum Tag der Streitkräfte: Keine nennenswerten IS-Angriffe mehr
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Parade irakischer Soldaten zum Tag der Streitkräfte: Keine nennenswerten IS-Angriffe mehr


Washington/Bagdad - Fünf Monate nach dem Beginn der US-Luftangriffe im Irak sieht das Pentagon die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in der Defensive. Die militärische Stoßkraft der Kämpfer im Irak sei in den vergangenen drei bis vier Wochen gestoppt worden, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby.

Die USA hätten in letzter Zeit keine nennenswerten IS-Angriffe mehr beobachtet, so Kirby. Auch in Syrien verliert die Dschihadistenmiliz offenbar weiter an Boden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte berichtet, dass die Milizionäre der kurdischen Volksverteidigungseinheiten wieder alle Verwaltungsbezirke in der umkämpften Stadt Kobane kontrollieren.

Diesen Prozess dürfe man aber nicht als Selbstverständlichkeit betrachten, denn dem IS gelinge es weiterhin, Geld einzunehmen und neue Kämpfer zu rekrutieren, sagte Kirby. Deshalb müsse das Anti-IS-Bündnis wachsam und auf neue Attacken vorbereitet bleiben.

Konkrete Zahlen zu verletzten oder getöteten IS-Kämpfern nannte das Pentagon nicht. "Wir haben nicht die Fähigkeit, jede Nase zu zählen, der wir eine runterhauen", sagte Kirby lapidar. Es seien aber "mehrere Hundert IS-Kämpfer getötet" worden. Mit Blick auf möglicherweise bei Luftschlägen getötete Zivilisten ermittle des US-Zentralkommando derzeit in mehreren Fällen.

Die US-Armee hatte bislang erklärt, es gebe keine Hinweise auf getötete Zivilisten. Nun räumte Kirby ein, dass es bei den Luftangriffen im Irak und in Syrien zivile Opfer gegeben haben könnte. Aus US-Verteidigungskreisen verlautete, dass Ermittlungen in insgesamt 18 Fällen eingeleitet wurden. In 13 von ihnen konnten zivile Opfer nicht bestätigt werden, fünf Ermittlungen liefen noch.

Mehr als 12.000 tote Zivilisten in einem Jahr

Bei der andauernden Gewalt im Irak hat es nach Uno-Angaben im vergangenen Jahr so viele Tote wie seit sieben Jahren nicht mehr gegeben. Einem am Dienstag veröffentlichten Bericht zufolge starben in den vergangenen zwölf Monaten 12.282 Zivilisten, fast doppelt so viele wurden verletzt.

Allein im Dezember seien 680 Zivilisten und 421 Soldaten getötet worden. Die meisten Opfer habe es dabei in der Region um die Hauptstadt Bagdad gegeben. "Das ist das furchtbarste Jahr für den Irak seit der Gewaltwelle 2006/2007", sagte der Uno-Sondergesandte Nickolay Mladenov. Der blutigste Monat war den Angaben zufolge der Juni, als 1775 Zivilisten getötet wurden.

Umbau der irakischen Armee

Bei einem IS-Angriff in der Provinz Anbar im Westen des Irak sind nach irakischen Angaben am Dienstag mindestens 15 Soldaten getötet worden. Wenige Kilometer westlich des Ortes liegt ein Luftwaffenstützpunkt, in dem US-Soldaten die irakische Armee für den Kampf gegen den IS ausbilden.

Die irakische Regierung baut derzeit die eigene Armee nach den Niederlagen gegen den IS neu auf und um. Verteidigungsminister Khalid Al Obeidi sagte in einer Ansprache zum Tag der Streitkräfte, der am Dienstag begangen wurde, dass der Prozess langsam vorangehe. Der Austausch von Kommandeuren sei der erste Schritt zu einer schlagkräftigen Armee. Es werde aber bis in die unterste Ebene Veränderungen geben.

Die Bundeswehr flog vier verletzte Peschmerga-Kämpfer aus dem Irak zur Behandlung nach Deutschland aus. Eine zum fliegenden Krankenhaus umgebaute Transall-Maschine mit den kurdischen Verwundeten an Bord sei am Dienstag auf dem Fliegerhorst Penzing in Bayern gelandet, teilte das Kommando Sanitätsdienst mit. Die Peschmerga-Kämpfer seien ins Bundeswehrkrankenhaus Ulm gebracht worden.

sun/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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HerrPeterlein 06.01.2015
1. Die USA...
Manchmal weiß man nicht ob die USA ihrer eigenen Propaganda glaubt. Die IS ist eine Terrororganisation und hoffentlich bald Geschichte. Aber nur ein Symptom, die Beseitigung keine Hilfe für die Ursache.Das ist und wird ein Problem bleiben.
ththt 06.01.2015
2. Syrische Armee
Natürlich bleiben die syrische Armee und die NDF unerwähnt, obwohl sie in Der Ez-zor verbissen um jedes Haus kämpfen und dort der Isis schon erheblichen Schaden zufügen konnten.
hinifoto 07.01.2015
3. Photoshop
Sind die Bilder der Fotografin Gail Orenstein so schlecht, dass man sie massiv in Photoshop aufpeppen musste?
rkinfo 07.01.2015
4. Den Geist von IS weltweit bekämpfen
IS besetzt ja nicht Gebiete sondern will Menschen unterdrücken und ihre Würde zerbrechen. Daher ist der militärische Aspekt nur ein Teilproblem bzgl. IS. Wahrscheinlich wird es sogar gefährlicher für die weltweiten Zivilgesellschaften nachdem IS an der Front kollabiert. Da warten noch viele Probleme für Jahre auf uns.
hevopi 07.01.2015
5. Hoffentlich stimmt das
und die grausame Behandlung der Opfer hat bald ein Ende. Es gilt dann die Aufarbeitung dieser Verbrechen, damit endlich wieder Friede auf der Welt herrscht.
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