Dschihadisten-Prozess in Österreich 20 Jahre Haft für Hassprediger Mirsad O.

Über seinen YouTube-Kanal hat der 35-jährige Mirsad O. für die Terrormiliz "Islamischer Staat" geworben. Nun wurde er in Österreich zu 20 Jahren Haft verurteilt.


Ein Hassprediger, der für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) geworben hat, ist im österreichischen Graz zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass der 35-jährige Mirsad O. über seinen YouTube-Kanal Männer für den Krieg in Syrien angeworben hat. Er wurde wegen Anstiftung zu Mord und schwerer Nötigung verurteilt.

Die Anklage hatte den Mann als Schlüsselfigur der IS-Propaganda in Österreich eingestuft. Ein 28 Jahre alter Mitangeklagter erhielt zehn Jahre Haft, er soll O. bei den Rekrutierungen in Österreich unterstützt haben. Beide Männer hatten die Vorwürfe bestritten.

Das Landgericht Graz hatte seit Februar unter großen Sicherheitsvorkehrungen getagt. O. wurde zur Last gelegt, Dutzende junger Männer einer regelrechten Gehirnwäsche unterzogen zu haben, um sie für den gewaltsamen Dschihad zu rekrutieren. Mehrere von ihnen hatten sich dann dem Kampf des IS in Syrien angeschlossen.

Während der Verhandlungen waren auch Familienangehörige dieser Kämpfer als Zeugen zu Wort gekommen. Sie sagten, sie seien machtlos gewesen gegen die entflammte Bereitschaft, für den Dschihad zu sterben.

Mirsad O. ist gebürtiger Bosnier. Unter dem Namen "Ebu Tejma" soll er auch in seiner Heimat sowie in Süddeutschland gewirkt haben. Er selbst sagte am Mittwochabend in einem 40-minütigen Schlusswort, er habe nie zum Kampf aufgefordert. Nach mehrstündiger Beratung fiel das Urteil nach Mitternacht.

aar/dpa/AFP



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