Angriffe in Syrien und Irak IS soll selbst hergestelltes Senfgas eingesetzt haben

Vermutet wurde es schon länger, nun sollen Auswertungen bewiesen haben: Der IS hat offenbar Senfgas selbst hergestellt und bei Angriffen in Syrien und Irak verwendet.

Uno-Ermittler in Syrien (Archivbild 2013)
AP/Local Committee of Arbeen

Uno-Ermittler in Syrien (Archivbild 2013)


Die Terrormiliz "Islamischer Staat "(IS) hat bei Kämpfen in Syrien und im Irak möglicherweise Senfgas eingesetzt, das sie selbst produziert hatten. Das lege die Untersuchung von Proben durch Experten der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) nahe, sagte der Leiter der Organisation, Ahmet Üzümcü, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.

Die Auswertung der Proben sei "äußerst besorgniserregend", sagte Üzümcü, zumal es in Syrien und im Irak ausländische Kämpfer gebe, die eines Tages in ihre Herkunftsländer zurückkehren könnten. Das Senfgas sei zwar von "ziemlich schlechter Qualität, aber trotzdem schädlich".

Derzeit prüfe die OPCW mehr als 20 Berichte über Giftgasangriffe in Syrien seit August. Erst am Donnerstag seien Berichte der syrischen Regierung über solche mutmaßlichen Angriffe ihrer Gegner eingegangen. Die OPCW-Experten versuchten nun, die jeweiligen Beschuldigungen zu "sortieren", denn nicht alle könnten in Syrien derzeit überprüft werden.

Mandat für Untersuchungsausschuss verlängert

Üzümcü äußerte sich wenige Stundennachdem der UN-Sicherheitsrat in einer Resolution das Mandat der Untersuchungskommission für den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien um ein Jahr verlängert hatte. Der sogenannte Gemeinsame Untersuchungsmechanismus (Joint Investigative Mechanism, JIM) war im August 2015 nach mutmaßlichen Chlorgasangriffen auf syrische Dörfer eingesetzt worden, bei denen 13 Menschen starben. An der Gründung des Untersuchungsausschusses war neben der UNO auch die in Den Haag ansässige OPCW beteiligt.

In einem im August dieses Jahres vorgelegten Bericht war die OPCW zu dem Schluss gekommen, dass Soldaten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad am 21. April 2014 und am 16. März 2015 zwei Dörfer in der nordwestlichen Provinz Idlib aus Hubschraubern mit Giftgas angriffen. Die IS-Miliz benutzte nach Erkenntnissen der Experten am 21. August 2015 im Ort Marea nahe Aleppo das hochgiftige Senfgas. Die IS-Miliz sei im Syrien-Konflikt die einzige Kriegspartei "mit der Fertigkeit, dem Willen und der Möglichkeit zur Nutzung von Senfgas", hieß es in dem Untersuchungsbericht.

Angriffe auf Krankenhäuser in Aleppo

Derweil haben offenbar weitere Luftschläge des syrischen Regimes und seiner Verbündeten weitere Krankenhäuser in den Rebellengebieten im nordsyrischen Aleppo getroffen. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Unter den angegriffenen Kliniken sei auch ein Kinderkrankenhaus gewesen, das bereits Mitte der Woche vom syrischen Regime bombardiert worden sei, teilte die Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM) mit.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte stießen Regierungstruppen in den südlichen Stadtteil Scheich Said vor, wurden von den Rebellen jedoch zurückgeschlagen.

Die Beobachtungsstelle berichtete, dass seit Wiederaufnahme der Angriffe am Dienstag mindestens 65 Menschen getötet wurden. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf Informanten in Syrien, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen. Sie haben sich in der Vergangenheit aber meistens als zutreffend erwiesen.

mho/AFP/dpa



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