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01. Dezember 2015, 13:39 Uhr

Kampf gegen den IS

Die Allianz mit Assad ist eine Illusion

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Truppen der syrischen Armee könnten sich bald an der internationalen Anti-IS-Koalition beteiligen, das haben westliche Politiker vorgeschlagen. Ein absurder Plan.

Die Armee, die schon bald gemeinsam mit US-Truppen, Franzosen und der Bundeswehr die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) bekämpfen soll, setzt derzeit noch andere Prioritäten.

Am Wochenende hat die syrische Luftwaffe mehrere Fassbomben auf ein Krankenhaus in der Kleinstadt Zafarana abgeworfen. Bei dem Angriff auf das Hospital, das von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen betrieben wird, wurden sieben Menschen getötet und 47 weitere verletzt. Es ist nur der jüngste Vorfall in einer langen Serie von Angriffen der Armee auf ihr eigenes Volk.

Trotzdem hoffen westliche Politiker darauf, dass die syrischen Regierungstruppen in absehbarer Zeit nicht mehr ihre Landsleute in Krankenhäusern, Moscheen und Wohnhäusern unter Beschuss nehmen, sondern ihre Waffen gegen den IS richten.

Den Anfang hatte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius gemacht: Bodentruppen seien im Kampf gegen die Dschihadisten unerlässlich, sagte er am vergangenen Freitag. Diese Einheiten könnten aber nicht von Frankreich gestellt werden, sondern von der oppositionellen Freien Syrischen Armee und von sunnitischen arabischen Truppen. Dann fügt der Minister vielsagend hinzu: "Warum nicht auch von Regierungstruppen?"

Ähnlich äußerte sich kurz darauf Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen: "Es gibt Teile der Truppen in Syrien, die man sehr wohl - wie in dem Beispiel Irak, wo ja erfolgreich die Ausbildung der lokalen Truppen stattgefunden hat - hier auch nehmen kann", sagte die CDU-Politikerin. Später stellte ihr Sprecher klar: "Jetzt wird es keine Zusammenarbeit mit Assad geben und auch keine Zusammenarbeit mit Truppen unter Assad."

Welche Truppen konkret gemeint sind, ließ von der Leyen offen. Trotzdem ist klar: Die syrische Armee soll sich irgendwie am Kampf gegen den IS beteiligen - aber vorher muss Diktator Baschar al- Assad das Oberkommando über die Streitkräfte abgeben.

Aus mehreren Gründen sind diese Planspiele der Europäer unmöglich umzusetzen.

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