Anti-Terror-Einsatz im Irak US-Jets bombardieren erstmals IS-Stellungen nahe Bagdad

Präsident Obama hatte eine Ausweitung der Anti-Terror-Offensive gegen die Terrormilizen des "Islamischen Staates" angekündigt. Jetzt hat die US-Luftwaffe zum ersten Mal unweit der irakischen Hauptstadt Bagdad die Dschihadisten attackiert.

US-Kampfflugzeuge auf dem Deck des Flugzeugträgers "USS George HW Bush": Attacken auf IS-Miliz
DPA

US-Kampfflugzeuge auf dem Deck des Flugzeugträgers "USS George HW Bush": Attacken auf IS-Miliz


Bagdad - Die US-Luftschläge trafen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) südwestlich von Bagdad: Es war das erste Mal seit Beginn des laufenden Anti-Terror-Einsatzes, dass die Amerikaner Stellungen der islamistischen Kämpfer nahe der irakischen Hauptstadt bombardierten.

Die Attacke nahe Bagdad sei Teil des von US-Präsident Barack Obama angekündigten "ausgeweiteten" Einsatzes gewesen, teilte das Zentralkommando in Tampa im US-Bundesstaat Florida mit. Sie habe den irakischen Truppen am Boden helfen sollen, in die Offensive zu gehen. Auslöser sei nicht ein Vorrücken von IS-Kämpfern in Richtung Bagdad gewesen, hieß es. Das genaue Ziel des Beschusses wurde nicht genannt.

Die US-Luftangriffe hatten sich bisher auf den Norden des Landes konzentriert. Ein zweiter Luftschlag zielte den Angaben zufolge auf die Region nahe des Sindschar-Gebirges im Nordirak. Dabei seien sechs Fahrzeuge der Dschihadisten zerstört worden. Im August waren Zehntausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden vor dem Vorstoß der IS-Kämpfer in das nördliche Sindschar-Gebirge geflüchtet.

Anhörung im Senat

Obama hatte in der vergangenen Woche eine Ausweitung des Einsatzes gegen den IS angekündigt. Unter anderem soll der IS auch in Syrien angegriffen werden. Am Dienstag (15.30 Uhr MESZ) wollen US-Verteidigungsminister Chuck Hagel und Generalstabschef Martin Dempsey die Anti-IS-Strategie der Vereinigten Staaten bei einer Senatsanhörung in Washington erläutern. Dabei müssen sie sich auf harte Fragen der Mitglieder gefasst machen.

Der Senat muss gemeinsam mit dem Abgeordnetenhaus entscheiden, ob die USA wie von Obama gefordert die "moderaten" syrischen Rebellen trainieren und ausbilden sollen. Während einige Kongressmitglieder befürchten, dass Ausrüstung des US-Militärs in die falschen Hände geraten könnte, sehen andere diesen Schritt als entscheidend im Kampf gegen den IS. Mehr als 20 Länder wollen sich dem Kampf gegen die Extremisten anschließen.

Die Terrormiliz kontrolliert auch weite Teile des irakischen Nachbarlandes und hat ein "Kalifat" ausgerufen. Iraks neuer Ministerpräsident Haider al-Abadi hatte an die internationale Gemeinschaft appelliert, seinem Land im Kampf gegen die radikalen Islamisten zu helfen. In Paris vereinbarte am Montag eine Gruppe von rund 30 Staaten unter Führung der USA Maßnahmen dazu. Wie genau deren Hilfe aussieht, blieb aber offen.

Die USA bombardieren bereits seit Anfang August IS-Stellungen im Irak. Mit den jüngsten Luftangriffen nahe Bagdad und dem Sindschar-Gebirge summiert sich die Zahl der US-Angriffe nach Armeeangaben auf 162.

Nach 15 Tagen Basisausbildung zur Kampfeinheit

Der IS hatte am Wochenende ein Video mit der Ermordung einer dritten westlichen Geisel im Internet veröffentlicht. Obama bezeichnete die Enthauptung entführter Geiseln als strategischen Fehler. Die Milizen rekrutieren nach Informationen der Zeitung "New York Times" zunehmend auch in der Türkei neue Mitglieder. Bis zu tausend Türken hätten sich bisher der Extremistengruppe angeschlossen, berichtete das Blatt unter anderem unter Berufung auf türkische Regierungsangaben. Anziehungspunkte seien sowohl die Ideologie der Miliz als auch die Bezahlung.

Das Blatt schreibt über einen 27-jährigen Türken, der nach einer 15-tägigen Basisausbildung im syrischen Rakka einer Kampfeinheit zugewiesen wurde. Er habe bereits zwei Männer erschossen und an einer öffentlichen Hinrichtung teilgenommen. Erst als er einen Mann lebendig begraben hatte, sei er als Vollmitglied der Miliz aufgenommen worden, sagte der ehemalige Drogenabhängige der Zeitung.

heb/dpa/AFP

insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
noelkenproettel 16.09.2014
1. Es ist an der Zeit
Das gegen den IS mit harten Bandagen vorgegangen wird, eine andere Sprache verstehen diese Leute nicht! Ich Frag mich nur warum sich die vereinen Nationen nicht dort einschalten , denn es Handelt sich in diesen Gebieten Irak Syrien wohl eindeutig um Völkermord das die Kämpfer des IS in diesen Ländern veranstaltet.
Pandora0611 16.09.2014
2. Die Terrormiliz muss bekämpft werden
Es wurde Zeit, das die USA hart gegen die Terrormiliz IS mit allen Mitteln bekämpft. Und dazu zählen auch Luftangriffe auf ihre Stellungen. Aber sie muss nicht nur im Irak bekämpft werden sondern auch in Syrien.
ford.prefect 16.09.2014
3. Un
Im Irak gibt es eine gewählte Regierung, die selbst keinen Völkermord begeht. Das tun ja die aufständischen von IS. Insofern ist die UNO nicht gefragt. Die irakische Regierung kann selbst um Hilfe bitten, wen sie mag. Ähnlich wie in der Ukraine .... nur dass die aufständischen dort zwar auch in großer Zahl ais den Ausland kommen, aber immerhin keinen Völkermord begehen.
odins_krautsalat 16.09.2014
4. @1
Und welchen Staat wollen Sie dafür belangen und zur Rechenschaft ziehen?
kom.philbier 16.09.2014
5.
Ist es eigentlich so schwer zu kapieren, dass diese Luftangriffe von der US Navy - also der amerikanischen Marine - und nicht von der amerikanischen Luftwaffe (US Air Force) geflogen werden? Im kalten Krieg hatte die US-Navy die drittgrößte Luftstreitmacht der Welt, nach der sowjetischen Luftwaffe und eben der US Air Force. Ich weiß nicht welchen Rang sie heute einimmt, dürfte aber nicht weit davon entfernt sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.