Luftschläge im Nordirak USA greifen IS-Stellungen nahe Amirli an

Gezielte Luftangriffe auf den IS sowie humanitäre Hilfspakete für die Bevölkerung: Das US-Militär hat seinen Einsatz im Nordirak auf die von Extremisten belagerte Stadt Amirli ausgeweitet - 12.000 Menschen sind dort seit Monaten eingeschlossen.

Australisches Flugzeug bei einer Übung: Westliche Staaten unterstützen die USA im Nordirak
REUTERS

Australisches Flugzeug bei einer Übung: Westliche Staaten unterstützen die USA im Nordirak


Bagdad - US-Präsident Barack Obama hat die Luftangriffe gegen Stellungen der Extremisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak ausgeweitet. Am Wochenende flogen US-Kampfflugzeuge Luftangriffe auf IS-Stellungen in der Nähe der belagerten nordirakischen Stadt Amirli sowie am Mossul-Staudamm.

Um die Zivilbevölkerung zu schützen, seien die Angriffe limitiert in Bezug auf den Umfang und die Dauer, sagte ein Pentagon-Sprecher. Zudem warfen amerikanische, britische, französische und australische Flugzeuge Hilfsgüter und Notfallversorgung aus der Luft für die eingeschlossene Bevölkerung ab. Dies könne, so Pentagon-Mitarbeiter als Fortschritt gewertet werden in Obamas Bemühen, Verbündete im militärischen Kampf gegen IS zu gewinnen.

Die mehrheitlich von schiitischen Turkmenen bewohnte Stadt Amirli wird seit zwei Monaten von den Dschihadisten belagert, die Anfang Juni weite Teile des Nordirak in ihre Gewalt gebracht hatten. Den rund 12.000 Bewohnern fehlt es an Nahrung und Essen.

Nach Uno-Angaben gelang es bisher nicht, die Bewohner in Sicherheit zu bringen oder ausreichend Hilfsgüter in die Stadt zu liefern. Der Uno-Sondergesandte für den Irak, Nikolai Mladenow, warnte kürzlich, dass den Einwohnern im Fall einer Eroberung wegen ihres schiitischen Glaubens ein Massaker drohe.

Neben den US-Luftangriffen rücken auch irakische und kurdische Truppen Armeekreisen zufolge auf die belagerte Stadt vor. Die Streitkräfte näherten sich dieser aus vier verschiedenen Richtungen, sagten zwei Offiziere am Samstag. Laut Sicherheitskreisen wurden bereits zehn Dörfer auf dem Weg zur Stadt befreit. Tausende Kämpfer seien an dem Einsatz beteiligt, verlautete aus Sicherheitskreisen.

US-Außenminister Kerry wirft IS Völkermord vor

Im Kampf gegen IS gewinnen die Kurden langsam an Boden zurück. Die kurdischen Peschmerga-Einheiten rückten nach Angaben eines Sprechers am Samstag außerdem auf die Stadt Zumar im Nordirak vor. Sollte es gelingen, diese zu kontrollieren, würde das dabei helfen, die Regionen Rabia und Sinjar von IS zurückzuerobern, sagte er.

Die US-Streitkräfte fliegen seit dem 8. August Angriffe auf den IS. Nach Angaben des US-Zentralkommandos in Tampa in Florida haben sie seither mehr als hundert Luftschläge geführt. Obama hatte beschränkte Luftschläge auf die Terrorgruppe IS genehmigt, die die Bevölkerung bedroht. Anlass war die lebensbedrohliche Situation von rund 40.000 Flüchtlingen der religiösen Minderheit der Jesiden, die auf dem Berg Sindschar nahe der syrischen Grenze in der Falle saßen und den Tod fürchteten. Damals kündigte Obama chirurgische Luftschläge sowie humanitäre Hilfe an.

Eine Ausweitung der Angriffe zur Bekämpfung der IS-Kämpfer im benachbarten Syrien wird diskutiert, doch steht eine Entscheidung noch aus. US-Außenminister John Kerry rief zur Bildung einer weltweiten Allianz gegen den "Islamischen Staat" auf und bezeichnete dessen Gewalttaten in Syrien und Irak als gezielten "Völkermord". In einem Gastbeitrag für die "New York Times" warb Kerry für eine "gemeinschaftliche Antwort unter Führung der Vereinigten Staaten und mit dem größtmöglichen Bündnis an Nationen". Gemeinsam mit US-Verteidigungsminister Chuck Hagel will Kerry sich beim bevorstehenden Nato-Gipfel in Wales für ein solches Bündnis einsetzen.

Die Vereinten Nationen warfen dem IS vor, im Irak und in Syrien brutalste Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen. So würden IS-Milizen in ihrem Herrschaftsgebiet zur Abschreckung regelmäßig öffentliche Hinrichtungen veranstalten und selbst Kinder zum Zuschauen zwingen.

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August)
DER SPIEGEL

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August)

lgr/Reuters/AFP

insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
ratxi 31.08.2014
1. Ach so.
"Den rund 12.000 Bewohnern fehlt es an Nahrung und Essen." Ach so. Dann sollte man möglichst schnell Nahrung liefern. Und später dann Essen... ;)
egalglaubmir 31.08.2014
2. anstatt Waffen zu liefern
müssen den unterstützenden Ländern die Zusammenarbeit aufgekündigt werden (Türkei, Kathar, etc...).
tommyonafloat 31.08.2014
3.
musste der autor zeilen vollkriegen oder warum schreibt man "nahrung und essen"?
kroganer 31.08.2014
4. Warum wird nicht mehr getan!
Man muss viel härter, umfassender und gemeinschaftlicher gegen diese IS Verbrecher vorgehen! Aber warum, das haben ja schon viele andere Foristen gefragt, hält sich die Türkei so verdächtig geschlossen, beim Gaza Konfligt haut der Pascha Erdogan eine verbale Untat nach der anderen raus und jetzt kein Wort, keine Verurteilung der Taten, dem typen sollte man mal fragen auf welcher Seite er steht. Aber ich bin mir sicher das in seine IS unterstützende Politik noch um die Ohren fliegen wird!
geddon 31.08.2014
5. Ist...
Zitat von tommyonafloatmusste der autor zeilen vollkriegen oder warum schreibt man "nahrung und essen"?
... Ihr Leben so langweilig oder warum müssen Sie an einem Sonntagmorgen solch Belangloses von sich geben?
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