Ausbildung für Syriens Rebellen Pentagon investiert 500 Millionen - und bekommt fünf Kämpfer

Eine halbe Milliarde Dollar hat das US-Trainingsprogramm für syrische Rebellen bisher gekostet - doch die Resultate sind jämmerlich. Laut Pentagon sind gerade einmal "vier oder fünf Kämpfer" übrig.
Syrische Rebellen (nahe Damaskus/Symbolbild): "Es ist eine kleine Anzahl"

Syrische Rebellen (nahe Damaskus/Symbolbild): "Es ist eine kleine Anzahl"

Foto: BASSAM KHABIEH/ REUTERS

5000 Mann - so viele syrische Rebellen sollten bis Ende 2015 von US-Einheiten für den Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) geschult werden. Doch davon ist das Pentagon meilenweit entfernt. Gerade einmal eine Handvoll syrische Kämpfer sind derzeit noch einsetzbar.

Diese erschreckende Diskrepanz musste General Lloyd J. Austin III, Leiter des Regionalkommandozentrums für den Nahen Osten, Zentralasien und Ostafrika am Mittwoch (Ortszeit) vor dem Senat einräumen. Angehört wurde er vom Ausschuss für die Kontrolle des US-Verteidigungsministeriums .

Das Pentagon hatte im Mai begonnen, syrische Rebellen für den Widerstand gegen den IS auszubilden - und sich selbst das 5000-Kämpfer-Ziel gesetzt. 500 Millionen Dollar waren dafür bewilligt worden. Bisher haben allerdings lediglich 54 syrische Rebellen überhaupt das Trainingsprogramm absolviert.

Die kleine Gruppe Absolventen war im Juli in Syrien von der Nusra-Front angegriffen worden, dem syrischen Ableger von al-Qaida. Die Dschihadisten rivalisieren zwar selbst mit dem IS - misstrauen aber auch den Absichten der US-ausgebildeten Rebellen. Die Attacke hat offenbar zahlreiche Opfer gefordert. Auf die Frage, wie viele der US-trainierten Kämpfer nach der Attacke noch einsetzbar sind, sagte Austin: "Es ist eine kleine Anzahl. Wir reden von vier oder fünf."

Viele US-Senatoren halten die bisherige Bilanz für schwach

Austin musste zudem eingestehen, dass das Trainingsprogramm deutlich hinter dem anvisierten Zeitplan zurückliege und derzeit vom US-Verteidigungsministerium genau überprüft werde. Derzeit durchliefen insgesamt lediglich 100 bis 120 syrische Kämpfer das US-Ausbildungsprogramm.

Der General bemühte sich zwar, vor dem Ausschuss auch die Erfolge im Kampf gegen den IS zu betonen, besonders im Norden Syriens: Dort habe eine Koalition syrischer, kurdischer und arabischer Kräfte 17.000 Quadratkilometer vom IS zurückerobert. Die USA unterstützen diese Kämpfer aus der Luft. Doch die US-Senatoren wollten das nicht gelten lassen - und zerpflückten die bisherige Bilanz im Kampf gegen die Dschihadisten.

"Sie haben gesagt, der Krieg gegen den IS werde noch Jahre andauern", sagte Tim Kaine von der Demokraten-Partei, der im Senat den Bundesstaat Virginia vertritt. "Ich glaube nicht, dass die Aussagen: 'Der Krieg wird noch Jahre andauern' und 'Die Aussichten des IS haben sich getrübt' miteinander kompatibel sind." Beide Aussagen waren zuvor gefallen.

Das US-Verteidigungsministerium steht derzeit in der Kritik, Berichte über vermeintliche Erfolge gegen den IS geschönt zu haben. Der Generalinspektor des US-Verteidigungsministeriums hat Ermittlungen aufgenommen. Zuvor soll sich mindestens ein Analyst des Verteidigungsnachrichtendienstes beschwert haben. Er vermutete, dass seine Berichte von Vorgesetzten im Pentagon manipuliert worden seien.

Laut der US-Zeitung "Daily Beast" könnten sogar rund 50 Analysten des Geheimdienstes ihre Bedenken geäußert haben.

Foto: SPIEGEL ONLINE
ras
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