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Kampf gegen IS USA setzen auf Bodeneinsatz von syrischen Rebellen

Fast ununterbrochen fliegen die USA Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Doch zugleich wächst die Überzeugung, dass diese Attacken nicht ausreichen. Deshalb soll die Zusammenarbeit mit moderaten Rebellen ausgeweitet werden.

Damaskus/Washington - Die US-Luftwaffe hat in der Nacht zum Samstag erneut Stellungen der Dschihadistenorganisation "Islamischer Staat" (IS) in Syrien bombardiert. Mehrere Medien berichteten, dass die Luftangriffe inzwischen beinahe ohne Unterbrechung geführt würden.

Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte weitete die US-geführte Militärallianz ihren Kampf gegen den IS auf die zentrale Provinz Homs aus. "Die US-arabische Koalition hat erstmals Stellungen des IS in der östlichen Wüste der Homs-Provinz attackiert", sagte der Chef der in Großbritannien beheimateten Nichtregierungsorganisation, Rami Abdel Rahman.

Auch Ziele in der Provinz Aleppo sowie die Stadt Raka, in der die Extremisten ihr Hauptquartier haben, seien angegriffen worden. Auch rund um die Stadt Tabka, wo IS-Kämpfer einen Luftwaffenstützpunkt besetzt halten, waren demnach Explosionen zu hören.

Zugleich wächst die Allianz gegen den IS: Am Freitag stimmte das britische Unterhaus Militäreinsätzen im Irak zu. Vergangene Woche hatte sich bereits Frankreich angeschlossen, Bahrain, Saudi-Arabien, Jordanien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate beteiligen sich ebenfalls an den Militäraktionen. Auch Dänemark, die Niederlande und Belgien haben ihre Unterstützung zugesagt.

"Die Kampagne muss eine Komponente am Boden haben"

In Syrien setzen die USA nun verstärkt darauf, moderate syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS auszubilden. Der US-Kongress hatte in der vergangenen Woche genehmigt, 5000 syrische Kräfte auszubilden und auszurüsten. Nun sagte der Generalstabschef Martin Dempsey, es sei der Einsatz von 12.000 bis 15.000 Oppositionskämpfern notwendig.

Er bekräftigte, dass die laufenden Luftangriffe der USA und ihrer Verbündeten allein nicht ausreichten. "Die Kampagne gegen den IS in Syrien muss eine Komponente am Boden haben. Und wir glauben, dass der Weg dahin über die syrische Opposition läuft." Barack Obama hatte den Einsatz von Bodentruppen wiederholt ausgeschlossen.

Nach Angaben des Pentagon sind bereits erste Ausbildungsteams in Saudi-Arabien angekommen. Das Programm sei auf mehrere Jahre ausgelegt.

"Wir sind nicht auf der gleichen Seite wie Assad"

Der Kampf gegen den IS bleibt indes für die USA ein diplomatischer Drahtseilakt. US-Außenminister John Kerry hat sich gegen den Eindruck gewehrt, dass sein Land mit den Luftangriffen gegen den IS letztlich dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad hilft. "Wir sind nicht auf der gleichen Seite wie Assad", schrieb Kerry in einem am Freitag in der Zeitung "Boston Globe" erschienenen Beitrag. Der syrische Machthaber habe seine Legitimität "lange verloren". Wie ein "Magnet" habe Assad zudem ausländische Dschihad-Kämpfer aus Dutzenden Ländern angezogen und der IS-Miliz in die Arme getrieben.

Kerry verteidigte auch die Ausbildung und Aufrüstung gemäßigter Rebellengruppen. Damit fördere Washington die "Bedingungen, die zu einer Verhandlungslösung in diesem Konflikt führen können", schrieb er.

Lawrow fordert Zusammenarbeit mit Assad

Der russische Außenminister Sergej Lawrow verlangte von den USA, ihr militärisches Vorgehen gegen die IS-Miliz mit der syrischen Regierung abzusprechen. "Es ist sehr wichtig, dass eine solche Zusammenarbeit mit den syrischen Stellen eingerichtet wird, auch wenn schon Fakten geschaffen wurden", sagte Lawrow am Freitag in New York. Der Ausschluss der Führung in Damaskus verstoße nicht nur gegen das Völkerrecht, sondern untergrabe auch die Wirksamkeit der Angriffe.

Nach Angaben aus US-Regierungskreisen hatten sich Kerry und Lawrow bei einem Zweiergespräch am Rande der Uno-Generaldebatte in dieser Woche über die Bedrohung durch die Dschihadisten beraten. Dabei hätten die beiden Außenminister vereinbart, die Auswirkungen des Kampfes gegen die IS-Miliz "auf die Aussichten für eine umfassendere Lösung in Syrien" zu prüfen.

Deutschland richtet Flüchtlingskonferenz aus

Doch noch ist eine solche Lösung in weiter Ferne. Das zeigt vor allem die Situation an der türkischen Grenze. Ministerpräsident Ahmed Davutoglu sagte am Freitag, seit Beginn der Grenzöffnung eine Woche zuvor seien 160.335 Menschen aus der Region Ain al-Arab in die Türkei geflohen. Die gleichnamige Stadt steht seit Tagen unter schwerem Beschuss durch den IS. Die Grenzstadt ist von entscheidender militärstrategischer Bedeutung: Seit Wochen versuchen die Dschihadisten den Ort einzunehmen, um zwei von ihnen beherrschte Gebiete zu verbinden.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte bei der Uno-Vollversammlung am Mittwoch in New York mehr internationale Unterstützung in der Flüchtlingskrise gefordert. Das Auswärtige Amt kündigte am Freitag an, im nächsten Monat eine große Konferenz zum Umgang mit Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien auszurichten. Dabei soll es insbesondere um die Lage in der Region gehen. Die Konferenz soll am 28. Oktober in Berlin stattfinden.

bim/Reuters/AP/AFP/Reuters