Nordirak USA werfen dem IS Senfgasangriff vor

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" verfügt offenbar über gefährlichere Chemiewaffen als bisher bekannt. Die USA sind überzeugt, dass die Dschihadisten erstmals Senfgas gegen kurdische Kämpfer eingesetzt haben.
Beisetzung von getöteten Kämpfern im Irak: IS soll Senfgas eingesetzt haben

Beisetzung von getöteten Kämpfern im Irak: IS soll Senfgas eingesetzt haben

Foto: STRINGER/IRAQ / REUTERS

Die US-Regierung hat Hinweise darauf, dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) in dieser Woche verbotene Chemiewaffen gegen kurdische Kämpfer im Irak eingesetzt hat. "Wir haben glaubhafte Informationen, dass es sich bei der verwendeten Substanz um Senfgas handelt", sagte ein ranghoher US-Beamter dem "Wall Street Journal" und dem TV-Sender NBC.

Zuvor hatte bereits die Bundeswehr über einen Giftgaseinsatz im Nordirak berichtet. Demnach klagten kurdische Peschmerga-Kämpfer nach dem Einschlagen von Granaten nahe der irakischen Stadt Erbil über Reizungen der Atemwege. Es war jedoch unklar, welche Chemikalie eingesetzt wurde.

Ein Angriff mit Senfgas wäre der Beleg dafür, dass der IS über gefährlichere Waffen verfügt, als bislang bekannt. US-Geheimdienste hatten zwar zuvor bereits von Angriffen mit Chlorgas berichtet. Chlorgas ist aber anders als Senfgas keine verbotene Chemiewaffe.

Noch ist unklar, wie das Senfgas in den Besitz des IS gelangt ist. Möglich ist, dass die Chemikalie aus Beständen des Assad-Regimes stammt. Zwar hatte die Führung in Damaskus 2013 behauptet, sie habe sämtliche Senfgas-Bestände vernichtet, diese Behauptung konnte von ausländischen Inspektoren aber niemals abschließend bestätigt werden. US-Geheimdienste gehen mittlerweile davon aus, dass Syriens Regime einen Teil seines C-Waffenarsenals vor den Kontrolleuren geheimhielt.

Eine andere Möglichkeit sei, dass das Senfgas aus alten Beständen des gestürzten irakischen Regimes von Saddam Hussein stammt, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf US-Regierungskreise.

Im Juni 2014 eroberten die Dschihadisten die Anlage Muthanna im Irak, in der Saddam Hussein in den Achtzigerjahren Massenvernichtungswaffen entwickeln ließ. Dort sollen auch noch alte Senfgas-Geschosse gelagert worden sein.

syd/AP/Reuters
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