Mutmaßlicher Terrorist Abu Hamza Der Hassprediger, der Stripclub-Chef war

Seit mehr als drei Wochen steht der islamische Hassprediger Abu Hamza in New York vor Gericht. Nun hat er sich erstmals selbst im Prozess geäußert, überraschende Details über seine Vergangenheit offenbart und Ehetipps gegeben.

Angeklagter Abu Hamza (Gerichtszeichnung): "Ich wollte Geld verdienen und mich amüsieren"
REUTERS

Angeklagter Abu Hamza (Gerichtszeichnung): "Ich wollte Geld verdienen und mich amüsieren"


New York - Abu Hamza steht wegen Terrorverdachts in New York vor Gericht. Der gebürtige Ägypter mit britischem Pass soll unter anderem an einer tödlichen Geiselnahme im Jemen und Anschlägen in Afghanistan beteiligt gewesen sein. Als Prediger einer Moschee im Londoner Stadtteil Finsbury Park rief er zum Kampf gegen Ungläubige.

Doch Abu Hamza hat ein Vorleben, das er nun in seiner Vernehmung vor dem US-Gericht erstmals offenbarte. Als er noch Mustafa Kamil hieß und 1979 mit 21 Jahren aus Ägypten nach Großbritannien kam, habe er ein wenig islamisches Leben geführt. Vielmehr habe er sich nach dem "westlichen Lebensstil, dem amerikanischen Lebensstil gesehnt", bekannte der Angeklagte.

"Ich wollte Geld verdienen und mich amüsieren", sagte Abu Hamza weiter. Bei der Jobwahl war der junge Mann nicht wählerisch. Nach eigener Aussage habe er unter anderem als Hotelrezeptionist und Türsteher im Partyviertel Soho gearbeitet. Schließlich habe er es sogar zum Co-Manager eines Stripclubs in London gebracht, berichtete der 56-Jährige. Mit seinem Ersparten habe er sein Studium als Bauingenieur finanziert.

Abu Hamza gibt Ehetipps

Sein Interesse am Islam wurde nach seinen Angaben erst 1982 von seiner damaligen Frau, einer Engländerin, geweckt. Diese habe unbedingt konvertieren wollen. Für Lacher sorgte Abu Hamza, als er in gelehrtem Ton Ehetipps von sich gab: Demnach sollte ein Mann niemals auf die "dumme" Idee kommen, seiner Frau die Wahrheit zu sagen, wenn er sie nicht mehr liebt. Er könne ja seine Meinung wieder ändern. "Vielleicht liebt er sie ja später", sagte der Angeklagte.

Nach seiner Hinwendung zum radikalen Islam ging Abu Hamza in den achtziger Jahren nach Afghanistan, wo er gegen die Sowjets kämpfte. Während des Kriegs wurde er schwer verwundet, er verlor beide Hände und ein Auge.

2004 wurde Abu Hamza in Großbritannien wegen Anstiftung zu Mord und Rassenhass festgenommen und 2006 zu sieben Jahren Haft verurteilt. Vor 19 Monaten wurde er nach jahrelangem juristischem Tauziehen an die USA ausgeliefert.

Bei einem Schuldspruch drohen ihm lebenslange Haft plus weitere 100 Jahre.

syd/AFP



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Frank Ly 08.05.2014
1. Schon interessant...
...wieviele der religioesen Fanatiker ein kriminalles Vorleben haben oder Drogenprobleme bevor sie ploetzlich "das Licht sehen"! Ich habe persoenlich ganz aehnliche Bekanntschaften gemacht. Sehr oft gescheiterte Existenzen, die grad noch die letzte Ausfahrt vor der selbstzerstoerung oder dem Suizid geschafft haben und jetzt denken, Ihre Erfahrungen sind zwingend anwendbar fuer den Rest der Menschheit.
Preppy 08.05.2014
2. Abu Hamza & der MI5
Die BBC hat gerade heute auch einen Artikel zu Abu Hamza veröffentlicht: http://www.bbc.co.uk/news/world-us-canada-27321235 Das Interessante: Der "Hassprediger" Abu Hamza wurde nach eigener Aussage 1997 vom englischen Geheimdienst MI5 angeworben. Während der aktuellen Gerichtsverhandlung wollte sein Verteidiger Dokumente von Scotland Yard einreichen, die das beweisen sollen - woraufhin der Richter diese Beweise sofort als "unzulässig" (inadmissible) einstufte... Rechtsstaat, western style!
ariovist1966 08.05.2014
3. Warum auch,
Zitat von PreppyDie BBC hat gerade heute auch einen Artikel zu Abu Hamza veröffentlicht: http://www.bbc.co.uk/news/world-us-canada-27321235 Das Interessante: Der "Hassprediger" Abu Hamza wurde nach eigener Aussage 1997 vom englischen Geheimdienst MI5 angeworben. Während der aktuellen Gerichtsverhandlung wollte sein Verteidiger Dokumente von Scotland Yard einreichen, die das beweisen sollen - woraufhin der Richter diese Beweise sofort als "unzulässig" (inadmissible) einstufte... Rechtsstaat, western style!
weshalb soll man diesem Islamisten besondere Rechte zugestehen? Meines Erachtens sollte man ihn möglichst rasch aburteilen und dann ...
kugelsicher, 08.05.2014
4. Boko Haram tötet und entführt, .....
weil nur angeblich ein Verdacht auf "westliche Bildung" besteht, aber ihre eigenen Brüder im Geiste, eben so ein Abu Hamza macht in Stripclubs. Doppelmoral vom Feinsten.
tw1974 08.05.2014
5. Warum auch?
Zitat von PreppyDie BBC hat gerade heute auch einen Artikel zu Abu Hamza veröffentlicht: http://www.bbc.co.uk/news/world-us-canada-27321235 Das Interessante: Der "Hassprediger" Abu Hamza wurde nach eigener Aussage 1997 vom englischen Geheimdienst MI5 angeworben. Während der aktuellen Gerichtsverhandlung wollte sein Verteidiger Dokumente von Scotland Yard einreichen, die das beweisen sollen - woraufhin der Richter diese Beweise sofort als "unzulässig" (inadmissible) einstufte... Rechtsstaat, western style!
Woraus lesen Sie, dass Abu Hamza vom MI5 "angeworben" wurde? In Ihrem link steht lediglich, dass er behauptet, vom MI5 "kontaktiert" (contacted) wurde. "(...) said that MI5 first contacted him in 1997." Damit wollte die Verteidigung belegen, dass Abu Hamza mit der Polizeit kooperierte. "(...) demonstrate how the preacher co-operated with police to calm tensions and to help release hostages." Warum sollte das überhaupt relevant sein? Abu Hamza kann tausendmal mit der Polizei kooperiert haben, das rechtfertigt in keiner Weise die ihm vorgeworfenen Taten, oder? Ich bin mir nicht sicher, aus welchem Grund das Gericht das Beweismittel als unzulässig abgelehnt hat, kann mir aber einige sachliche Gründe vorstellen (Irrelevanz, Gegenteil ist bereits bewiesen). Warum sollte die Ablehnung an sich nicht rechtsstaatlich sein?
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