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08. Oktober 2013, 15:30 Uhr

Mali

Islamisten greifen Gao an

Islamistische Rebellen versuchen im Norden Malis verlorenes Terrain zurückzuerobern. Sie beschossen die Stadt Gao mit Artillerie und sprengten zwei Brücken. Erst Anfang dieses Jahres hatten französische Truppen die Extremisten aus der Region zurückgedrängt.

Bamako - Neun Monate nach Beginn der französischen Militäroperation in Mali sind die Islamisten in dem westafrikanischen Land wieder auf dem Vormarsch. Am Dienstag haben Rebellen im Norden Malis zwei Brücken über einen Arm des Flusses Niger gesprengt, teilten Bewohner der Gegend mit. Die Brücken sind Teil der Verbindungsstraße zwischen der Stadt Gao und der Grenze nach Niger.

Die Explosionen ereigneten sich nur Stunden nachdem islamistische Kämpfer Gao mit Artilleriegeschossen angegriffen hatten. Bei der ersten größeren Attacke auf den Ort seit März wurden mindestens sieben Menschen verletzt, darunter ein malischer Soldat. Vor anderthalb Wochen hatte es zudem einen Selbstmordanschlag in der Stadt Timbuktu gegeben, bei dem laut der Regierung zwei Zivilisten getötet und sieben malische Soldaten verletzt wurden. Zu dem Anschlag bekannte sich die Terrorgruppe al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQMI).

Präsidentenwahl verlief ohne Zwischenfälle

Gao war im März 2012 unter die Kontrolle der Islamisten geraten. Die "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" (MUJAO) hatte im Norden Malis anschließend ein streng islamistisches Regime auf der Grundlage ihrer Auslegung der Scharia errichtet. Ihre Kämpfer hackten angeblichen Straftätern die Gliedmaßen ab oder peitschen sie öffentlich aus. Frauen durften nur noch voll verschleiert auf die Straße gehen.

Im Januar 2013 intervenierte Frankreich in seiner einstigen Kolonie. Die französische Armee vertrieb die Islamisten aus Gao, viele ihrer Kämpfer konnten jedoch fliehen und zogen sich in die unwegsame Wüstenregion in der Umgebung zurück. Mehrfach griffen anschließend Selbstmordattentäter der MUJAO die ausländischen Truppen an.

Zwischenzeitlich hatte sich die Lage in dem westafrikanischen Land wieder weitgehend stabilisiert. Die Präsidentschaftswahl im Sommer verlief ohne größere Zwischenfälle. Ibrahim Boubacar Keita wurde in einer Stichwahl mit drei Viertel der Stimmen gewählt, fast jeder zweite Bürger nahm an der Wahl teil.

syd/AP/AFP

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