Anschlagsserie in Ägypten Extremisten töten mehrere Menschen auf dem Sinai

Ägyptens Armee entgleitet die Kontrolle über den Sinai. Bei neuen Angriffen auf Sicherheitskräfte sind auf der Halbinsel mindestens sechs Menschen getötet worden. Die Bevölkerung ist in Panik.

Armeeposten auf dem Sinai: Extremisten nehmen die Sicherheitskräfte ins Visier
REUTERS

Armeeposten auf dem Sinai: Extremisten nehmen die Sicherheitskräfte ins Visier


Kairo - Die Gewalt auf der Sinai-Halbinsel erreicht einen neuen Höhepunkt. Bei einer Serie von Angriffen sind seit Sonntagmorgen nach Angaben von Ärzten mindestens sechs Ägypter getötet worden - zwei Zivilisten, zwei Soldaten und zwei Polizisten. Elf weitere Menschen seien verletzt worden.

Insgesamt sollen militante Islamisten zehn Ziele in den Städten Rafah und Arisch im Norden des Sinai nahe der Grenze zu Israel attackiert haben. Sie griffen Polizeiwachen und Armeeposten sowie ein Studio des staatlichen Rundfunks an. In Teilen von Arisch herrsche inzwischen Panik, berichten Augezeugen in ägyptischen Medien. Es ist die blutigste Anschlagsserie in dem Gebiet seitdem das Militär am 3. Juli Präsident Mohammed Mursi gestürzt hat.

Der Nordsinai hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Operationsgebiet islamistischer Extremisten entwickelt. Seit dem Sturz von Diktator Husni Mubarak Anfang 2011 haben sie ihre Angriffe auf ägyptische Sicherheitskräfte verstärkt. Inzwischen sind Überfälle auf staatliche Einrichtungen an der Tagesordnung, allein seit Monatsbeginn kamen dabei mindestens 20 Menschen auf dem Sinai ums Leben.

Anfang Juli gaben militante Islamisten die Gründung einer neuen Kampfgruppe auf dem Sinai bekannt. Die "Helfer der Scharia in Ägypten" streben den bewaffneten Sturz der vom Militär installierten Führung in Kairo an.

syd/Reuters



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auweia 22.07.2013
1. Hass gegen Christen
Zitat von sysopREUTERSÄgyptens Armee entgleitet die Kontrolle über den Sinai. Bei neuen Angriffen auf Sicherheitskräfte sind auf der Halbinsel mindestens sechs Menschen getötet worden. Die Bevölkerung ist in Panik. http://www.spiegel.de/politik/ausland/islamisten-toeten-sechs-menschen-in-arisch-und-rafah-auf-dem-sinai-a-912330.html
Was SPON nicht sagt: es gab auch Attacken gegen Kirchen und Morde an Christen. Staatskrise in Ägypten: Armee soll Sinai unter Kontrolle bringen - Politik - Tagesspiegel (http://www.tagesspiegel.de/politik/staatskrise-in-aegypten-armee-soll-sinai-unter-kontrolle-bringen/8521824.html)
Boracaytaucher 22.07.2013
2. Staatsautorität längst verloren
Nicht erst seit dem Sturz von Mubarak hat de facto der ägyptische Staat zwischen El Arish und der Grenze zu Gaza nicht mehr viel Autorität. Die Region ist in der Hand von einigen Beduinenstämmen sowie Hamas-Sympathisanten bzw. eingesickerten Hamas-Aktivisten. Sie sind recht wohlhabend durch den Betrieb der zahllosen Schmuggeltunnel nach Gaza, durch die nicht nur Alltagsgüter, sondern auch Raketenbauteile und Sprengstoff transportiert werden. Damit ist verständlich, dass man dort das wiederauferstandene ägyptische Militär zu Fall bringen will. Eigentlich die einzige konsequente Lösung wäre ein massiver Militäreinsatz, gefolgt von Militärpräsenz in hoher Truppenstärke. Das widerspricht zwar den Demilitarisierungsregeln für den Sinai im Camp David-Abkommen, aber vermutlich werden weder USA noch Israel dagegen intervenieren. Dann allerdings ist als Randerscheinung mit neuen Bombenanschläge in der noch nicht von der Reisewarnung erfassten Touristenregion im Südsinai zu rechnen.
derandersdenkende, 22.07.2013
3. Schade
Zitat von sysopREUTERSÄgyptens Armee entgleitet die Kontrolle über den Sinai. Bei neuen Angriffen auf Sicherheitskräfte sind auf der Halbinsel mindestens sechs Menschen getötet worden. Die Bevölkerung ist in Panik. http://www.spiegel.de/politik/ausland/islamisten-toeten-sechs-menschen-in-arisch-und-rafah-auf-dem-sinai-a-912330.html
Ägypten scheint nach dem Putsch immer mehr zum Terrain jener Interessengruppen zu werden, die schon Afghanistan, den Irak, Libyen und Syrien unsicher machen. Zurück zur völligen Destabilität und zur Herrschaft von Familienclans oder religiöser Irrläufer kann keine anehmbare Lösung sein. Die Möglichkeit einer demokratischen Entwicklung wurde jedenfalls erst mal verspielt!
alfredoneuman 22.07.2013
4.
Zitat von sysopREUTERSÄgyptens Armee entgleitet die Kontrolle über den Sinai. Bei neuen Angriffen auf Sicherheitskräfte sind auf der Halbinsel mindestens sechs Menschen getötet worden. Die Bevölkerung ist in Panik. http://www.spiegel.de/politik/ausland/islamisten-toeten-sechs-menschen-in-arisch-und-rafah-auf-dem-sinai-a-912330.html
Das Terrorismusproblem ist weder unverhofft noch über Nacht über den Sinai hereingebrochen. Seit Jahren, schon unter Mubarak, wurden auf dem Sinai Terroranschläge, vornehmlich gegen israelische und dann später auch gegen andere ausländische Touristen verübt. Was aber das Problem zuspitzte und auch verfestigte, war die stillschweigende Duldung der jeweiligen Machthaber in Kairo, dass Waffen und Terroristen quer durch den Sinai an die Hamasterroristen in Gaza transportiert wurden, und das obwohl bereits Mubarak von den Israelis darauf hingewiesen wurde, dass er etwas dagegen unternehmen sollte. Zwar verstieß diese Passivität gegen Buchstaben und Geist des mit den Israelis geschlossenen Friedensvertrag, das scherte die Ägypter aber nicht weiter. Nun fahren sie die die Ernte ihrer opportunistischen, oder besser gesagt verkommenen Politik, in die Scheune ein. Die Erfahrung dass man mit Terroristen besser keine "Geschäfte" machen sollte, hat auch schon der Syrer Assad machen müssen: Jahrelang hat er es geduldet dass Al Kaida Syrien als Aufmarschgebiet für ihren Kampf gegen die USA benutzte, jetzt gehen seine ehemaligen Freunde ihm an den Kragen, und sein Gejammer ist groß. Auf einmal faselt er was von der Bedrohung durch den islamistischen Terror.
alfredoneuman 22.07.2013
5.
Zitat von derandersdenkendeÄgypten scheint nach dem Putsch immer mehr zum Terrain jener Interessengruppen zu werden, die schon Afghanistan, den Irak, Libyen und Syrien unsicher machen. Zurück zur völligen Destabilität und zur Herrschaft von Familienclans oder religiöser Irrläufer kann keine anehmbare Lösung sein. Die Möglichkeit einer demokratischen Entwicklung wurde jedenfalls erst mal verspielt!
Der schlimmst Zwischenfall ereignete sich vor knapp einem Jahr, also lange vor dem Putsch, damals regierte bekanntlich Mursi. Ägypten: Tote bei Angriff auf Sinai-Grenzposten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-tote-bei-angriff-auf-sinai-grenzposten-a-848369.html) Und nein, das was hier diskutiert wird, taugt nun überhaupt nicht dazu mit den üblichen nebulösen Andeutungen den Eindruck zu erwecken, dass mal wieder der böse Westen seine Hand im Spiel hat, mit dem Ziel das ansonsten so friedliche Zusammenleben von Arabern zu behindern oder gar zu verunmöglichen.
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