Bürgerkrieg in Syrien Nusra-Front schwört Rache für Giftgas-Tote

Seine Truppe werde Dörfer von Assad-Anhängern mit Raketen beschießen: Der Anführer der Qaida-nahen Nusra-Front hat in einer Audiobotschaft Vergeltung für die Giftgas-Attacke geschworen. Gleichzeitig droht Iran mit Konsequenzen für den Fall einer militärischen Intervention des Westens.
Kämpfer der Freien Syrischen Armee und der Nusra-Front: Drohung der Islamisten

Kämpfer der Freien Syrischen Armee und der Nusra-Front: Drohung der Islamisten

Foto: REUTERS/ Mohamed Ibrahim/Shaam News Network

Hamburg - Im Syrien-Konflikt droht eine erneute Eskalation. Die islamistische Rebellengruppe Nusra-Front will sich an der alawitischen Minderheit für die mutmaßlichen Angriffe mit Chemiewaffen rächen. "Für jede Chemiebombe, die auf unsere Leute in Damaskus gefallen ist, wird eines ihrer Dörfer zahlen, so Gott will", sagte der Anführer der Gruppe, Abu Mohammed al-Golani in einer im Internet veröffentlichten Audiobotschaft. "Zusätzlich werden wir tausend Raketen vorbereiten, die wir auf ihre Städte feuern, um das Massaker in Ghuta bei Damaskus zu rächen."

Hintergrund: Die Nusra-Front steht der islamistischen al-Qaida nahe. Die Minderheit der Alawiten gehört zur gleichen Glaubensgruppe wie der syrische Präsident Baschar al-Assad. Der seit zwei Jahren währende Aufstand in Syrien hat sich längst zu einem Bürgerkrieg mit Zügen eines religiösen Konflikts zwischen Sunniten und Alawiten entwickelt.

Allerdings ist die reale Existenz von al-Golani durchaus fraglich, wie der SPIEGEL bereits vor Monaten berichtete . In Videos tritt er stets nur maskiert und meist mit technisch verzerrter Stimme auf. "Keiner kennt Golani", sagt einer, der mit mehreren Nusra-Männern in Kontakt steht.

Nach Angaben der Rebellen wurden bei mehreren Angriffen mit Chemiewaffen am Mittwoch nahe Damaskus 1300 Menschen getötet. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichtete am Wochenende, nach ihren Erkenntnissen seien in syrischen Krankenhäusern 355 Patienten mit "neurotoxischen Symptomen" gestorben. Tausende weitere mit derartigen Beschwerden würden in drei Krankenhäusern der Region behandelt. Regierung und Rebellen beschuldigen sich seit Tagen gegenseitig, Chemiewaffen eingesetzt zu haben.

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Möglicher Giftgasangriff: Uno-Inspekteure in Syrien

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Seitdem hat sich der Ton auch international verschärft. Die USA haben mit Vorbereitungen für eine mögliche militärische Intervention begonnen, aus Iran wiederum kamen Drohungen in Richtung der Vereinigten Staaten.

Frankreichs Staatschef François Hollande sieht mittlerweile zahlreiche Hinweise auf den Einsatz von Chemiewaffen durch die syrische Armee. In einem Gespräch mit dem australischen Premierminister Kevin Rudd habe Hollande die Einschätzung abgegeben, "dass es mittlerweile ein Bündel an Hinweisen darauf gibt, dass der Angriff vom 21. August chemischer Art war, und alles darauf hinführt, dass das syrische Regime als Verantwortlicher dieser unerhörten Tat zu betrachten ist", hieß es aus dem Elysée-Palast.

Hollande forderte einen sofortigen und uneingeschränkten Zugang der Uno-Waffeninspektoren zu den Angriffsorten und unterstrich seine Entschlossenheit, die mutmaßlichen Giftgasangriffe nahe Damaskus "nicht ungestraft" zu lassen. In diesem Zusammenhang lobte der Präsident die Zusammenarbeit mit Australien, das im September turnusgemäß den Vorsitz im Uno-Sicherheitsrat übernimmt.

Hollande führte nach Elysée-Angaben außerdem ein Telefonat mit dem britischen Premierminister David Cameron, in dem beide den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien "uneingeschränkt verurteilten".

Auch Papst Franziskus meldete sich zu Wort. Er sagte nach dem Angelus-Gebet im Vatikan, angesichts der Zunahme der "Massaker und Grausamkeiten" rufe er die internationale Gemeinschaft auf, "sich sensibler gegenüber dieser tragischen Situation zu zeigen und sich maximal zu engagieren", um den Syrern bei der Suche nach einer Friedenslösung zu helfen. Indirekt warnte Franziskus vor einer militärischen Intervention: "Es ist nicht die Konfrontation, die Perspektiven der Hoffnung auf eine Lösung der Probleme bietet, sondern die Fähigkeit zur Begegnung und zum Dialog."

otr/dpa/Reuters
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