Israel 38 Verletzte bei Selbstmordanschlag

Wie befürchtet kommt es auch in Israel wieder zu Selbstmordattentaten. Am Sonntagmittag sprengte sich ein Palästinenser in der Stadt Netanja nördlich von Tel Aviv in die Luft und verletzte 38 Israelis zum Teil lebensgefährlich.


Todesopfer: Israelische Polizisten untersuchen die sterblichen Überreste des palästinensischen Extremisten
AP

Todesopfer: Israelische Polizisten untersuchen die sterblichen Überreste des palästinensischen Extremisten

Netanja - Der dritte Selbstmordanschlag in Israel in diesem Jahr verlief nur deshalb relativ glimpflich, weil ein Passant den Attentäter am Betreten des Cafés hinderte. Daraufhin löste dieser die Explosion vor dem Gebäude aus. Ein Soldat erlitt dabei schwere Verletzungen. Nach Angaben der Polizei trug der Attentäter einen ungewöhnlich kleinen Sprengkörper von rund drei Kilogramm Sprengstoff bei sich. Zuletzt hatte sich am 5. März ein Palästinenser in einem Linienbus in der Stadt Haifa in die Luft gesprengt und dabei 15 Israelis mit sich in den Tod gerissen.

Der Anschlag ereignete sich wenige Stunden vor einem ersten Treffen des neuen palästinensischen Ministerpräsidenten Machmud Abbas mit Vertretern der Extremisten in Gaza. Der Sprecher der radikalen Palästinenser-Organisationen Hamas, Abdel Asis Rantisi, nannte die Tat am Sonntag eine "berechtigte Selbstverteidigung der Palästinenser" gegen die israelische Besetzung. Offiziell bekannte sich der "Islamische Dschihad" zu der Tat, doch verdächtigt die Palästinenserführung die Hamas als Urheber. Die Gruppe hatte auch die Anschläge im Januar und Anfang März verübt.

Wegen des Krieges im Irak und aus Protest gegen die andauernde israelische Besatzung kam es in den Städten des Westjordanlandes auch am Sonntag wieder zu friedlichen Demonstrationen Hunderter Palästinenser.

Netanja ist seit Beginn der Intifada im Oktober 2000 wiederholt Ziel von Terroranschlägen gewesen. Am 27. März 2002 sprengte sich in einem Hotel der Stadt ein Palästinenser in die Luft und tötete 29 Gäste einer Feier zum Beginn des Passah-Fests. Dieser bisher schwerste Terroranschlag in Israel führte zur Wiederbesetzung weiter Teile des palästinensischen Westjordanlandes.

Bei seinen Bemühungen um die Bildung einer neuen, reform- orientierten palästinensischen Regierung traf der neue Premier Abbas am Sonntag in Gaza mit mehreren Politikern zusammen. Beobachter erwarten, dass er den früheren Sicherheitschef im Gazastreifen, Mohammed Dachlan, zum neuen Innenminister macht. Dieser soll gegen die Extremistengruppen Hamas und Dschihad vorgehen, die bisher alle Forderungen nach einer Beendigung der Gewalt ablehnen.

Der israelische Außenminister Silwan Schalom hatte am Samstag im Rundfunk erklärt, die Regierung in Jerusalem sei zur Wiederaufnahme von Gesprächen mit den Palästinensern bereit. Voraussetzung sei allerdings, dass diese die Gewalt gegen Israel beenden.



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