Israel Alle Gespräche mit Palästinensern abgesagt

Die von Palästinenserpräsident Jassir Arafat und Israels Außenminister Schimon Peres vereinbarte Waffenruhe steht offenbar vor dem Aus. Nach den heftigen Zusammenstößen vom Mittwoch hat Israel alle geplanten Gespräche abgesagt.


Ein israelisches Planierfahrzeug walzt ein palästinensisches Gebäude in der Nähe der jüdischen Siedlung nieder.
AFP

Ein israelisches Planierfahrzeug walzt ein palästinensisches Gebäude in der Nähe der jüdischen Siedlung nieder.

Gaza/Jerusalem/New York - Die abgesagten Gespräche schlössen auch Treffen von Außenminister Schimon Peres mit palästinensischen Politikern ein, sagte Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser. Wenige Stunden nach einem palästinensischen Überfall auf die jüdische Siedlung Elei Sinai im Norden des Gaza-Streifens waren israelische Panzer am Mittwochmorgen in dem Gebiet bis zu zwei Kilometer auf palästinensisches Territorium vorgestoßen. Dabei wurden mindestens sechs Palästinenser getötet.

Am Mittwochabend beschoss die radikal-islamische Hisbollah-Miliz zwei Stützpunkte der israelischen Armee an der Grenze zum Libanon mit Raketen. Der israelische Armeesender meldete, es sei niemand verletzt worden. Es war der erste Angriff dieser Art der Hisbollah seit drei Monaten. Aus libanesischen Kreisen hieß es ebenfalls, es seien Stützpunkte im Bereich der Schebaa-Farmen beschossen und getroffen worden. Aus Vergeltung beschoss israelische Artillerie mehrere Ziele in Süd-Libanon.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan forderte Israel und die Palästinenser dringend auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Tötung von Menschen auf beiden Seiten mache einmal mehr klar, dass der Konflikt durch die Lösung der grundlegenden politischen Probleme überwunden werden müsse, sagte Annan am Mittwoch in New York. Er forderte beide Seiten zu äußerster Zurückhaltung auf.

Ministerpräsident Ariel Scharon gab der Armee nach einer nächtlichen Kabinettssitzung "freie Hand" für die "Bekämpfung des Terrorismus". Mehrere Minister deuteten an, dass dies auch die Wiederaufnahme der Liquidierungen - gezielte Tötungen - mutmaßlicher palästinensischer Extremisten umfasst.

Ariel Scharon
AFP

Ariel Scharon

Obwohl Palästinenserpräsident Arafat den Überfall der Hamas sofort als "schwere Verletzung der mit Israel vereinbarten Waffenruhe" verurteilte und die Verfolgung der Schuldigen ankündigte, drohte Israel mit schwerwiegenden Vergeltungsmaßnahmen. Scharon warf Arafat vor, einer "Koalition des Terrors" vorzustehen. Nach dem Überfall hatte ein Sprecher der Hamas-Organisation erklärt, die Organisation werde beim Kampf gegen Israel nicht mehr zwischen Soldaten und Siedlern unterscheiden.



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