Israel Armee bombardiert Palästinenser-Tunnel

Zwischen der israelischen Armee und palästinensischen Freischärlern tobt ein erbitterter Untergrund-Krieg: Durch geheime Tunnel werden Waffen und Attentäter geschleust, ohne dass die palästinensische Regierung eingreift. Heute hat die israelische Armee einen Grenztunnel bombardiert.

Nach dem Selbstmordanschlag im Badeort Eilat, bei dem drei Menschen starben, hat heute die israelische Armee einen von Palästinensern gegrabenen Tunnel im Norden des Gazastreifens an der Grenze zu Israel bombardiert. Der Luftangriff auf den Tunnel in der Nähe des Grenzübergangs Karni stehe nicht in direkter Verbindung mit dem Anschlag, betonte die Armee. Man habe vielmehr eine "tickende Bombe" stoppen und einen geplanten weiteren Anschlag verhindern wollen.

Allerdings könnte der Attentäter, ein 21-jähriger Palästinenser, nach Angaben des israelischen Fernsehens durch einen ähnlichen Tunnel von Gaza nach Ägypten gelangt und von dort weiter nach Eilat gereist sein. Das an der Grenze zur Jordanien und Ägypten Roten Meer gelegene Baderessort war deshalb so beliebt, weil es weit weg von den bisherigen Anschlagszielen in den israelischen Großstädten lag.

Mit dem Bombardement geht der Kampf um die Wüstentunnel zwischen Israel und palästinensischen Freischärlern in eine neue Runde. Die geheimen Gänge, durch die im großen Stil Waffen geschmuggelt werden und Attentäter unbemerkt den Gaza-Streifen verlassen, sind der israelischen Armee schon lange ein Dorn im Auge - nur konnte sie die unterirdischen Aktivitäten bislang nicht verhindern.

Besonders durchlässig ist die Grenze zwischen Gaza und Ägypten, entlang der so genannten "Philadelphi Route". Allein hier haben Schmuggler und Freischärler nach israelischen Schätzungen mindestens ein Dutzend solcher Tunnel gegraben. Sie sind schwer zu entdecken, denn die Eingänge sind meist in den Kellern von Häusern versteckt. Durch die Gänge gelangen Sprengstoff, Panzergranaten, Raketenteile sowie Feuerwaffen und Munition nach Gaza, mit denen vor allem die radikalislamische Hamas beliefert wird.

Der "Philadelphi-Korridor" ist rund zehn Kilometer lang, nach dem Abzug Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen im September 2005 ist der kurze Streifen die erste Grenze seit 1967, die die Palästinenser selbst verwalten dürfen. Doch die palästinensische Regierung ist nicht in der Lage oder nicht willens, den Schmuggel zu unterbinden.

Israel wirft auch Ägypten vor, die Grenze nicht ausreichend zu kontrollieren. Vor dem Abzug besorgte das die israelische Armee noch selbst, sie sprengte regelmäßig entdeckte Tunnel. Als die ägyptische Polizei im vergangenen Dezember einen Geheimtunnel entdeckte, wurde dieser lediglich geschlossen, Festnahmen gab es nicht.

Mit dem Angriff machte Israel wahr, was es schon seit Wochen angedroht hatte: Die Schmuggeltunnel mit Präzisionswaffen zu beschießen, um sie zu zerstören.

jaf, mit Material von dpa/AP/AFP

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