Israels Armeechef "Ich glaube nicht, dass Iran die Atombombe baut"

Israels Armeechef Benny Gantz rechnet nicht mit dem Bau einer Atombombe in Iran. Die Entscheidung darüber müsse das Regime in Teheran erst noch fällen, so der Generalleutnant. Er glaube an die Vernunft der iranischen Führung, gleichwohl müsse sich Israel alle Optionen offenhalten.
Gantz (M.) mit Verteidigungminister Barak (l.) und Premier Netanjahu: "Ohne Hysterie"

Gantz (M.) mit Verteidigungminister Barak (l.) und Premier Netanjahu: "Ohne Hysterie"

Foto: REUTERS/Ronen Zvulun

Jerusalem - Es sind ungewohnte Worte aus Israel: Der Generalstabschef der israelischen Armee, Benny Gantz, hält den Bau einer iranischen Atombombe für unwahrscheinlich. In einem Interview mit der Tageszeitung "Haaretz" sagte er: "Iran nähert sich schrittweise dem Punkt, wo es eine Entscheidung treffen kann, ob es eine Atombombe bauen will."

Bislang habe der Revolutionsführer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, aber noch nicht entschieden, ob er diesen zusätzlichen Schritt gehen werde. Gantz bezweifle, dass Chamenei diesen Weg beschreiten werde. "Ich denke, dass die iranische Führung aus sehr rational denkenden Menschen besteht", so der Generalleutnant. "Ich glaube nicht, dass Iran sich für die Entwicklung von Nuklearwaffen entscheiden wird."

Er äußerte sich zuversichtlich, dass die diplomatischen und wirtschaftlichen Sanktionen gegen Teheran Früchte tragen. Gleichzeitig bereite Israel jedoch "militärische Optionen" gegen Iran als "letzte Möglichkeit" vor. "Das ist mein Job als Mann des Militärs", sagte Gantz.

"Ein atomarer Iran wäre schlecht für die Welt und die Region, weil es Iran neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen würde", warnte der Mann, der seit 14 Monaten an der Spitze des israelischen Militärs steht. Eine Atombombe könnte Teheran als Druckmittel zugunsten der ihnen nahe stehenden militanten und antiisraelischen Organisationen Hisbollah im Südlibanon oder Islamischer Dschihad im Gazastreifen einsetzen, warnte Gantz. Außerdem sei auch Israels Existenz durch ein atomar bewaffnetes Iran bedroht.

Gantz warnt vor Hysterie

Anders als bei früherer Gelegenheit wollte der Armeechef das Jahr 2012 nicht als entscheidend für das iranische Nuklearprogramm bezeichnen. "Das Problem endet nicht notwendigerweise am 31. Dezember 2012. Wir sind in einem Zeitfenster, in dem etwas passieren muss. Entweder Iran beschränkt sein Atomprogramm auf eine zivile Nutzung oder die Welt - und vielleicht auch wir - müssen etwas unternehmen."

Sämtliche Entscheidungen müssten allerdings mit Bedacht getroffen werden, "aus historischer Verantwortung heraus, aber ohne Hysterie".

Mit seinen Äußerungen setzt sich Gantz von der dramatischen Rhetorik des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu ab. Dieser hatte in einem CNN-Interview kürzlich erklärt, er würde, wenn es um die Sicherheit der Welt gehe, nicht auf ein vernünftiges Verhalten Irans wetten. Ein militant islamisches Regime könne seine Ideologie vor sein Überleben stellen.

Das Regime in Teheran bestreitet ein Streben nach Atomwaffen und hat wiederholt erklärt, die Urananreicherung im Land diene nur zivilen Zwecken.

syd/dpa/Reuters
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