Nahostkonflikt Australien erkennt West-Jerusalem als israelische Hauptstadt an

Wem gehört Jerusalem? Darüber streiten Israelis und Palästinenser seit Jahrzehnten - und spätestens seit der Verlegung der US-Botschaft in die Stadt auch andere Staaten. Nun hat sich Australien positioniert.

Tempelberg in Jerusalem
DPA

Tempelberg in Jerusalem


Australien erkennt den westlichen Teil Jerusalems künftig als Hauptstadt Israels an. Sein Land habe sich dazu entschlossen, weil dort der Sitz der Knesset und vieler Regierungsinstitutionen sei, sagte Premierminister Scott Morrison in Sydney. Die australische Botschaft werde aber so lange in Tel Aviv bleiben, bis es ein Friedensabkommen zwischen Israel und den Palästinensern gebe.

Der endgültige Status Jerusalems ist einer der größten Streitpunkte im Nahostkonflikt. Sowohl Israel als auch die Palästinenser beanspruchen Jerusalem als Hauptstadt für sich - Israel die gesamte Stadt, die Palästinenser den Ostteil. Wegen des ungeklärten Status der Stadt war es lange Zeit diplomatischer Konsens, dass ausländische Staaten ihre Botschaft nicht in Jerusalem ansiedeln.

US-Präsident Donald Trump jedoch verlegte im Dezember 2017 die US-Botschaft nach Jerusalem und erkannte die Stadt als israelische Hauptstadt an. Auch Tschechien oder Brasilien kündigten diesen Schritt an. Dies führte zu wütenden Protesten der Palästinenser - ihre Führung klagte vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Australisches Büro für Verteidigung und Handel in West-Jerusalem

Der australische Premier Morrison erneuerte angesichts dieses Konflikts das Bekenntnis seines Landes zu einer Zweistaatenlösung. Seine Regierung sei "entschlossen, das Streben der palästinensischen Bevölkerung nach einem künftigen Staat mit seiner Hauptstadt in Ost-Jerusalem anzuerkennen".

"Wir freuen uns darauf, unsere Botschaft nach West-Jerusalem zu verlegen, wenn es konkret ist, als Unterstützung und nach Bestimmung des endgültigen Status", sagte Morrison. Bis dahin werde Australien ein Büro für Verteidigung und Handel im Westen der Stadt einrichten.

Die Interessenvertretung der Palästinenser in Australien kritisierte die Entscheidung. Ihr Vorsitzender, Bischof George Browning, teilte mit, bereits die Anerkennung West-Jerusalems als israelische Hauptstadt "sabotiert jede echte Möglichkeit eines künftigen Abkommens".

Scott Morrison
Getty Images

Scott Morrison

Morrisons Anerkennung kommt nicht unerwartet. Bereits seit Monaten sympathisiert er damit - was beim Nachbarstaat Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt, für Verärgerung sorgte. Verhandlungen über ein bilaterales Freihandelsabkommen wurden anschließend ausgesetzt. Die Regierung in Canberra mahnt Australier zu "einem hohen Maß an Vorsicht" bei Reisen nach Indonesien.

apr/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.