Nahostkonflikt Netanyahu weist "massive" Angriffe auf Gaza an

Eine neue Welle der Gewalt erschüttert den Nahen Osten: Israels Regierung lässt den Gazastreifen massiv beschießen. Von dort fliegen weiter Raketen über die Grenze.

Amir Cohen/ REUTERS

"Ich habe die Armee heute Morgen angewiesen, die massiven Angriffe auf Terrorziele im Gazastreifen fortzusetzen", sagte der israelische Regierungschef zu Beginn einer Dringlichkeitssitzung seines Kabinetts am Sonntag in Jerusalem. Er habe auch dafür gesorgt, dass die Streitkräfte am Rand des Gazastreifens mit Panzer-, Artillerie- und Infanterietruppen verstärkt würden. Die Hamas trage die Verantwortung für alle Attacken aus dem Küstenstreifen und zahle bereits einen hohen Preis dafür.

Bei Angriffen der israelischen Luftwaffe sollen in Gaza seit Samstag mindestens sechs Palästinenser getötet worden sein, darunter eine schwangere Frau und ihr einjähriges Kind. 47 weitere Palästinenser seien verletzt worden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf das dortige Gesundheitsministerium.

Die israelische Armee bestritt, für den Tod der Palästinenserin und ihres Kindes verantwortlich zu sein. Militärsprecher Jonathan Conricus sagte, die beiden seien von einer fehlgeleiteten Rakete der Hamas getötet worden. "Wir sind 100 Prozent sicher, dass es nicht durch Waffen der israelischen Armee war."

In der Küstenstadt Aschkelon starb nach Polizeiangaben in der Nacht zum Sonntag ein Israeli, als eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete sein Wohnhaus traf. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom wurden in Israel 83 Menschen verletzt, darunter eine 80-Jährige, die in Kiriat Gat Raketensplitter trafen.

Eurovision Song Contest in Tel Aviv

Die neue Eskalation geschieht nur wenige Tage vor dem internationalen Gesangswettbewerb Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv, der am 14. Mai beginnt. Außerdem beginnt in dieser Woche der Fastenmonat Ramadan und Israel feiert seinen Unabhängigkeitstag. Militante Palästinenserorganisationen haben mit einer Ausweitung der Angriffe auf die Küstenmetropole gedroht, die bisher nicht betroffen ist. Ägypten bemüht sich nach Medienberichten um eine Waffenruhe.

Seit Samstag haben militante Palästinenser nach israelischen Militärangaben rund 450 Raketen und Mörsergranaten auf israelische Ortschaften abgefeuert. Auch am Sonntag dauerten die Raketenangriffe an. Die israelische Luftwaffe attackierte nach eigenen Angaben rund 220 Ziele im Gazastreifen.

Die US-Regierung zeigte sich solidarisch mit Israel und sprach dem Verbündeten die "volle Unterstützung" aus. Dagegen verurteilte die Türkei die Angriffe Israels scharf. Das Außenministerium erklärte am späten Samstagabend: "Wir fordern die internationale Gemeinschaft dazu auf, rasch einzuschreiten, um Spannungen in der Region abzubauen, die mit Israels unverhältnismäßigem Vorgehen gestiegen sind."

Bei einem der Luftangriffe wurde nach Augenzeugenberichten ein sechsstöckiges Gebäude im Westen von Gaza-Stadt zerstört, in dem sich offenbar auch das Büro der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu befunden hatte.

lov/AP/dpa/Reuters

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